Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
527
JPEG-Download
 

Leier (deutsche Leier, Un, tolla,>m,'>. Dauernleier, lira rnrtioa oder pa^an.i)darf nnl der >>,-> der Alten nicht verglichen werden. Sie hat einen länglichenKasten, der auf einer Seite dem untern Theil einer Geige gleicht. In den Seiten-winden befindet sich eine Art von Claviatur, die aus lO bis 12 Tasten besteht,durch welche die 2 Saiten, die innerhalb des Kastens liegen, verkürzt werdenund einen Tonumfang von 10 bis 12 diatonischen Einsen bilden. Die Saitenwerden durch ein mit Colosonium besincheneS Rad inlonirt, welches mittelsteiner Kurbel (Giiff. Dreher) gedreht wird, während die Finger der linken Hand dieTasten bewegen. — Leierorgel, Leierkasten, Drehorgel ist eine kleine, in einemKasten befindliche Orgel (Tragorgel) ohne Claviatur, aber inwendig mit einerMasse versehe», welche von Außen durch eine an der Seite befindliche Kurbel um-getrieben wird. Auf dieser Walze befinden sich messingene oder eiserne Stifte, diedurch Berührung der innern Tasten den Wind in die Pfeifen bringen.

Leihbank, Leihhaus oder Lombard (>l»i,-i pietati«. ^lont «In,näw-), eine öffentliche Anstalt, bei welcher Jedermann, vorzüglich aber bedürftigenBürgern, gegen hinlängliches Pfand Geldsummen auf kurze Zeit für billige Zinsenvorgestreckt wenden, um dadurch zu verhüten, daß die Borger nicht dein Wucherpreisgegeben werden. Nach Verl. auf der bedungenen Echuldzeit werden die Pfän-der, wenn sie nicht eingelöst worden sind, öffentlich versteigert. Der Überschuß wird,nach Abzug der Zinsen und aller Kosten, dem Eigenthümer zurückgegeben oder einJahr lang für ihn aufbewahrt; wenn er sich binnen dieser Zeit nicht meldet, so fälltder Überschuß den Armenanstalten anheim. Die Leihbank gibt Echeine aus, aufwelchen der Tag der Verpfändung, die Summe des empfangenen Geldes, der Namedes VerpfänderS, das Folium des LeihbankbuchS und das Verzeichnis der Pfänderenthalten ist. Wer sich mit einem solchen Scheine bei der Leihbank meldet, der be-kommt die Pfänder zurück, es wäre denn, daß der wahre Eigenthümer den Verlustdes Scheins öffentlich bekanntgemacht hätte. Den Anfang der Leihhäuser hatDo-rocheus AscionuS, t. i. Match. Zimmermann, der 1639 als Superintendent zuMeißen starb, in die Zeit des Papstes Pius II. oder Paulus II. (1161 bis 1171)am richtigsten gesetzt. Indeß legte der Minorit Barnabas Interamnensis, zu Pe-rugia im Kirchenstaate, das erste Leihhaus vor 1461, oder in letzterm I. selbst an, ob-gleich dasselbe erst 1167 vorn Papste Paulus II. seine Bestätigung erhielt. EinJurist zu Perugia , Fortunatus de CopoliS, war zur Ausführung sehr behülflich.1161 bestätigte Paulus II. auch das errichtete Leihhaus zu Orvieto; und SixtuSIV. bestätigte sowol das von einem Minoriten, Franciscus de Diterbo, 1169 zuViterbo angelegte Leihhaus 1172, als auch 1179 das an seinem Geburtsorte Sa-vona nach d.m Muster von Perugia angelegte Leihhaus. Eo entstanden nach undnach fast in allen Städten Italiens wählend des 15. und 16. Jahrh. Leihhäuser.S. Beckmann s „Geschichte der Erfindungen", 3. Bd., 3. Stck. In Deutschland ward unter Genehmigung des Kaisers Maximilian >. zu Nürnberg 1198 das ersteLeihhaus unter dem Namen Wechselbank ungelegt. In den Niederlanden , in Eng-land und Frankreich, wo die aus Italien und vorzüglich aus der Lombardei wäh-rend des KriegS der Guelsen und Gibellinen ausgewanderten reichen Kaufleuteihre Capitale aufPfand und Zinsen auSliehen, nannte man von ihnen die Leihhäu-ser zuerst Lombarde. X.

Lein (Flachs), der allgemeine Geschlechtsname für wenigstens21 verschie-dene Pflanzen, die sich durch den fünfblätkerigen Kelch, durch die fünfblätterige Blu-menkrone und durch die fünsschaligcn Samenkapseln, welche in jedem ihrer zehnFächer einen einzelnen Samen enthalten, auszeichnen. Eine dieser 24 Gattungenist der gemeine Lein (Flachs, Ii»m„ iGmii^nn,,,,,), dessen Vaterland man jetztnicht mehr zu nennen weiß. Der Flachsbau ist über ganz Europa verbreitet, dochmehr im nördlichen als im südlichen. Der beste Flachs wirh guS liefländischem oder