Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
485
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Lazaristen Lazzaroni 485

einer (Gesellschaft gewesen zu sein, deren lare Moral, Herrschgrer und geistige BeschränkungSsucht das Gute, was durch dieselbe gestiftet ward, überreich auswog.

LaZaristen wurden in Frankreich die Priester der Mission nach ihremPriorate zu Sr.-Lazar«s in Paris genannt. Dieser aus regulirte», durch vollstemdige Mönchsgelübde verpflichteten Geistlichen bestehende Orden wurde 1634 vomheil. Vincent von Paula zum Missionsgeschäft errichtet. ?tufer der Christenheit ha-,ben die Lazariste" weniger als andreOrden von gleicher Bestimmung dafür gethan,und sich nur im < rient verbreitet. (,» China behaupten sie noch einen Mission?-platz. Desto geschäftiger waren und sind sie in der Christenheit selbst. In Frank-reich überlebten sie die Revolution, wurden durch eine königl. Verordnung 1816wegen ihrer vormaligen Verdienste um die Belehrung und Seelensorge des Land-volks ihrer ursprünglichen Bestimmung wiedergegeben und zeichnen sich jetzt als dieeifrigsten Missionsprediger und Kundschafter der ultraroyalistischen Partei aus,welche ihnen auch einen Theil ihrer ehemaligen Häuser und Güter wieder verschaffthat. In Polen , wo sie Vater der Mission heißen, sind sie am zahlreichsten, be-haupten ihre alten Klöster und als Lehrer in den Seminarien und geistliche Cen-soren einen überwiegenden Einfluß aus die Cultur der theologischen Wissenschaften,deren Armseligkeit in diesem Reiche hauptsächlich ihrem Widerstände gegen jedes,hellere Licht zuzuschreiben ist. Auch in Spanien hat dieser Orden geblüht, doch ohne.ein so bedeutendes Gewicht. Ostreich hat ihn später zugelassen. lä

Lazarus ist der Name eines aus der heiligen Geschichte (Luc. 16, 20) be-kannten aussätzigen Mannes.—Das Gedächtniß eines Mönchs t. N. aus dem 9.Jahrh, wird den 21. Febr. darum von der römischen Kirche gefeiert, weil er sich we-der durch die- Drohungen noch durch die Mißhandlungen des Kaisers Theophilugzu Konstantinopcl abhalten ließ, Bilder der Heiligen zu malen. — Jenen machtedie Folgezeit zum Schutzpatron der Kranken, namentlich der Aussätzigen, und esentstand im gelobten Lande der Lazarusorden, dessen Mitglieder, Hospitakritter desOrdens des heil. LazaruS zu Jerusalem genannt, sich besonderut der mit dem Aus-sähe behafteten Personen annahmen und sie verpflegten; die Krankenhäuser oderHospitäler, welche bis zum 13. Jahrh., besonders des durch die Krcuzzüge verbrei-teten Aussatzes wegen, häufig angelegt wurden, bekamen von ihm den NamenLazarethe, welcher späterhin auf Krankenhäuser überhaupt übertragen wurde.(S. Krankenhäuser.)

La zu r, s. Lasurstein.

Lazzaroni, eine in ihrer Art einzige Classe der Einwohner Neapels (ehe-mals etwa 40,000), sämmtlich ohne Stand, Beschäftigung, HauS und Heimathund ohne bestimmten Unterhalt, von denen der größte Theil das ganze Jahr hin-durch Tag und Nacht seinLebenausden Straßen und öffentlichen Plätzen zubrachte..Die große Fruchtbarkeit des Landes, die den Unterhalt der Menschen so sehr erleich-tert, die außerordentliche Mäßigkeit seiner Bewohner, das heiße Klima und derdaher entstehende Hang zur Trägheit haben dieser sonderbaren Menschenclasse ihreEntstehung gegeben. Das Klima macht das Bedin-fniß nach Nahrung und Beklei-dung bei den Lazzaroni weniger fühlbar und läßt cS leichter befriedigen. Nur die.höchste Noth vermag sie zurr Arbeit zu treiben. Das Wenige, was ihnen unent-behrlich ist, sinken sie leicht als Boten, Träger und Tagelöhner ohne angestrengteArbeit. Dabei lvare» sie, trotz ihrer gr oßen Anzahl, höchst gutmüthig und friedfer-tig und ertrugen geduldig Beleidigungen und Neckereien des übrigen Pöbels. ZuNeapel findet sich Alles, was eine solche Lebensart überhaupt möglich macht; daherentfernte sich nie ein Lazzaroni ohne die höchste Noch aus. der Stadt. Erst in denletzter» Zeiten ist auch bei diesen Naturmenschen der Sinn für Eigenthum und grö-ßeres Wohlleben, zugleich aber auch Arbeitsamkeit, in Folge der Polizermaßregelndes Königs Joachim, entstanden. Lazzaroni sblk diese ärmste Volksclasse heißen, weil