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Laokoon
weise angeaeben: die eine umschlingt nur, die andere wird gereizt und verletzt ihrenGegner. Ebenso ist die Bedeutung der 8 Personen dieser Gruppe sehr weiseabgestuft: L. ist ein starker wohlgebauter Mann, aber schon über die Jahre derKraft hinaus. Einen rüstigen Jüngling an seine Stelle gedacht, und dü- Gruppewürde ihren ganzen Werth verlieren. Die beiden mit ihm leidenden Knaben sindgegen den Vater klein gehalten, um diesen, als Hauptgegenstand der Gruppe,desto mehr auszuzeichnen. Der älteste, am wenigsten verstrickte Sobn ist zugleichauch der Beobachter, Zeuge und Thestnehmer bei der That, und so erhält daSÄsirkdie vollkommenste Abgeschlossenheit. Es ist nicht zu läugnen, daß der gewählteGegenstand an sich selbst einer der glücklichsten für die bildende Kunst ist, weil esnichts Ausdrucksvolleres geben kann als Menschen mit gefährlichen Thieren imKampfe, und zwar mit Thieren, die nicht als Massen und Gewalten, sondern alseinzelne, vertheilte Kräfte wirken, die daher einen vertheilten Widerstand fo-dern und vermöge ihres Baues fähig sind, 3 Menschen, mehr oder weniger, ohneVerletzung in einen Zustand der Lähmung zu versetzen. Eben durch dieses Mittelder Lähmung wird über das Ganze, ungeachtet der großen Bewegung eine gewisseRuhe und Einheit verbreitet. Aber sowie nun der Gegenstand an sich selbst sehrgewählt ist, so konnte der Augenblick der Darstellung ebenfalls nicht glücklicher sein.Dieser ist gesteigert: der eine Körper wird durch Umwinden wehrlos gemacht; derandre ist zwar wehrhaft, aber verletzt, und dem dritten bleibt noch Hoffnung zurFlucht übrig. Im ersten Falle ist der jüngere Sohn, im zweiten der Vater, undim dritten der ältere Sohn. In Rücksicht des gewählten Augenblicks ist noch zubemerken, daß, wenn ein Werk der bildenden Kunst sich merklich vor dem Augebewegen soll, ein vorübergehender Moment gewählt werden, und jeder Theil vorund nachher eine andere Lage haben muß. Dieses Erfodermß erfüllt L. vollkommen.Wenn man sich dies recht anschaulich machen will, so stelle man sich in gehörigerEntfernung mit verschlossenen Augen vor das Werk, öffne sie und schließe sie sogleichwieder. Dann wird man den ganzen Marmor in Bewegung erblicken und fürch-ten, bei Wiedereröffnung der Augen die ganze Gruppe verändert zu finden. Die-selbe Wirkung entsteht, wenn man sie des Nachts bei Fackelschein betrachtet. Aberauch die mechanischen Vollkommenheiten dieses Werks setzen den Kenner in Erstau-nen: die vollkommene Richtigkeit der Zeichnung, die schönen, genauen, sanften,fließenden Umrisse der Körper, die höchste anatomische Kenntniß, das Spiel derMuskeln, die Wirkung des körperlichen Schmerzes auf alle Glieder. Hierzukommt noch die meisterhafte Ausführung des Ganzen, die Behandlung des Mar-mors und das ganze Mechanische der Bearbeitung, welches Alles nur ein Kennereinzusehen im Stande ist. Alle Figuren sind, ungeachtet des heftigen Schmerzes,Ideale der schönen Natur, ohne daß dadurch der Ausdruck dieses Schmerze? unddie Folgen vom Drucke der Schlangen verwischt sind. Verfertigt wurde diesesWerk, wie man nach Plinius annimmt, aus einem einzigen Steine, von den Bild-hauern Ageiander, PolydoruS und AkhenodoruS, alle 3 aus Rhodus gebür-tig, von denen die beiden Letztem wahrscheinlich die Söhne des Erstem gew.sen sind.Über das Zeitalter, worin das Werk verfertigt worden, ist bisher noch Zweifel ge-wesen: Maffei sitzt es in die 88. Olympiade oder in die ei sten Jahre des pelopon-Nksischen Kriegs, Winckelmann in das Zeitalter Lysipp 'ö und Alexanders, und Lesising machte« wahrscheinlich, daß jene 3 Künstler unter den ersten Kaisern gelebthaben. Aber man muß billig zweifeln, ob die Statue, von der Plinius mit sofeurigem Lobe spricht, eine und eben dieselbe mit derjenigen sei, welche wir jetztbesitzen. Plinius sagt von der sinnigen, daß sie aus einem einzigen Stücke gear-beitet gewesen; die vorhandene hingegen ist, nach der Bemerkung verständigerBeobachter, aus mehren Blecken zusammengesetzt, obgleich die Fugen sehr künstlichversteckt sind. Man könnte freilich einwenden, daß sie, weil zu PliniuS's Zeiten die