Seo XII.
553
Concordat , das beiden Theilen Vortheilhaft, verfranz. Nation aber höchst mißfäl-lig war. Um nach seines Bruders Giuliano Tode die Macht und den Glanz seinesHauses in s. Neffen Lorenzo zu vergrößern, benutzte er 1516 einen Vorwand, denHerzog von Urbino zu entsetzen, und belehnre Lorenzo mit dem Herzoqthum. Un-gern sah Leo in dems. I. die kriegführenden Mächte sich versöhnen. Darauf setztesich 1517 der vertriebene Herzog von Urbino durch Waffengewalt wieder in Besitzseines Landes. L. brachte aber ein mächtiges Heer gegen ihn zusammen und nö-thigte ikn zu einer Verzichtleistung auf ehrenvolle Bedingungen. In demselbenZähre ward eine Verschwörung gegen das Leben des Papstes entdeckt, und der Car-dinal Petrucci, der für den Urheber galt, ungeachtet des ihm gegebenen sichern Ge-leites, erdrosselt; Andre, deren Schuld wenig erwiesen war, wurden gefoltert,ihrer Würde entsetzt, verwiesen. Das Betragen des Papstes bei dieser Gelegen-heit bewies weder Hochsinn noch Milde. L. S Prachtliebe hatte seine Finanzen er-schöpft; sich Geld zu verschaffen, besonders auch zur Vollendung der Peterskirche,brandschatzte er die Christenheit durch Ablaßbriefe. Dieser Mißbrauch weckte Lu-ther's E'fer und gab Anlaß zur Reformation. Anfangs schien Leo auf den Wider-spruch Luther's wenig zu achten, und als er endlich nicht mehr schweigen konnte,zeigte er sich zu sanften Maßregeln geneigt. Auf Maximilians Anffoderung aberverfuhr er mit mehr Nachdruck, lud Luthcrn vor nach Rom und willigte endlichein, daß er sich zu Augsburg vor dem Cardinal Cajetan vertheidigen sollte. Daaber hier nichts entschieden worden, erließ er im Nov, 1518 die bekannte Bulle,worin er die päpstl. Machtvollkommenheit, Ablaß zu ertheilen, standhaft behaupteteund die Verfechter entgegengesetzter Lehren im Allgemeinen niit dem Kirchenbannebedrohte, wogegen Luther an eine allgemeine Kirchenversammlung appcllirte.Während so ein offener Krieg in der Kirche ausgebrochcn war, bemühte sich Leo,gegen den türkischen Kaiser Selim, der sich Ägyptens bemächtigt hatte, alle christ-liche Monarchen zu einem Kreuzzuze zu vereinigen; allein die gegenseitige Eifer-sucht derselben vereitelte s. Bemühungen. Nach dem Tode Lorenzo's, der sichdurch eine Vermählung mit dem franz, Hofe verbunden und nur eine Tochter hin-terlassen hakte, vereinigte L. Urbino mit den päpstl, Besitzungen, der Cardinal Giulio de Medici aber übernahm die Regierung von Florenz . Wiewol inzwischendie Reformation (s. d.) in Deutschland fortschritt, so genoß doch Italien deräußern Ruhe. Dieser Zustand erlaubte L., seinem Geschmack an prachtvollenSchauspielen zu folgen, den Künsten und Wissenscbaftcn Unterstützung angedcihenzu lassen und zugleich für die Vergrößerung der Macht s. Familie thätig zu sein.Dabei verlor er den Plan, die Macht Frankreichs , trotz seines Bündnisses mit dem-selben, in Italien zu brechen, nie aus den Augen. Zu dem Ende schloß er 1521einen Bund mit dein Kaiser zur Wiedereinsetzung der Familie Sforza in Mailand ,und nahm ein Schweizerheer in Sold. Der Krieg begann glücklich. Parma undPiacenza wurden eingenommen und von dem Papste dem Kirchenstaat einverleibt;die Verbündeten zogen ohne Widerstand in Mailand ein und besetzten das Gebietdes Herzogs v. Ferrara, gegen den, als einen Bundesgenossen Frankreichs , L. denBannstrahl geschleudert hatte. Er war in Rom beschäftigt, die erfochtenen Siegezu feiern, als ihn mitten unter diesen Erfolgen am 1. Dec. 1521 der Tod ereilte.Eine Schilderung des Zeitalters L.'s findetman in RoScoe'g „I.ilc u»<> I'ontiiic-.iieok 1.co tliv teilt!," (Liverpool 1805, 4 Bde. 4., und London 1806, 6 Bde.); vonGlaser deutsch mit Henke's Anm. (Leipzig 1806 — 8, 3 Bde.) und italienisch mitAnmerk. und eingedruckten Beilagen vom Grafen Bossi (Mail. 1818, 12 Bde.).
Leo X ll., vorher Anmbale della Genga, geb. zu Genga, einem Landgute s.Familie bei Spoleko, den 2. Aug. 1760, wurde Cardinal den 8. März 1816 undPius s V II. Nachfolger, nachdem das Conclave 38 Tage gewährt, den 28. Sept.1823. Er wirkte früher als NunciuS, nach dem Geiste d?r römischen Curie,