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Legende
Legende (lexencla), der Titel eines Buchs, welches die täglichen Lektio-nen enthielt, die beim Gottesdienste in der alten römisch-kathol. Kirche vorgelesenzu werden pflegten. Dann wurden vorzüglich die Lebensbeschreibungen und Ge-schichten von den wunderbaren Schicksalen der Heiligen und Märtyrer, namentlichganze Sammlungen derselben, Legenden genannt, weil man aus diesen ebenfallsin den Metten und in den «Lpeisesalen der Klöster vorlas und sie zur Unterstützungdes römisch-kalhol. Glaubens zu lesen ernstlich empfahl. Auch die römischen Bre-viarien enthalten viele Geschichten von Heiligen und Märtyrern, welche an denNamenstagen derselben gelesen werden sollten. Sie entstanden im 12. und 13.Jahrh, und trugen mit zur Verdrängung der altdeutschen (heidnischen) Heldensagenbei. Zn dem Mittelalter war eine Sammlung solcher Heiligengeschichten u. d. N.I.kAeixIi» 8:,ncloiNIX oder Iliztviin 1-oixbnrüic» bekannt. Berühmt ist die so-genannte goldene Legende (zurr-.-, deren Vers., Zacobus de Voragine, als
Erzbischof zu Genua 1298 starb. Aber auch diejenigen Heiligengeschichten, welchebloß Überlieferung blieben, wurden Legenden genannt. S. Baillet's histor. undkrit. Abhandl. von den Geschichten der Märtyrer und Heiligen, bei s. Buche ,,Ue«vil-8 «>e« 8-liiits". Da die Heiligengeschichten oft nur als fromme Erdichtungenangesehen werden konnten, so wurde der Name der Legende von Ungläubigen baldjedem Märchen ähnlicher Art, jeder erdichteten Erzählung, die den Glaubenstark in Anspruch nimmt, gegeben. Dalerius AugustinuS, Bischof von Verona (im 16. Zahrh.), erzählte (m seinem Buche „11c ilieloiic.i cliiisli-inu"), eineUrsache der zahlreichen Legendenfabeln, welche durch die ganze Welt verbreitet wor-den, sei die in mehren Klöstern herrschende Gewohnheit gewesen, die Religiösenin lat. Umschreibungen und Ausarbeitungen über Begebenheiten aus dem Lebender Heiligen zu üben, wobei sie die Freiheit hatten, die Tyrannen, sowie die ver-folgten Heiligen auf die ihnen wahrscheinlichste Weise sprechen und handeln zulassen. So entstanden Ausschmückungen der Geschichte, von denen man die ge-lungensten aufbewahrte, welche nachher in Klöstern wieder aufgefunden und niitden wahren Geschichten vermischt worden sind. Obgleich nun unter der Masse derLegenden viele abgeschmackte Sagen und leere Erdichtungen, aus kindischem Wun-derglauben erzeugt oder für denselben berechnet, zu finden sind, so gibt es dochunter ihnen auch eine Menge poetischer und erhebender Sagen; daher mehre Dich-ter sich mit der Bearbeitung dieser, oft nur rohen Stoffe beschäftigt haben, jaman nennt deßhalb jede (auch frei erfundene) poetische Erzählung im Tone der kirch-lich - a'terthümlichen Sage (sie möge versificirt sein oder nicht) eine Legende. Wirbesitzen deren einige treffliche von Göthe, A. W. Schlegel u. A. Einige habendieselbe auch scherzhaft und komisch behandelt, z. B. Pseffel und Langbein. EinHaupterfoderniß der ernsten Legende ist das Wunderbare, welches hier religiöser Artsein oder sich auf einen Gegenstand der kirchlichen Sage beziehen muß, ohne jedochins Kindische zu verfallen. Die Legende ist ein Erzeugniß der christlichen Zeit,und, wie die kirchliche Sage, von der Mythe verschieden. Eigenthümlich ist ihrder schlichte, einfältige Ton, den die stille und sanftere Begeisterung des frommen,gläubigen Herzens erzeugt, und mit welchem Geziertheit und poetische Überladungunverträglich ist. Eben darum aber ist ihre Erfindung in unsern Zeiten so schwerund selten. Herder hat sich um die Bearbeitung der Legende sehr verdient ge-macht (s. seine Abhandl. über die Legenden in seinen „Zerstreuten Blättern", Thl. 6,und „Adrastea", St. 3, S. 189 fg.); Kosegarten hat eine Sammlung der,selben, in Poesie und Prosa (1804, 2 Bde.), herausgeg. Einen neuern Ver-such, dieselbe zu bearbeiten, lieferte der (1814) von Fouqu« und Amalie v. Zmhoferschienene „Sagen- und Legendenalmanach". — Endlich wird auch die Schrift,besonders die Umschrift an oder auf dem Rande der Münzen in der Münzkunde dieLegende genannt. T.
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