Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
494
JPEG-Download
 

494

Lectüre

der dadurch erzwungenen Rückkehr des Königs von Sachsen erhielt er aufs Neueden Befehl über die neu formirten sächs. Truppen und vermehrte inten Treffen beiGroßbeeren u. Dennewih— obgleich beide ungünstig für die Franzosen ausfielen —den früher erworb'nen Ruhm. Dgl. „Die Feldzüge der Sachsen von 1812 und1813. aus den bewährtst-n Quellen gezogen und dargestellt von einem Stabsoffi-cier des kön. sächs. G,nera'stabes" (dem damal. Major v. Ccrrini, Tr.sden 1821,nebst Charten und Planen). Da diese mit strenger Wahrheitsliebe gesichteten Dar-,stellungen unter L. C.'S Augen geordnet wurden, so ist von ihm selbst so wenig alsmöglich die Rede, indem s. Bescheidenheit durchaus nicht erlaubte, Vieles, was dochnur reine Thatsach, n gewesen wären, von dem Einflüsse s.iner Persönlichkeit hierabdrucken zu lassen. Das nach der Seb'acht bei Leipzig in Sachsen eintretende Ge-neralgouvernement bewies dem seinem Könige treu anhängenden Heerführer eherAbgunst als Zutrauen. Allein der seine Pflicht jeder äußern Rücksicht gern opferndewahre Diener seines Königs und des Vaterlandes stieg ohne Bedenken zu emer un-tern Befehlshabcrstelle herab und commandirte in dem F.ldzuge in den Niederlan-den 1814 eine einzelne Brigade der sächs. Truppen. Das 14,000 M. starke sächf.Hülfscorps sah in der für Sachsen so kritischen Periode 1814 u. 1815 in ihm einenAnführer vbm reinsten Patriotismus und dem feurigsten Enthusiasmus für das an-gestammte Fürstenhaus, und als man ihn vöm Corps nicht ohne Härte losriß,diente dies nur dazu, die Anhänglichkeit der Truppen an ihn zu erhöhen. Er ver-nahm die Befehle s. Königs in Wien wegen der Theilung der Truppen und vollzogdies herzzerreißende Geschäft mit der strengen Gewissenhaftigkeit, die alle s. Schrittestets geleitet hat. Nach ddr Rückkehr des König« erhielt L. §. den Oberbefehl überdas gegen Frankreich bestimmte Hülfscorps von 12,000 M., mit welchem er bisnach Abschluß des pariser Friedens im Elsaß stehen blieb. Der König überhäufteihn seitdem mit Beweisen des Zutrauens, und dr steht mit seinem aus 3 Adjutantenbestehenden Generalstabe als command. General an der Spitze der sächs. Armee.Auch nahnl er bei allen Commissionen zurAbfassung des neuen militair. Strafcodep,zur Entwersung eines neuen Dienstreglements und andrer heilsamen Einrichtungenden thätigsten Antheil und ist im eigentlichsten Sinne die Seele und das Auge dessächsischen Miiitairkörpers, sowie bei aller Strenge im Dienste ein treu sorgenderund menschlich suhlender Vater seiner Untergebenen.

Lectüre, sowol daS Lesen (Lectübe in formaler Bedeutung) als das Ge-lesene oder zu Lesende (Lectüre in materieller BedeUtung). Der allgemeine Zweckdes Lesens ist: sich durch schriftliche. Mittheilung geistig zu beschäftigen. Mit demHören hat daher das Lesen gemein, düß beide aus einer mittelbaren Geisiesbeschäf-ligung beruhen, d. h. einer solchen, bei welcher wir einer fremden Anregung, einemfremden Gedankengange folgen. Dies thun wir- inwiefern wir eines eigenthüm-lichen Gedankeuganges noch nicht fäh'g sind, um die Summe Unserer Erkenntnisseund Ansichten zu vermehren, zur Anregung des eignen Nachdenkens, Gefüh's undBegehrens durch die Geisteserzeugnisse Andrer, oder blos, um diese kennen zuler-nen und Zu beurtheilen, oder endlich, wie Diele, um des Zeitvertreibes willen undaus Gewohnheit. Sobald wir aber bei erlangter Reife des Verstandes uns demwissenschaftl'chen, d. i: selbstthätigen Nachdenken gewidmet haben, muß Lesen undHören diesen, Zwecke untergeordnet werden, um nicht eine passivere Richtung desGeistes zur herrschenden zu machen. Im Verhältnisse zum mündlichen Unterrichtehat das Lesen den Vortheil, daß man die mitgetheilten Gedanken mit Überlegungauffassen und im Zusammenhange mit andern genauer prüfen kann; aber auch denNachtheil, daß es nicht so eindringlich und lebendig wirkt als das Hören, indemder mündliche Vertrag den verschiedenen Antheil des Sprechenden Zugleich bezeich-net, welcher das Mitgetheilte begleitet und demselben oft ungemeinen Nachdruckgibt, der schriftliche Unterricht aber leicht mechanisch wird, weil man oft an den