Lmto
Lento bezeichnet in der Musik das langsamste Zeitmaß. (S. Adagio.)
Leu z (Jakob Michael Reiuhold), ein genialer dramatischer Schriftsteller,dessen?lndenken erst seit Kurzem durch Nöthe erneuert worden ist. Er war in Liessland geb. und lebte von 1750 — 92. Phantastisch, originell und auch wol seltsamin s. Natur wie in s. Schriften, niemals Einem Berufe nachgehend oder EinemAnite ergeben, führte er ein wechselvolleS Leben, gerieth endlich in drückende'Ar-muth, verlor den Verstand und starb in Moskau . Seine Lustspiele oder Schau-spiele ergreifen durch eine oft bis zum Erschrecken treue Auffassung des Lebens undder Natur, welche Nachahmung des Wirklichen aber oft mir den wunderlichstenSprüngen einer kecken Phantasie contrasiirt. Das meiste Aufsehen haben s. „Hof-meister" und s. „Neuer Mendoza" erregt. Tieck hat eine Sammlung seiner jetztziemlich selten gewordenen dramatischen Arbeiten angekündigt.
Leo I., der Große, wurde nach Einigen in Rom, nach A. in Toscana geb.Die Päpste CölestinuS l. und Sixtus III. bedienten sich seiner in wichtigen kirchli-chen Angelegenheiten, selbst als er noch Diakonus war. Als letzterwähnter Papst380 gestorben war, ward Leo im Sept. d. I. von der römischen Geistlichkeit aufden heil. Stuhl gesetzt. Ganz Rom billigte diese Wahl; aber schon der Anfangseiner Regierung zeichnete sich durch eine unduldsame, selbst unpolitische Handlungaus. Er ließ nämlich einer großen Anzahl Manichäer, die sich in Rom verborgengehalten hatten, den Proceß machen und überlieferte die, welche in ihrem Glaubenbeharrten, der weltlichen Gerechtigkeit zur Bestrafung. Derselben Waffen bedienteer sich gegen die Pelagianer, Priscillianisten und Eulvchäer, deren Überreste er aus-rottete. Während des Conciliums zu Ehalcedon, 451, zu welchem Leo 4 Legatengesandt hatte, die daselbst den Vorsitz führten, verwüstete Attila das abendländischeKaiserthum und bedrohte Rom . Der Kaiser Dalentinian wählte daher den heil.Leo zum Gesandten an jenen furchtbaren Krieger, um über den Frieden mit dem-selben zu unterhandeln. Leo redete mit solcher Sanftmulh und Eindringlichkeitzu dem Barbaren, daß Attila, vielleicht auch durch andre Gründe bestimmt, Italien verließ und über die Donau zurückging. Allein im I. 455 überfiel der VandaleGeiserich Rom und ließ es 14 Tage lang plündern. Alles, was Leo von ihm er-halten konnte, bestand darin, daß kein Mord begangen, nichts in Brand gestecktwurde, und daß die 3 vornehmsten Kirchen in Rom , welche voll Konstantin diekostbarsten Geschenke erhalten halten, ungeplündcrt blieben. Leo ist der erste Papst,von dem noch eine Sammlung von Schriften vorhanden ist; diese bestehen in 96Predigten, 41 Briefen und einigen Aufsätzen. Noch schreibt man ihm ein Werk„Von der Berufung der Heiden" und die „Epistel an Demetriades" zu. Leo'sSchriften zeichnen sich durch einen gebildeten, rednerischen Styl aus, der Periodcn-bau hat eine angemessene Rhythmik, welche überrascht, ohne mißssllig zu werde»,die Sprache ist voll gewählter Beiwörter und glücklicher Antiihesen. Man hatmehre Ausg. veranstaltet, eine (von O.uesnel) zu Paris (1675, 2 Bde., 4.), eineandre zu Lyon (1700, Fol.), eine dritte zu Rom , von Caciari (3 Bde., Fol.) undeine vierte zu Venedig (1757, in ebenso viel Bdn.). Der Pater Maimbourg hatdas Leben dieses Papstes geschrieben.
Leo X., geb. zu Florenz 1475, der 2. Sohn Lorenzo'S von Medici, desPrächtigen, erhielt in seinem 7. Jahre die Tonsur und ward mit geisil. Pfründenüberhäuft. Die Wahl Innocenz Vlll. zum Papste war den ehrgeizigen Wünschenseines Vaters so günstig, daß 1488 der damals erst I3jährige Giovanni zum Car-dinal ernannt wurde. Lorenzo vertraute s. Erziehung dem Griechen Chalkondolasund dem gelehrten Angelo Poliziano . Giovanni's von Natur ernster und festerCharakter wandte sich lieber zu den Schriften d>er alten Philosophen als zu den Kir-chenvätern; daher ward bei s. Ernennung die Bedingung gemacht, daß er vor s.Bekleidung mit dem Purpur 3 Zahrezu Pisa den geistlichen Studien obliegen solle.