Band 
Sechster Band. K bis L.
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Lenoir'/Jean Charles, Pierre)

achtbarsten Damen sich um ihre Freundschaft, wie eine La Fayettc, La Sabliäreund Maintenon. Erstere verglich sie mit einem reichen, gesegneten Fruchtfelde;van der zweiten behauptete sie, sie sei ein niedliches Blumenbeet; die dritte wollte,wie sie sich auszudrücken pflegte, eine Betschwester aus ihr machen und sich von ihrzu Versailles die Langeweile, welche Vornehmheit und Alter machen, vertreibenlassen. Zhr Haus war noch in ihrem hohen Alter der Sammelplatz der liebens-würdigsten Personen der Stadt und des Hofes und zugleich der ausgezeichnetstenGelehrten ihrer Zeit. Scarron zog sie bei seinen Romanen, Saint-Evremont beis. Gedichten, Mola re bei s. Komödien, Fontenelle bei s. Gesprächen, undLaRo-chefoucaulk bei s. Maximen zu Rathe. Ein Coligny , Condä, Sevignä warenihre Liebhaber und Freunde. Als die Königin von Schweden nach Paris kam,stattete sie der Ninon einen Besuch ab. Wenngleich sich Ninon'ü geistige Reizebis in das höchste Alter erhielten, so war doch ikre körperliche Schönheit der Ver-gänglichkeit unterworfen. Voltaire sagte von ihr, sie sei ein altes runzeliges Müt-terchen, dürr wie eineMumie, mit Knochen und einer schwarzgelben Haut über,zogen. Dagegen sagt Saint-Evremont von ihr, sie habe selbst in den spätestenZähren keine von den abschreckenden Widrigkeiten gezeigt, welche sonst mit demweiblichen Alter verbunden zu sein pflegen. Bei ihrem Tode (am 11. Oct. 1105)vermachte sie dem jungen Voltaire, dessen Berühmtheit sie vorausgesagt hatte,eine nicht unbeträchtliche Summe, die er zu Büchern verwenden sollte. Voltaire trat auch als ihr Vertheidiger auf. Rousseau , der sie jedoch nur vorn Hörensagenkannte, entwirft dagegen ein weit nachlheiligeres Bild von ihr und glaubt an ihrerRechtschaffenheil zweifeln zu müssen, da ihr die weibliche Tugend unbekannt gewe-sen sei. Einer von Ninon'ü Söhnen, Namens La Boissiöre, starb 1132 zu Tou-lon als Angestellter in der Marine. Seine Geburt zeichnete sich durch einen Streitaus, der sich zwischen einem Officier und einem Geistlichen über die Vaterschaft er-hob. Da die Sache zweifelhaft war, ließ man das Loos entscheiden, und der Of-ficier ward Vater zu dem Kinde. Ninon's zweiter Sohn starb eines tragischenTodes. Er hakte sich in seine eigne Mutter verliebt, ohne zu wissen, wie nahe erihr angehöre. Nach der Entdeckung des Geheimnisses erstach er sich aus Ver-zweiflung. Dieses schreckliche Ereigniß hat Lesage in seinem „Gil Blas" benutztund mit einigen komischen Zügen ausgestattet, sibrigens gestand Ninon selbst,sie sei nicht glücklich, und sagte oft, sie würde, wenn sie ihren Lebenslaus voraus-gesehen hältr, sich eher das Lebe» genommen, als sich einer solchen Bestimmunghingegeben haben. Man hat Briefe von ihr, deren Echtheit jedoch noch nicht er-wiesen ist, auch eine kleine Schrift: „b.-> < ognetie-e > äe".

Lenoir (Jean Charles Pierre), Polizeipräsident in Paris , geb. daselbst1132, bekleidete von 1152 an verschiedene Gerichts- und Polizeiämter und wurde1114 zum StaatSrath und Chef der Polizei in der Hauptstadt, und endlich zumBibliothekar des Königs und Präsidenten bei der Finanzcommission ernannt. Aufallen Posten benahni sich L. mit einer so ausgezeichneten Geschicklichkeit, besondersbei vorkommenden schwierigen Untersuchungen (wie z. B. in der Angelegenheit mitChalorais), daß das Gouvernement ihm die verwickelisten Geschäfte übertrug. AlsPräsident der Polizei in Paris kam er jedoch wegen der Art und Weise der Ver-pflegung dieser Stadt mit dem Minister Turgot , welcher einen andern Weg ein-schlagen zu müssen glaubte, in Zwiespalt; dennoch entschloß sich der Minister nurungern, einen so brauchbaren und vom Publicum geachteten Beamten von seinerStelle zu entfernen, und Ludwig XVI. milderte durch ein verbindliches Handschrei-ben das Bittere der Absetzung. Da sich aber der von Turgot entworfene Plan alsunhaltbar auswies, ward L. von Neuem mit der kaum entzogenen Stelle beauftragt,und der thätige Mann widmete nunmehr seine ganze Sorgfalt der Verbesserungmeheer öffentlichen Anstalten. Man sieht aus seinem, oder vielmehr unter seinen