Landchartenstich Landcultur 411
Miststätten. Viehschwemmen, Brunnen rc. Alle Haushaltungsgebäude müssenFestigkeit, Regelmäßigkeit und Bequemlichkeit besitzen, welchen noch, so weit es denKostenaufwand nicht zu stark vermehrt, Schönheit, Ebenmaß, gute und geschmackvolleFormen beigefügt werden können. Endlich müssen sie beständig der Größe des Land»gutS angemessen sein, damit es auch bei der ergiebigsten Arme nicht an Raum fehle.
Lantcharrenstich, s. Kupferstecherkunst, geographische.
Landcultur (große und kleine). Wie die allgemeine Frage, ob und wie-fern es der Regierung überhaupt zukomme, in die Verwendung von Fleiß undCapital der Unterthanen sich unmittelbar zu mischen, seit jeher von den Staats-Wirthen sehr verschiedenartig ist beantwortet worden, so auch die besondere, ob diegroße oder kleine Landcultur den Vorzug verdiene und von Seiten des Staats zubegünstigen sei, oder ob vielmehr die Regierung in dieser Hinsicht Alles seinem na-türlichen Gange überlassen müsse. Dieser Gegenstand ist besonders in unsernTagen von hoher Bedeutung, weil davon die Entscheidung der Frage abhängt: in-wiefern die Zerschlagung und Vertheilung der Staatsdomainen, sowie deren Ver-äußerung, rathsam sei oder nicht. Der Besitzer kleiner Grundstücke ist, Weilerseine Felder stets unter Augen hat, im Stande, jedes Fleckchen Erde auf das voll-kommenste zu benutzen und durch öftern Wechsel der Cultur dem Boden den mög-lich höchsten Ertrag zu entlocken; keine Mühe läßt er sich verdrießen, bietet sichihm eine Aussicht dar, von seinen Ackern höhere Gewinnste zu beziehen, wäh-rend der große Landwirlh, nur um das Ganze bekümmert, nicht selten das Ein-zelne vernachlässigen muß. Letzterer, im Stande, mit leichter Mühe seine Be-dürfnisse jeder Art aus seinen Einkünften zu befriedigen, wird selten mit solcher Be-triebsamkeit den Boden bauen als der kleine Landbesitzer, von dessen Fleiße seineigner und seiner Familie Lebensunterhalt abhängt. Jener muß sich fremder Ar-beiter bedienen, die noch weniger als er selbst Interesse an dem möglichst-voll-kommenen Anbau haben; dieser verrichtet fast alle Geschäfte selbst, und bietet seinenganzen Verrath von Geistes-und Körperkräften auf, um recht reichen Gewinnaus seinen Ackern zu ziehen. Hieraus allein schon geht hervor, daß, in Ansehungder Masse der Erzeugnisse, in der Regel die große Cultur der kleinen weit nach-stehen müsse. Auch lehrt die Erfahrung, wie sehr Pächter und Verwalter großerLandgüter bei ihrer Benutzung betrogen werden, und wie schwer sie landwirth-schaftliche Verbesserungen aufnehmen. Schon dies Hängen der großen Besitzeram Stationairen macht ihre Güter unproductiver. Daraus jedoch, daß die kleineCultur die Erzeugung einer weit stärker» Masse von Genußmitteln möglich machtals die große, folgt noch nicht, daß sie vor dieser den Vorzug verdiene, denn nichtdie Menge des Hervorgebrachten, sondern der reine Ertrag allein kann hier ent-scheiden, und dieser ist bei einer geringern Masse von Erzeugnissen oft bedeutenderals bei einer großen. Aber auch im Reinerträge hat die kleine fleißigere und auf-merksamere Cultur große Vorzüge, denn sonst würden zerschlagene, vererbpachteteGrundstücke nicht mehr eintragen, als da sie ein sogenannter großer Ökonom be-wirthschaftete. Wie aber die kleine Cultur auf die Hervorbringungskrast der Erdeund ihren rohen Ertrag höchst wohlthätig wirkt, ebenso wohlthätig wirkt sie auchaus die Bevölkerung des Staats; denn es empfangen vermöge derselben von denErzeugnissen des Bodens, der außerdem nur Eine Familie ernährt hätte, mehreFamilien ihren Unterhalt, und wovon sonst 10 Menschen im Wohlstände lebten,davon erhalten vielleicht jetzt 20 ihr norhdürftiges Auskommen. Die Besitzergroßer Ökonomien verzehren ihre Reinerträge gemeiniglich in der Hauptstadt oderim Auslande, und in jedem Falle bedarf der Mann großen Einkommens viel ausdem Auslande, und der Familienvater mit kleinem Einkommen weniger. Deßwe-gen blühen in den Regionen der kleinen Cultur die nahen Städte sehr, und wenigerda, wo die große vorherrscht. Deßwegen muß der Staat die große Landculkur