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Leibnitz
Leiboitz (Gottfried Wilhelm, Frrth. v.), einer der ausgezsichnelsten Den»ker rmd Gelehrten Deutschlands, wurde zu Leipzig den 3. Juli 1616 geb. SeinVater war daselbst Pros. der Rechtgzelehrsamkeit, starb aber, ehe der Sohn das 6.Jahr vollendet haue. L. besuchte die Nicolaischule seiner Vaterstadt bis zum1b. I„ jedoch ohne genaue Befolgung des Lectionsplanes, da ihn unter den rbiiii-sehen Schriftstellern Livius und Virgil ganz fesselten; den L tztern wußte er fastauswendig und konnte noch im späten Alter ganze Gesänge aus demselben hersa-gen. Leichtigkeit der Auffassung und der Darstellung zeichnete ihn bald aus. Schonim 15.2-ft»g er an, die akademischen Collegia in Leipzig zu besuchen; und obwolsein Hauptstudium die RechlSgelehrsamkeu sein sollte, trieb er doch besonders Ma-thematik und Philosophie, worin damals Jakob Thomasuis den Unterricht ertheilte.Er ging auf ein Jahr nach Zena, um den Unterricht des berühmten Mathemati-ker« Ehrhard Weigel zu benutzen. Nach seiner Rückkunft zu Leipzig wurde erBaccalaureus der Philosophie und D!azister. Er studirte jetzt die griech. Philoso-phen. Einen glänzenden Beweis seiner Fortschritte gab er durch die philosophischeDissertation „Oeprinaftiio >>I-I>vi>.l,iuti,>>ii'.", die er (1661) unter ThomasiuS ver-theidigte, und welcher mehre juristische Probeschriften, z. B. „Oe coullilioi»'«!-»-"(1666), und eine ausgezeichnete philosophisch mathematische Abhandlung: „I)e <n t«-.-„nibiiiulornl", folgten. 2u> 20. 2- meldete er sich bei der jurist. Facultät zuiyDoctorat ; als man ihn aber, unter dem Vorgeben seiner 2ugend, zurückwies, wen-dete er sich nach Altorf, wo er mit Ehren promovirke. Man bot ihm sogar eineaußerordentliche juristische Professur auf dortiger Universität an; allein er zog vor,sich nach Nürnberg zu begeben, wo damals viele ausgezeichnete Köpfe vereinigtwaren. Der Verbindung mit enier sich dort aufhaltenden alchymistischen Ge-sellschaft entriß ihn glücklicherweise der Baron von Boineburg , kurfürstl. mainzi-scher Minister, dessen Bekanntschaft er machte, und auf dessen Versprechen einerAnstellung in mainzischen Diensten er sich nach Francs, a. M. begab. Hier erschien(1667) seine „Xuvu Iiwtliollus lliseenclue >l,ieeiill.,ei>uc jn, l8j,,u»1e»tiii6", diedurch Klarheit und Tiefe gleich sehr anzog, und der, auf Veranlassung seine- Pro-lectors, bald eine publicistische Deduction folgte, in welcher L. den Polen zu bewei-sen sucht, daß sich der Prinz von Neuburg vor allen übrigen Eoncurrenten zu ihremKoiuge schicke. Nun wurde er, auf Boineburg s Vortrug, als kursurstl. Rathzum Beisitzer der 2"stizkanzlei in Main ; ernannt; aber dies trockene Geschäftkonnte seinem wißbegierigen Geiste keine Nahrung gewähren. Er fuhr daher in sei-nen schriftstellerischen Bemühungen fort und gab die „ klieoriu .->b,lr:>r,t>"
und die „ liivoriii inotus oo,irret," (1671, zwei nur durch die Dreistigkeit ihrerAnsichten ausgezeichnete physikalische Versuche), wie auch seine gegen die Angriffedes Polen Wissowatms auf die Lehre von der Dreieinigkeit gerichtete „6i,cr»z,,iwt!c'kriiiiia?, >>rr Iiovil aiAUiiieiiU, logicu ilel't'iuiu" heraus. Ilnterdeß hatte aberParis durch seinen literarischen Glanz seine Augen auf sich gezogen, sodaß er dasAnerbieten, den jungen Boineburg dorthin zu begleiten, begierig (1672) ergriff.Die Zerstreuungen dieser Hauptstadt entfremdeten ihn jedoch den Wissenschaftennicht; er beschäftigte sich hier besonders mit der Mathematik und genoß namentlichden Umgang des berühmten Hängens, dessen Erwartungen von ihm er durch Erfin-dung einer der Pascal schen ähnlichen Rechnenmaschine entsprach. Nach dem Hin-scheiden seines Wohlthäters Boineburg , der 1673 starb, ging L., da ihn jetzt nichtsmehr in Paris zurückhielt (nachdem er noch ein Anerbieten, der dortigen Akademieals Pensionnair beizutreten, weil damit die Bedingung des Übertritts zur kathok.Religion verbunden war, auSgeschlagen hatte), nach England und kam dort mitWallis, Bayle, Oldenburg und Newton in die ehrenvollsten Verbindungen. Vonhier aus trug er sich dem Herzoge von Braunschweig-Lüneburg a», der ihm eineRaihsstelle, eine Pension und überdieß die Erlaubniß willkürlicher Verlängerung