Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
490
JPEG-Download
 

430

Leber und Leberkrankherten

den Gefäße der Leber sich in einen Stamm, den Lebergang, vereinigen, der dannmit dem Gange der Gallenblase verschmilzt. Durch die Gallenabsonderung scheintdie Leber zugleich noch einen andern Zweck, als zur Verdauung mit beizutragen,zu erreichen. Die Galle nämlich ist eine an Brennstoff, Kohlenstoff und Wasser-stoff sehr reichhaltige Flüssigkeit, und indem diese durch Absonderung dem Bluteentzogen wird, muß letzteres dadurch verhältnißmäßig reicher an Sauerstoff werden,daher hat man auch wol die Berrichtung der Leber eine Reinigung und Entkohlungdes Blut« genannt. Sollte es sich bestätigen, daß auch die Anfänge der Pfort-ab er (si d.)im Darmcanale Chylus oder Speisesaft aufsaugten, so wurde die Leberdann auch als blukbereitendes Organ zu betrachten sein, welche Funktion derselbenbesonders im Fötus, wo die Leber verhältnißmäßig viel größer als im Erwachsenenzst, deutlich sich zeigt und von den Alten auch der Leber zugeschrieben wurde. Inganz naher Beziehung steht die Leber mit dem System der Venen, und insbesonderedem der Pfortader, welches seine Endigung in der Leber hat und wahrscheinlich dasMeiste zur Gallenabsonderung beiträgt. Diese Beziehung wird durch Krankheitensehr deutlich. An allen Krankheiten des Pforkadersystems nimmt die Leber mehroder weniger Theil, und die Anlage zu Krankheiten des letzter» bed'ngt im Allge-meinen auch die Anlage zu Leber krankheiten. Zu hitzigen Leberkrankheitensind besonders Personen mit cholerischem Temperamente geneiqt; zu chronischen,Personen mehr mit melancholischem Temperament und venöser Constitution, sowolder sogenannten schwarzqalligen als derjenigen, die sich durch große Anlage zuinFettwerden ausspricht. Als veranlassende Ursachen zu Leberkrankheiten im Allge-gemeinen nennt man vorzugsweise den reichlichen Genuß geistiger Getränke und sehrfetter und gewürzter Speisen , auch werden sie durch eine feuchte und dabei warmeAtmosphäre begünstigt. Der endliche Ausgang der meisten langwierigen Leber-krankheiten ist in Wassersucht. Die bemerkenswerrhesten Krankheiten der Lebersind: Entzündung derselben, entweder hitzige oder langwierige, welche letztere Jahrehindurch dauern kann, sich durch wenig sichere Zeichen zu erkennen gibt und meistmit Verhärtung oder Geschwüren endet; Anschwellung derselben, die manchmal sobedeutend werden kann, daß ein großer Theil des Unterleibes dadurch ausgefülltwird; sie findet häufig bei Stockungen im Psortadersystem, nach unterdrücktenHämorrhoiden oder Fußschweißen, auch bei einigen Herzübeln statt; Verhärtungder Leber, manchmal mit Anschwellung , manchmal mit Verkleinerung derselbenverbunden, häufig bei Säufern, und vor allen andern Wassersucht nach sich zie-hend; ferner Lebergeschwüre und Verwachsung der Leber, beide als Auögang vonEntzündung derselben. Auch die Gelbsucht, die Cholera, das gelbe Fieber u. a.haben ihren Sitz in der Leber. Bei vielen Krankheiten wird deßhalb eine genaueärztliche Untersuchung des Unterleibes nothwendig, um die Beschaffenheit der Leberzu erforschen. Die Zeichen, wodurch sich Leberkrankheiten zu erkennen geben, sindnach Verschiedenheit derselben sehr veränderlich und oft sehr undeutlich. Im All-gemeinen gehören hierher: mehr oder weniger heftige schmerzen m der Lebergegend(doch sind öfters bei sehr bedeutenden Zerstörungen dieses Organs gar keine oderdoch nur geringe vorhanden); äußerlich zu fühlende Verhärtung und Anschwellungder Leber; beschwerliches Liegen auf der rechten, zuweilen auch auf der linken ^eite,öfters nist Athmungsbeschwcrden verbunden; erschwerte Verdauung und Unord-nungen in den StuhlauSleerungeu; Häure im Magen; gallichtes Brechen oderBlutbrechen; bitterer Geschmack Munde; erdfahle, gelbliche Gesichtsfarbeoder wirkliche Gelbsucht u. s. w. Als eigenthümliches Snmptom der Leberentzün-düng ist ein Scbmerz in der rechten Schzilterspitze zu bemerken, und als Symptomvon zu großer Anhäufung venösen Blutes in der Leber stellt sich nicht selten einreichlicher Verlust von schwarzem Blute aus dem rechten Nasenloche ein. Nochist anzumerken, daß starke Kopfverletzungen gewöhnlich auch dff Leber in Mitleiden-