Band 
Sechster Band. K bis L.
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Leopold I. (deutscher Kaiser)

liebte des MetrodoruS. Sie soll sich durch Geistestalente ausgezeichnet und eineSchrift voll Scharfsinn und Gelehrsamkeit in einem schönen attischen Style, zurVertheidigung der Lehre Epikur's gegen Theophrast , verfertigt haben.

Leopold 1.,^ zweiter Sohn Kaiser Ferdinands ll l. und der Maria Annavon Spanien, geb. 1640, ward 1655 zum Könige von Ungarn , 1658 zum Kö-nige von Böhmen und 1659 zum deutschen Kaiser erwählt. Bei seiner Thronbe-,sieigunq mußte er versprechen, Spanien keine Hülfe gegen Frankreich zu leisten.Damals halten die Türken das kaiserl. Heer geschlagen und Mähren verwüstet,weil der Kaiser ^en Fürsten von Siebenbürgen , Rakoczv, unterstützte, welcher auf-gehört hatte, der ottomannischen Pforte den jährl. Tribut tu bezahlen. Montecu-culi, Leopolds Feldherr, von 6000 M. auserlesener franz. Truppen unter Coligny und Feuillade unterstützt, schlug die Tücken den 1. Aug. 1664 bei St.-Gotthard;aber statt diesen Sieg zu benutzen, schloß das wiener Cabinet einen 20jähr. Waf-fenstillstand, und Rakoczy blieb der Pforte zinsbar. Ungarn sollte nämlich gänzlichunterworfen werden; die Magnaten dieses Landes aber strebten, sich von der öst-reichischen Oberherrschaft ganz frei zu machen und einen König aus ihrer Nationzu erwählen. Diese Unternehmung kostete Zrinyi, Frangipani, Nadaüi und andernUngarn das Leben. Nun stellte sich Tökelyss. d.) an die Spitze der Unzufriedenenund ward von den Türken für einen jährl. Tribut von 40,000 Zechinen zum Kö-nige von Ungarn erwählt. Tökely rief die Türken in das deutsche Reich; diese er-oberten mit einem Heere von 200.000 M. die Insel Schütt und belagerten Wien 1688. Eben als sich die Stadt ergeben wollte, eilte ihr Johann Sobieski zuHülfe; die Türken wurden in ihren Verschanzungen angegriffen und gänzlich ge-schlagen. Ein panisches Schrecken hatte sich des Großvesiers Kara Mustapha be-mächtigt; er floh und überließ sein Lager dem Wiegcr. Auf diese Niederlage folg-ten andre, und die Kaiserlichen eroberten alle verlorene Städte wieder. L. ließ dieungarischen Aufrührer, welche er für die Ursache der Gefahren hielt, welcheDeutsch-land bedroht hatten, streng bestrafen. Die wichtigste Folge der fortdauernd bluti-gen Maßregeln und der sogen. Schlachtbank zu Eperieg war, daß Ungarn , welchesbisher ein Wahlreich war, auf dem Reichstage zu Presburg (1687) als erblich fürden ganzen östreich, Mannsstamm erklärt, und der älteste Prinz des Kaisers, Jo-seph, ohne vorgängige Wahl als König von Ungarn gekrönt wurde. Siebenbürgen unterwarf sich dem östr. Hause ganz. Mit Frankreich führte Leopold 3 Kriege, dieer für Reichskriege erklären ließ. Der erste, 1672, in Verbindung mit Spanien und Brandenburg, um den von Frankreich und England angegriffenen Holländernbeizustehen, war für den Kaiser und das Reich nicht glücklich und endigte durch denFrieden zu Nimwegen (5. Febr. 1679). Der zweite Krieg wurde durch das mitHolland und Spanien 1686 zu Augsburg wider Frankreich geschlossene Bündnißveranlaßt; die Pfalz wurde in diesem Kriege von den Franzosen fürchterlich ver-wüstet. Die deutschen Waffen waren größtentheils glücklich, und Frankreich gabim Frieden zu Ryßwick (30. Oct. 1697) Alles, was es seit 1680 von Deutschland losgerissen hatte, zurück, trat auch Breisach, Freiburg, Kehl, Philippsburg undeinige kleinere Festungen an Deutschland ab. Der Herzog von Lothringen , einnaher Verwandter des Kaisers, erhielt sein Land, aus welchem Ludwig XI v. seineFamilie (1670) vertrieben hatte, wieder. Den dritten Krieg unternahm Leo-pold (1702), um seinem zweiten Sohne Karl die Thronfolge in Spanien zu ver-schaffen. Er starb im Laufe dieses Kriegs (5. Mai 1705). Sein ältesterSohn Joseph, bereits 1690 als römischer König gekrönt, sehte den Krieg mitgrößerer Thätigkeit fort. (Über die mit dem Anfange des 18. Jahrh, in Un-garn aufs Neue ausgebrochenen großen Unruhen s. Rakoczy.) L. war als derjüngste der vier Söhne Ferdinands lll. für den geistl. Stand erzogen worden; da-her kam seine große Anhänglichkeit an die Geistlichen, eine gewisse Furchtsamkeit