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gegenüber, als der Herzog von Parma war, noch auffallender. Die öffentlicheVtcinung sprach so laut gegen ihn, daß er seiner Sicherheit wegen Holland verlassenmußte. Seine Anhänger ermunterten ihn zwar zurückzukehren; als er aber ver-gebens sich bemüht hatte, das von den Spaniern belagerte Sluys zu entsetzen, undsein mukhloseo Betragt» allgemeine Unzufriedenheit erweckte, rief Elisabeth ihn zu-rück. Er haue die Gunst der verblendeten Gebieterin so wenig verloren, das; sieihm bald nachher den Oberbefehl über das Heer anvertraute, dos die Hauptstadtgegen die spanische Armada vertheidigen sollte. L. starb 1588 auf seinem Landsitze.Elisabeth scheint ihm stets ihre Gunst erhalten zu haben, und man hak gerade in derDauer ihrer Zuneigung die Bestätigung der Meinung finden wolle», daß sie nieüber die Grenzen platonischer Liebe hinausgeschritten sei.
Leich, woher I.->i (provencalisch 1.ui->), in der altdeutschen Poesie ein Gedicht,welches nicht aus gleichförmig wiederkehrenden Strophen bestand, und eine kleinepoetische Erzählung zum Inhalte hatte, welche vermuthlich mit musikalischer Be-gleitung vorgetragen wurde.
Leichenhäuser, s. Beerdigung.
Leichenöffnung, s. Section.
Leidenschaften (in der Anthropologie und Seelenlehre) sind starke, herr-schend gewordeneBcgierden. Sieunterdrückennicht, wiedieAffecten, die Überlegunggänzlich, sondern lassen derselben noch häufig eine Wahl übrig, obgleich sie gewöhn-lich über dieselbe den >L7ieg davon tragen. Die Leidenschaften reißen den Menschennicht so außer sich wie die Affecte». Im affectvollen Zustande ist keine Überlegung,keine Wahl möglich: die Vernunft wird von dem Affecte mit fortgerissen. Die Lei-denschaft scheint in dem Charakter des Menschen gleichsam eingewurzelt, also einealte, den Verstand verblendende Angewöhnung zu sein. Der Affect hingegen scheintmehr dem Temperamente anzugehören und ist eine augenblickliche Aufwallung, dieungezügelt ihrem Zweck entgegenstrebt, und über welche der Verstand da, wo sie sicheinmal zu äußern pflegt, in den meisten Fällen keine Herrschaft auszuüben im Standeist. Der Affect wird durch Dauer vermindert, die Leidenschaft kann durch Dauerwachsen, z.B. Geiz. Aber.in der Leid.nschaft gibt der Mensch den Gebrauch seinerFreiheit auf, insofern er sich an Das, was er begehrt, hingibt und ein für allemalden Gegenstand gewählt hat, daher sagt Kant mit Recht, wenn der Affect einRausch sei, so sei die Leidenschaft eine Krankheit, welche alle Arzneimittel verabscheut.Um aber die Schädlichkeit beider für die sittliche Bildung zu bestimmen, muß aufdie Grade beider und auf die Gegenstände Rücksicht genommen werden. Die hoher»Grade der Leidenschaft bezeichnen wir durch die Ausdrücke Sucht und Gier (z. D.Habsucht, Habgier). Die Leidenschaft kann nur vernünftig-sinnlichen Wesen, kei-nem Thiere zukommen, denn sie erfodert eine vorausgehende Wahl eines Gegenstan-des, den wir begehren oder verabscheuen, dahingegen das Thier dcr Naturnokhwen-digkeit des Instinktes folgt. In ihrer Äußerung ferner kann sie, wie der Geiz, mitviel Überlegung und kalter Beurtheilung der Mittel, die zum Zwecke führen sollen,sich verbinden. Diese fehlt dem Affecte, daher beide sich auch nur selten verbinden.Die Leidenschaft macht aber blind, insofern der Gegenstand der Neigung durch Ge-wohnheit solche Herrschaft über das Subject ausübt, daß die wahre Werthschäßungder Dinge dadurch aufgehoben wird, alle andre Dinge, selbst höhere Verpflichtungendadurch in Schatten treten und jenem Gegenstände untergeordnet werden. In die-ser Beziehung kann die Leidenschaft noch gefährlicher erscheinen als der Affect, mitwelchem man sie im gemeinen Leben oft verwechselt (insbesondere durch das Wortleidenschaftlich). Man theilt die Leidenschaften oft ein in solche, die aus angebore-nen Trieben hervorgehen (Freiheitütrieb, GeschlechtSkrieb), und solche, die auf erwor-bene Cultur sich beziehen (z. B. Ehrsucht, Herrschsucht, Habsucht). (S. Maaß'S„Versuch über die Leidenschaften", 2 Thle., Halle und Leipzig 1805.)