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Lehrstyl
schmelzt. Reflexionen werken nicht an sich jur kehre, sondern für das Herz zurEinheit der Empfindung gereiht und als eine mit Dlumenketten umwickelteFrucht dargeboten, z. B. von Poung, Haller, Pope ; ohne diese wäre ja eine.Philosophie, z. B. die platonisch", selbst ein Lehrgedicht". Aus dieser Beziehungauf die Natur des Gefühls würde ganz natürlich folgen, daß didaktische (Gedichtevon gröfierm Umfange nothwendig ermüdend werden müssen, entweder dadurch,daß sie die Aufmerksamkeit spannen und das Herz unberührt lassen, um so mehr,je mehr sie die Refiepicn und den planmäßigen Gedanken zu verbergen suchen, oderdadurch, daß sie Gefühl und Phantasie auf eine unnatürliche Weise anstrengen.Ganz flach aber ist es, wenn Ästhetiker das didaktische Gedicht, namentlich da«eigentliche Lehrgedicht, bloß negativ, aber zugleich so bestimmen, daß weder derName beibehalten noch die Möglichkeit eingesehen werden kann, wie nach die-sen negativen Bestimmungen ein Gedicht entsteht; z. B. das Lehrgedicht sollenicht unterrichten, nicht systematischen Zuschnitt haben, sondern eine glücklicheAuswahl poetischer Gedanken enthalten, einen Gegenstand behandeln, welcher derpoetischen Form fähig sei, oder, wie nian sich wohl ausdrückt, einen Lehrgegen-stand in die didaktischpoetische Form herüberziehen. Letzteres setzt die Möglichkeiteiner didaktischen Poesie schon voraus. Auch die Bestimmung, „die didaktischePoesie sei nur die, welche Lehren der Wahrheit im poetischen Gewände darstelle",welches ungefähr Dasselbe heißt, ist zwar in obigem Sinne richtig, macht aber dasdidaktische Gedicht noch nicht zu einer von der epischen, dramatischen und lyri-schen verschiedenen Dichtungsart. 1.
Lehrstyl (didaktischer Styl), die durch den Zweck der Belehrung be-stimmte Eigenthümlichkeit in den« Gebrauche der Sprache. Er wird dem poeti-schen und rhetorischen Styl entgegengesetzt. Zm allgemeinen Sinne aber verstehtman darunter den Styl jeder prosaischen Mittheilung, die uns auf irgend ein«Weise über Etwas verständigen will; im engern und höhern Sinne den Sryl de<Unterrichts, welcher dahin wirken soll, die Einsicht vorgetragener Wahrheiten zubefördern; und im engsten Sinne den iLtyl des höhern wissenschaftlichen Unter-richts. Die nothwendigsten Erfodernisse des Lehrstyls überhaupt sind: Deutlich-keit, Bestimmtheit, Ordnung, Bündigkeit und Kürze, weil hier Zunächst aufden Verstand gewirkt werden soll, sparsamer Gebrauch der B,!der zn Veranschau-lichung gewisser Wahrheiten. Der höhere didaktische Styl insbesondere wird sichdurch größere Ruhe und Würde, durch die strengste Bündigkeit von dem niedernunterscheiden, welcher mehr subjectiv ist und auf leichte, allgemeinere Auffas-sung Rücksicht nehmen muß, weshalb er auch der populaire didaktische Stt'l ge-nannt werten könnte. Der didaktische Styl ist nach der höhern oder geringern Be-deutung der Vorzutragenden Gegenstände, nachdem eigenthümlichen Geiste undZuhalte und nach dem Range der vorzutragenden Wissenschaft«n Verschieden;auch wird derselbe durch die Eigenthümlichkeiten des mündlichen oder schriftlichenVortragt? und Unterrichts eigenthümlich bestimmt. Es gibt Fälle, wo er in denrednerischen Styl übergeht, z. D. in der Kanzelrede oder Predigt; jaman könnte denrednerischen Slys selbst als eine höhere Gattung des didaktischen betrachten, in-dem er sich vop, der wissenschaftlichen didaktischen nur durch größere Freiheit undUngcbundcnheit in der Gedankenfolge unterscheidet. Endlich ist auch der Styl, jenachdem die Gedankenmittheilung einseitig oder wechselseitig ist, akroamalisch (di-daktisch im eigentlichen Sinne), oder dialogisch (Unterredungssiyl), wie beim ka-«echetischen Vortrage. Letzterer nähert sich dem leichtern Gcsprächsstyle; erstererist bündiger und ausführlicher und kann sich freier der Kunstausdrücke (lenniniliu'wl) einer Wissenschaft bedienen, verfällt aber leichter in Pedantereien; dochkann der akroamalische Vertrag auch in Briefform statt finden, bei welcher diefreiere Mittheilung und ein le.chterer Gedankenzusammenhang herrscht. Der