Band 
Sechster Band. K bis L.
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Lavinen

Lavoisier 481

derung hinriß und selbst seine Gegner überzeugen mußte, wie sehr es ihm mit sei-nem Christenlhume Ernst gewesen. So starb er am 2. Jan. 1801 im 60. Lebens-jahre, von einer väterlich geleiteten Familie und allen Guten beweint, und seinerVaterstadt, um die er so große Verdienste hatte, unvergeßlich. Frühere und andäch-tigere Jahrhunderte als das, in dessen Morgenröthe seine Sonne unterging, hättenihn heilig gesprochen, denn in ihm vereinigten sich, selbst den Märiyrerlvd nichrausgenommen, alle die Eigenschaften, welche die Kirche von ihren Heiligen fodert,und die Meisten, die sie verehrt, wurden von ihm an Adel des Geistesund Herzensund ungeheuchelter Frömmigkeit weit übertreffen. Ein Christ zu sein, war seineWissenschaft und sein Ruhm, und daß er so ernstlich danach strebte, hätte ihmNiemand verargen sollen. Den Schätzen der Gelehrsamkeit verdankte er wenig;er schuf mehr, als er las, und was er war, wurde er von Innen heraus. Daherdas viele Sinnreiche und Erbauliche in s. Schriften, das auch die Zukunft nicht un-benutzt lassen wird, und s. ausgezeichnete Persönlichkeit, die der Betrachtung undAchtung immer werth bleiben wird. Sein sittlicher Charakter war durchaus edelund redlich; nur das Übermaß des Beifalls machte ihn bisweilen klein, doch blie-ben seine Absichten stets lauter, und er vergab s. Feinden gern. Glaube und Liebewaren die Grundsätze seiner Natur; Johannes Müller, der ihn den Kirchenvaterunter den neuen Theologen nennt, konnte mit Recht sagen, er kenne kaum Einen,der wahrhafter und stärker glaube, tiefer fühle und inniger umfasse als L. DerGrunds. «Schwächenaber warmehr in seinem von starken Phantasien und aus-schweifenden Plänen bestürmten Kopfe als in s. Herzen zu suchen. L.

Lavinen, Lauwinen (von dem schweiz . Louwin, Lauwin, Schneelau-win), große Schneemassen, welche von hohen Bergen Herabrollen und durch ihrenSturz oft die größten Verwüstungen anrichten. Es gibt dreierlei Arten. Die einenennt man Wind- oder Staublavinen, weil sie vom Winde losgerissen werden, derden frisch gefallenen Schnee mit sich fortreißt und stäubend in die Tiefe stürzt. Diesesind zwar wegen der Geschwindigkeit, mit welcher sie einherfahren, die gefährlich-sten, sonst aber, weil sie am luftigsten unter allen sind, und man sich aus ihnen amleichtesten wieder emporarbeiten kann , nicht so sehr zu fürchten. Man hat Bei-spiele, daß Leute 24 Stunden unter einer solchen Lavine gesteckt haben, ohne zuersticken. Die zweite Art heißt Berg - oder Schnee-, Schloß- und Schlag-, auchSchrundlavinen. Diese werden nicht vom Winde fortgerissen, sondern stürzendurch ihre eigne Schwere und rollen dann den ganzen Grund, auf welchem sie lie-gen, nebst den darauf befindlichen Bäumen, Felsen ir. mit sich fort. Sie fallen be-sonders um die Frühlingszeit, wenn die angehende Wärme den Schnee nässer undschwerer macht. Ihr Fall macht Berg und Thal erzittern und erregt einen Schall,als ob es donnerte. Die dritte Art, Erdlavinen, entsteht, wenn das Erdreich vonlange anhaltender und tjjef eindringender Nässe dergestalt erweicht wird, daß es mitallen darauf befindlichen Häusern, Bäumen und Wäldern in die Tiefe stürzt.

Laviren, in der Schifffahrr, sich gegen den Wind halten, bei widrigemWinde bald nach der einen, bald nach der andern Seite segeln, um da« Schiff vonseiner Richtung nicht allzuweit zu entfernen, wodurch nian, wenn auch nur wenig,doch immer etwas vorwärtskommt; daher auch figürlich, bedächtig beieiner Sacheverfahren. In der Malerkunst heißt laviren, eine aufgetragene Farbe mitWasser vertreiben, eine Zeichnung laviren, d. i. sie tuschen oder mit einer Tinteoder Farbe malen.

Lavoisier (Antoine Laurcnt), Chemiker, geb. z. Paris 1743, besaß inallen Zweigen der Naturwissenschaft die gründlichsten Kenntnisse. Als 1764 diefranz. Regierung die beste Art der Straßenbeleuchtung zum Gegenstand einer Preis-aufgabe machte, war er es, der den Preis gewann. Schon 1768 ward er Mit-glied der Akademie. Um diese Zeit schrieb er verschiedene Abhandlungen über specu-Conversations-rrricon. Bd. vi. 31