536
bis nach Breikenfeld erstreck«. Die Höhen von Wiederitzsch , mit Geschütz beseht,deckten den Mittelpunkt der Stellung, an welchem die Straße von Delihsch nachLeipzig vorüberfuhrt. Parallel mit dem linken Flügel lief die Straße nach Halle, beiSeehausen die dübener Straß? hin. Der Laberbach, der sich damals durch sumpfigeWiesen wand, schied die feindlichen Parteien. Gustav Adolf versuchte schon am 6.Sept. Abends ihn beiSchölkau zu überschreiten, aber Pappenheim'S schwere Reitereitrieb jedes Mal den schwed. Bortrab zurück, und der Übergang konnte erstam 7. Sept.früh mit vereinterKraft durchgesetzt werden. Indem sich nun in der Ebene, nach Po-delwitzund Gdbschelwitz zu, die schwedisch-fichs. Massen zu entfalten begannen, warfsich Pappenheim den Wchweden, welche die rechte Eolonne bildeten, ungestüm entge-gen, wurde aber zurückaelrieben. Er zog sich fechtend durch Podelwih, das er inBrand gesteckt; 6000 M. Fußvolk vom linken Flügel rückten ihm zur Unterstützungheran. Sobald es sich zeigte, öffneten die schwed. Dragoner, welche Podelwitz aufbeiden Seiten umgangen halten, ihre Geschwader und gaben den hinter ihnen ge-stellten Musketieren Raum, ein wirksames Feuer gegen die kaiserlichen Kürassierezu richten, die nun auf der Straße nach Halle davon jagten. Während ein Theilder Baner'schen Dragoner die Fliehenden verfolgte, hieb der andre auf das nunschutzlos dastehende kaiserliche Fußvolk ein und überwältigte es. So war Tilly'slinker Flügel geschlagen, ohne daß die Schlacht dadurch eine nachtheilige Wendungfür ihn nabni. Auch schien der alte Feldherr das Gefecht bei Podelwih überhauptmehr als eine Nebensache z-.t betrachten und ließ, ohne Pappenheim'S Fluchtzu ah-nen, mittlerweile seinen rechten Flügel vorgehen und die Sachsen angreifen. Diesehielten jedoch kaum den ersten Schuß aus und suchten in wilder Eile die Straßenach Eilenburg zu gewinnen. Da sie den linken Flügel gebildet halten, so konnte,die beträchtliche Verminderung der Streitkräfte abgerechnet, dieser Umstand leichtdie gänzliche Niederlage der Schweden nach sich ziehen. Allein Gustav Adolfhattedie Möglichkeit eines solchen Ereignisses mit in seine Berechnungen aufgenommen;er entsendete aus der Mitte, was entbehrlich war, rasch nach dem bedrohetenPunkte , wo Gustav Horn bereits mit den Wchweden einen Haken bildete, wo-durch ein Aufrollen oder Umgehen der Linie verhindert wurde. Bei dieser Gelegen-heit zeigte sich die Überlegenheit der beweglichern, zweckmäßiger eingerichteten undbesser geübten schwedischen Bataillone und ihres geschicktem Feuers, welches inVerbindung der leichten, ledernen Kanonen (s. d.) den unbehulstichen kaiserl.Truppen äußerst verderblich wurde. Vergeblich stürmten Tilly's zahlreiche Scha-ren gegen den schwedischen Haken; der Kampf war hartnäckig, aber entschiednichts. Dagegen gewann Baner auf dem rechten Flügel immer mehr Boden,nahm die Höhen von Wiederitzsch und die kaiserl. Hauptbatlerie, kam der Stel-lung der Kaiserlichen in den Rücken und trieb ihre sich immer dichter verwirrendenMassen vor sich her in das Gehölz, welches rechts von Wiederitzsch , gegen die dübe-ner Straße zu, liegt. Nun wurde es dem schwedischen Mittelpunkte und linkenFlü-gel leichter, ebenfalls nachzudrucken, und so wüthete der Kampf bei jenem Gehölzam einbrechenden Abend noch eine Zeitlang. 6000 Wallonen, in keiner Schlachtbesiegt, wollten sich nicht ergeben, lieber fallen. Tilly selbst ward halb bewußtlosvon seinen Getreuen aus der Schlacht gerettet. Ein schwedischer Rittmeister, derlange Fritz genannt, hätte ihn beinahe noch auf dem Wege nach Halle gefangengenommen. Nach Leipzig floh, was das Schwert der Schweden verschonte. VierStunden hatte die eigentliche Echlacht gewährt; von Tilly's Heer, 33—-10,000M. stark, waren 8000 geblieben, 3000 gefangen; die Furcht vor seiner Unhe-siegbarkeit und alle Früchte seiner frühern -Lüge waren dahin. Dem Protestan-tismus im nördlichen Deutschland wqr nun die Fortdauer gesichert, und derWeg nach München und Wien geöffnet. Das schwedische Heer zählte kaum26,000 Streiter, wovon 6 — 7000 größtentheils neugeworbone sächs. Kriegs-