Lavater
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zusammenzusuchen. Er traf alsdann schnell Maßregeln, Napoleons Unternehmenzu befördern, und zeigte ungemein viel Wachsamkeit und Thätigkeit. Die Pasis-würde war sein Lohn. Nach der Rückkehr des Körn'gS ward er verhaftet und imNov. 1815 von Geschworenen, die der allgemein herrschende Schwmdelgeist jenerZeit ergriffen hatte, als Napoleons Mitschuldiger zum Tode verurlheilt. Schonwar der Tag seiner Hinrichtung bestimmt, als am Vorabend seine Frau die Erlaub-niß erlangte, ihn zu besuchen. Sie ließ sich, von ibrer 12jährigen Tochter und derenHofmeisterin begleitet, in einer Sänfte zu ihren: Manne bringen. Nach einiger Zeiterschienen die beiden Letzter» an dem Gitterthore und wünschten hinausgelassen zuwerden. Si> schienen die Gräfin Lavalette zu unterstützen, die sich in ihren Pelz-mantel gehüllt halte und, das Schnupftuch vor die Augen haltend, in die tiefste Be-trübniß versunken zu sein schien. Als nach einigen Minuten der Gefangenwärter imKerker erschien, war der Gefangene verschwunden, und die Gräfin saß auf seinemPlatze. Es ward alsbald Lärm gemacht, und als man die Sänfte einholte, fandman nur das Kind darin, da Lavalette auSgestiegen und entflohen war. Er verbargsich trotz allerWachsamkeit Lei Polizei gegen 14 Tage und bereitete indessen die Mit-tel zu seiner weiter» Flucht vor. Drei großmüthige Engländer, R» bertWilson, Eap.Hutchinson und Hr, Bruce, bekannt durch ihren Eifer in der Unterstützung freisinni-ger Grundsätze und durch ihren Haß gegen die zu jener Zeit in Frankreich herrschendeFaction, leisteten ihm Beistand. Er entkam unter ihrem Schutze in der Kleidungeines engl. Generals und erreichte Belgien. Von hier ging er nach München . Seineheldenmüthige Frau wurde eine Zeit lang im Gefängnisse bebakten. Die heftigenGemükhsbcwegu'icen, welche sie ergriffen hatten, zerrütteten aber ihren Geisi. IhrMann ward 1821 vom König begnadigt und kehrte nach Frankreich zurück.
Lavater (Johann Kaspar) ragt unter den Männern, die in der Bildungs-geschichte des 18. Jahrh. Epoche machen, noch mehr durch Das, was er war, alsdurch Das, was er leistete, hervor. Er ward 1741 zu Zürich geb., wo sein Vaterals Arzt und rechtlicher Bürger in Achtung stand. Die Mutter, eine lebhafte Frauvon gutem Verstände und starken Leidenschaften, hi- lt das ohnehin mehr zarte alskräftige Gemüth des Knaben durch launenhafte Strenge nieder. Dieser, blödeunter seinen Gespielen, ungelehrig in der Schule, am behaglichsten in stillenTräumereien und im einsamen Spiele, verrieth Anlagen der Phantasie und desBildungstriebes, doch sonst nichts Bedeutendes. Dabei nahm sein hülfesuchendesHerz früh die Richtung auf Gott ; Bibellesen und Gebet wurden ihm Bedürfniß,und schon als Schüler der untern Gymnasialclassen fingen seine Erfahrungen vonder Erhörung seiner bestimmtesten Bittgebete an, womit es meist sehr natürlichzuging. Merklicher gedieh die Entwickelung seines Geistes in den höhern Classen,wo er Dreitinger's und Bodmer's Unterricht genoß. Die ihm von Kindheit aneigne Flüchtigkeit ließ es zu eincm tiefern Eindringen in philologische Studien nichtkommen, und seineKennlniß des classischen Alterthums blieb oberflächlich; früh her-vorstechend aber war seine Fähigkeit, sich der Bestimmung des von ihm erwähltengeistlichen Standes gemäß über Alles, was er empfand und dachte, auszudrückenund redselig mitzutheilen. Er nährte und übte sie in den ernsten Freundschafts-bündnissen, die er um diese Zeit mit mehren edlen Jünglingen anknüpfte. Men-schen beobachten, über seinen und Andrer Seelenzustände wachen, lehren und zurFrömmigkeit ermuntern, wurde ^as LieblingSgeschäst, das er an und mit s. Freun-den betrieb. Als 21 jähriger Jring sprach er sich durch eine auffallende Probevon Thatkraft und Unerschrocken:, .l mündig. Den Landvogt Grebel, einen durchhohe Verbindung geschützten Beamten,, dessen Bedrückungen und Ungerechtigkeitenzu rügen Niemand gewagt hatte, klagte er 1762 in Gemeinschaft mit HeinrichFüßli , dem nachher in England berühmt gewordenen Maler, erst ohne sich zu nen-nen, dann öffentlich bei der Regierung an, und sein Unternehmen gelang. Die