Band 
Sechster Band. K bis L.
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Lachaise

Gewebe von Hofränkcn befangen. Die MonteSpan und die Maintcnon, die Jan-feinsten und Jesuiten standen sich feindlich einander gegenüber, und der sogen,große Ludwig schwankte, bewegt von Sinnlichkeit und Aberglauben, zwischen die-len Parteien wie ein Rohr. Dennoch gelang es L., sich zu halten, obschon wederMad. MonteSpan noch die Maintenon ihn leiden konnten und oft in bittern Sar-kasmen ihren Widerwillen gegen ihn aussprachen. Überall, bei der berühmten Er-klärung der franz. Geistlichkeit über die Freiheiten der gallicanischen Kirche, bei derZurücknahme des Edicts von Nantes , bei den quietistischen Streitigkeiten, bei derVermählung der Maintenon mit dem König (1686) und ähnlichen Epoche machen-den Vorfällen jener Zeit mußte, in Folge seines Amtes, der P. L., bald mehr,bald minder, die Hände im Spiele haben, und so sehr er auch jeden seiner Schritteüberlegte, so konnte es doch nicht fehlen, daß ihm nicht oft von beiden Seiten diebittersten Vorwürfe gemacht wurden. Über seinen Privatcharakter und sein Be-nehmen überhaupt urtheilten indeß die einsichtsvollsten Männer nie ganz ungünstig,und sowol Waink-Simon, der kein Jesuitenfreund war, als Voltaire in seiner Dar-stellung des Jahrh. Ludwigs XIV., ferner de Doza, Spon u.A. lassen dem Beicht-vater des eitelsten aller Könige und dem Mittelsmann zwischen den erbittertstenParteien die Gerechtigkeit widerfahren, daß er sich mit Anstand, Ruhe, Geschickund Glück in seinen Verhältnissen zu benehmen wußte, und daß er, obschon ein eifri-ger Jesuit, doch nie sich zu heftigen Maßregeln gegen die Gegner hinreißen ließ.Daß Ludwig Mad. Maintenon förmlich ehelichte, schreibt Voltaire besonders denRathschlägen von L. zu; daß diese Verbindung aber eine geheime blieb, und nicht,wie die ehrsüchtige Maintenon wünschte, öffentlich anerkannt wurde, ist gleichfallsdes Paters Betrieb, der dafür fortwährend den Haß von Scarron's Witwe zu tra-gen hatte. L., in der Gunst seines Monarchen bis ans Ende seiner Tage sich hal-tend und von diesem noch zu allen Berathungen geigen, als schon Altersschwächeund Kränklichkeit ihn fast zu einer lebenden Leiche gemacht und seinen Geist gelähmthatten, starb im Jan. 1709, 85 I. alt. Man hat von ihm philosophische, theo-logische und archäologische Schriften. Seine Vorliebe für das Studium der Nu-mismatik, sowie der große Antheil, welchen er an der Verbesserung derselben inFrankreich hatte, sind bekannt. Ludwig XI V. ließ ihm am Ende der heutigen Bou-levards neufs ein Landhaus erbauen, welches damals, wegen seiner Lage an einemHügel, den Namen Mont-LouiS erhielt, und dessen weitläufiger Garten jetzt denKirchhofdes Paker Lachaise bildet, den größten, welchen Paris besitzt. EineMenge der schönsten und reichsten Denkmale zieren nun die Orte. wo sonst die Hof-leute Ludwigs XI V. häufig sich einfanden, um dem Beichtvater ihres unumschränk-rcn Herrn aufzuwarten. Das Haus, in welchem der mächtige Jesuit wohnte, undin dessen Sälen vielleicht der Plan zur Verfolgung der unglücklichen Bewohner derCevennen ausgearbeitet wurde, steht zwar noch, aber stärker, als die ganze Um-gebung , erinnert es nur durch seine Ruinen an Das, was nicht mehr ist. DieLage dieses Kirchhofs an dem Abhänge eines Hügels gewährt eine der herrlichstenAnsichten auf einen bedeutenden Theil der großen Stadt und ihrer nächsten Umge-bungen. Bei der Annäherung der Verbündeten, 1814, ward auch dieserKirchhof,als ein zur Vertheidigung der Stadt wohl geeigneter -Ort, befestigt und von denZöglingen der polytechnischen, sowie der Veterinairschule vertheidigt. Durch dieRussen erstürmt, ward er sehr verwüstet; besonders litten durch das Vivouac derTruppen die schattengebenden Alleen, die jedoch seitdem ziemlich ergänzt wordensind. Kurz vor der zweiten Einnahme von Paris (1815) nahm man aufdem Kirch-hofe von Lachaise vom 24. Juni bis 8. Juli keine Beerdigung vor, aus Furcht,durch die die Hauptstadt umgebenden Truppen gehindert zu werden. Man beorubin dieser Zwischenzeit die Todten auf den längst außer Gebrauch gesetzten Got-tesacker von St.-Marguerite, innerhalb der Stadt.