Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
514
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„,1t Lchtg. dicht

stellt, wenn die Regierungen einen gesetzlichen Tarif auszusprechen Bedenken tragen.Übe: die Geschichte des louzoba, d. LehvrechtS haben Päh , Eichhorn und Dieck(„Lite-rargesch d. longob. Lehnrechrr bis zum 1t. Jahrh.", Halle ItzW) geschrieben, 1l. I..

Lehrgedicht, eine ausgeführter? Dichtung didaktischer A> r. Es ist nochstreitig, inwiefern eine didaktische oder Lehrpo.sie als beson d ere D ich tun gs»a r t mit dem Begriffe und Wesen der Dichtkunst besteben kann. Soll nämlich einGedicht wirklich den Zweck zu lehren verfolgen, und darauf sein Wesen beruhen, sokann damit die reine und freie Begeisterung und der wahre Zweck der Poesie nichtbestehen, ja das Merk muß zu einem Erzeugnisse der Reflexion werten, das mit demäußern Schimmer der Poesie ausgeschmückt ist. Soll aber hierin das Wesen desdidaktischen Gedichts nicht bestehen, wie Einige mildernd sagen, so ist mehr oderweniger jedes Gedicht didaktisch zu nennen, und es kann somit keine besondere di-daktische TichtungSart geben. Will man jedoch einzelne Gedichte mit einigemRechte didaktisch nennen, so würden es diejenigen sein, bei welchen entweder über-haupt ein Zweck zu lehren hie und da hervortritt, sie mögen übrigens epische (wieviele Romane) oder dramatische Form haben (wie z. B. Lesstng's „Nathan"), odersolche, in denen weder ein epischer noch dramatischer Ltoffzum Grunde liegt, son-dern gewisse Wahrheiten in dem Spiegel der poetischen Begeisterung aufgefaßt, inAllegorien, Visionen :c. lvrisch dargestellt werden. Zu der letzter» Art gehörenviele lyrische Gedichte von Schiller , namentlich die Glocke, die Hoffnung u. a. (ob-gleich sie die Überschrift: didaktisches Gedicht, nicht tragen) und alle bessere sogen.Lehrgedichte; hierher würde selbst Danle'S großes allegorisches Gedicht gehören,Im erste» Fülle würde die Benennung einen Tadel in sich schließen. Die Gedichteletzterer Art aber geboren auch zu den ältesten Denkmälern der Poesie, wie die Gno-men beweisen; das Entstehen und die Ausbildung der eigentlich sogen. Lehrgedichteaber kündigt in der Regclschon den Verfall der Poesie eines Volks oder daöSchwa»-ken zwischen Poesie und Reflexion an, wobei man oft glaubt, das Unpoetische undAllgemeine durch zufälligen Schmuck zu dem Schönen erheben zu können. DasEitle diesis Bestrebens zeigen die vorzüglichsten didaktischen Gedichte aller Zeiten,namentlich die eigentlich sogen. Lehrgedichte, „welche uns", nach Z. Paul s Ans-tricke, „ihn n zerhackten Gegenstand Glied für Glied, obwcl jedes in einige poetischeGoldflittern eingewickelt, zuzählen", z.B. des Lucrez poetische Darstellung des epiku-rischen Svstems indem Gedichte: „l)>- ro, um und die am meisten durch

poetische Einzuheilen, besonders durch Episoden und Bilder, glänzenden „<l>or-deo Vugll, welche den spätern Dichtern fast immer zum Muster gedient haben.Dvid's „Kunst zu lieben", welche jedoch ins Scherzhafte übergeht, und Horaz 'üsogen, „är- xmetic.,"; die englischen eines Davies, Dycr, Akenside, Dtyden, Pope ,Artig, Derwin; die französischen eines Raeine, Boileau, Dorat, Lacombe,Delille, und die deutschen eines Opitz, Haller, Hagedorn, Ercnegk, Utz, Dusch,Lichiwer, Tiedge, Neubeck u. A. Überhaupt gibt es fast keinen so »»poe-tischen Gegenstand, den man nickt aus jenem Grundsätze in Lehrgedichten bthan-delt hätte. Außer dem größer» Lehrgedichte rechnet man zur didaktische» Poesieauch die beschreibenden oder malenden Gedichte (s. Malerei), die poetische Epi-stel, welche Form dem Didaktischen jedoch nicht nothwendig ist, die (sogenannteäsopiscke) Fabel und die Parabel, zwei echte kleinere Dichlungsarten, welchedas Allgemeine in bildlicher Lebendigkeit daisiellcn, endlich auch die «LLaiyreund aewiste Arten des Epigramms. (V. die einzelnen A.) Lebendig und geist-voll urtbei t I. P. Fr. Richier in seiner 2. Ausg. der „Vorschule der Ästhetik" mitunsrer Ansicht übereinstimmend: „Das Lehrgedicht", sagt er, „gehört in die lyri-sche Gattung. Es läßt auf innere geistige Gegenstände den Brennpunkt der Em-psindung fallen; in diesem leuchten und brennen sie, und dieses so sehr, daß derflammend« Pindar ganze Reihen kalter Lehrgesetze zu seinem korinthische» Erz em-