Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
474
JPEG-Download
 

474 Laute

Lavalette (Marie Chamans, Grafv.)

, Laute (ital. il liuto, franz. Ie lull,), wahrscheinlich von dem deutschen Worte Laut, ist aus der alten Lyra (s. d.) entstanden. Nach A. wurde sie durchdie Mauren nach Spanien, wo man sie l.->ouü nannte, und von da nach Italien gebracht, wo sie den Namen I.inio oder lüout erhielt. Sie war wol der ObvHsoder '1V-,turio der Römer ähnlich. Sie hat einen gewölbten Bauch (Corpus), vonsehr dünnen Spänen zusammengesetzt, einen Resonanzboden (Dach) von Tannen-holz, einen Stiel von ansehnlicher Länge, welcher Griff heißt, an besten End» derHals befindlich ist. woran die Töne durch 9 — 10 Bünde gezeichnet sind, und oben»inen krumm heruntergebogenen Kopf(Kragen), woran die auf einen, Stege ruhen-den Saiten (welche mit der linken Hand, wie ungefähr bei der Guitarre, gegriffenund mit der rechten geschlagen werten) durch Wirbel befestigt sind. Gemeiniglichhat dies Instrument 12 —13 Chöre (Doppelsaiten), welche jedes Mal nach derTonart, aus welcher man spielen will, gestimmt werten müssen. Die Noten, nachwelchen man dieses Instrument spielt, pflegen nicht wie gewöhnlich auf 5, sondernauf 6 Linien geschrieben zu werden. Es gab ehemals kleine Octavlauten, kleineDiscantlauten, Chorist-(Alt-), Tenor-, Baß-und Großoctavbaßlauten. Wahr-scheinlich ist die ungemeine Schwierigkeit, mit welcher dieses Instrument theils ge-stimmt, theils gespielt wird, und die unaufhörliche Verstimmung desselben derGrund, weßhalb es aus der Mode gekommen ist.

Läuterung (jur.), reviüio »ctnr»>», ein Rechtsmittel gegen eine richter-liche Entscheidung, welches in Sachsen üblich ist und dabin geht, daß derselbeRichter sein voriges Urtheil selbst abändern möge, daher die Sache durch sie nicht anein höheres Gericht gebracht, sondern nur die Rechtskraft und Vollziehung der an-gefochtenen Entscheidung aufgehalten wird; es ist nicht devolutiv, sondern bloß sus-pensiv. Die Läuterung muß binnen 10 Tagen eingelegt und sodann durch ein zwei-tes Gesuch fortgestellt werden. Man verbindet damit gewöhnlich den Antrag aufActenversendung. Bei Obergerichten heißt sie Oberläuterung. 37.

Lava s. Vulkane.

La Dalette (Jean de), Großmeister von Malta seit 1557, aus einemprovenralischen Geschlechte, bewies s. Heldenmuth, als er den «ultan Soliman ll.,der mit 80,000 M. Malta belagerte, nach einem Verluste von mehr als 20,000 M.1565 zum Abzüge nöthigte. Er erbaute hierauf die seinen Namen führende Haupt-stadt und Festung La Valetta (s.Va l et ta), schlug die Carhinalswürte aus undstarb 1568.

Lavalette (Marie Chamans, Graf v.),Oberpostdirectvr unter Napoleons Regierung, geb. zu Paris 1769 von geringen Ältern. Seine Mutter erhielt vondem berühmten Geburtshelfer Baudelocgue, der sie oft als Amme empfahl, dieMittel, dem Knaben eine Erziehung über seinem Stande zu geben. L- bereitete sichzum geistlichen Stande vor, änderte aber, ehe er völlig zu diesem Berufe überging,seinen Entschluß und widmet« sich dem Studium der Rechte. Die Revolution gabseinem Ehrgeiz eine andre Richtung. Er ward Ofsicier der Nationalgarde undvertheidigte im August 1792 die Tuilerien. Später diente er am Rhein und inItalien , wo Bonaparte, der Beweise von seiner Geschicklichkeit und Verschwiegen-heit erhalten hatte, ihn zu seinem Adjutanten machte und ihm seinen geheimenBriefwechsel anvertraute. Durch seine Vermählung mit der Nichte der KaiserinIosephine, der Tochter des Marquis Beauharnais, wurde er noch fester an Bona-parte gebunden. Er begleitete ihn nach Ägypten , wurde nachher Oberpostmeisterund späterhin zum Grafen erhoben. Nach der Herstellung des königl. Hauses verlorer seine Stelle, aber sein Nachfolger Ferrand fragte ihn oft in Dienstangelegenhei-ten um Rath. Am 20. März 1815, wenige Stunden nach der Flucht des Königs,erschien er mit dem General Sebastiani im Postamt und foderte Ferrand mit Beob-achtung der größten Höflichkeit auf, ihm als vorn Kaiser ernanntem Oherpostmeisterseine Stelle zu übergeben, und erlaubte ihm nur wenige Minuten, seine Schriften