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Liberalität
tig abzuändern. Die Freiheit, welche wahren Werth für die Menschheit hat, be-steht nicht in dem Entbinde» von Gesehen, nicht in dein Entfernen des Zwanges,sondern indem Zusammentreffen des eignen Willens mit dem Gebote, in der Über-einstimmung des Gebotes mit der Vernunft, in der Entbehrlichkeit des Zwangesvermöge eines freiwilligen GehorchenS, aber auch in den« Bewußtsein, daß mankeinem Zwange unterworfen sei als einem geschlichen, und keinem Gesetze, welchesman nicht in seinem Innern fände, wenn es auch von Außen nicht gegeben wäre.Die Freiheit besteht außerdem in dem Bewußtsein, daß man von keiner sinnlichen3Bedingung durchaus abhängig sei, daß man keiner Befriedigung der Sinne bedürfe,um sich glücklich zu suhlen, und selbst das Leben nicht höher achte als Ehre undPflicht. Diese Freiheit ist kein Rech», sie ist eine Pflicht; ihr kann Niemand?nt-sagen, ohne sich aller Ansprüche aus menschliche Würde zu begeben. Sich einerfremden Willkür unbedingt unterwerfen, etwa um allerlei Vortheile dafür zu er-langen, bequemes Leben, reichlichen Sinnengenuß, und jene Flittern, womit dieMenschen so häufig die wahre Ehre verwechseln, ist pflichtwidrig und nichtSwür-dig. Servile Gesinnungen zu hegen, verräth daher alle Mal einen Mangel anEinsicht und Nachdenken; sie zu heucheln ist verächtlich und schändlich, wie alleHeuchelei. Aber treue Anhänglichkeit an das Bestehende und an diePersönlichkeiteines Regenten ist ebenso wenig mit dem Servilen zu verwechseln, als echter Frei-heitssinn, jener RepublikanismuS, welcher auch in der Monarchie an seinem Orteist, mit dem Revolutionnairen, obwol Beides sehr häufig nicht allein aus Irrthum,sondern auch nicht selten vorsätzlich mit einander wirklich verwechselt wird. Es isteinmal der Fluch, welcher auf dem Parteigeisie in jeder Beziehung ruht, daß ertheils die Anhänger der Parteien über die Grenzen des Wahren und Guten hinaus-reißt, theils aber auch es ihnen außerordentlich schwer macht, ihren Gegnern diebeiden Punkte zuzugestehen, welche niemals ganz fehlen, und deren Anerkennungdie nothwendige Bedingung eines ehrlichen Streites und gleichsam die Prälimi-narien einer möglichen Aussöhnung sind: nämlich wenigstens eine Beimischungvon Wahrheit in den Grundsätzen und die Möglichkeit eines redlichen Irrens.Durch die ganze Weltgeschichte, von ihrem ersten Anfange an, geht auch in Hin-sicht aufbürgerliche und religiöse Freiheit ein Kampf, welcher mit dem Kampfe desvorwärts treibenden und des zurückhaltenden Princips nicht ganz identisch, abernahe mit ihm verwandt ist und hoffentlich niemals enden wird. Denn sowie aufder einen Seite das Menschengeschlecht nie jenen hohen Grad von sittlicher Voll-kommenheit erreichen kann, ohne welchen ihm der Genuß einer vollkommenen Frei-heit unmöglich ist: so wird doch der Werth derselben und die Überzeugung, daß dieMenschen verpflichtet sind nach ihr zu streben, niemals ganz aus dem menschli-chen Geiste verschwinden, und selbst die gewaltsamste Ausrottung solcher Ideenwird nur die Asche liefern, aus welcher sich dieselben gereinigter und ebendeßwegenauch mit größerer Kraft wieder emporheben. Ebenso ist der Sieg einer Partei,wenn er recht vollständig ist, nur eine Verrückung des Punktes, wo der Gegensatzsich zeigt, nur der Ansang einer neuen Entzweiung im Innern des siegenden Thei-les, wie wir dies auf allen Blättern der Geschichte finden und täalich vor Augensehen. Schon diese Bemerkung könnte wol dazu dienen, die Hitze der Kämpferetwas zu mäßigen, wenn der Parteigeist fähig , und der darunter verborgene Ei-gennutz Willens wäre, auf Dernunftgründe zu hören. Es ist von jeher das Loosder höhern und ediern Bestrebungen unter den Menschen gewesen, verkannt, ge-haßt und verfolgt zu werden und nicht eher den Sieg davon zu tragen, bis derZweck sich mit dem gröbern Stoffe irdischer Motive gewissermaßen amalgamirt,dadurch aber einen großen Theil seiner ursprünglichen Reinheit verloren hat. Dieskann auch nicht anders sein, weil alles Ideale in jener vollkommenen Reinheit demgroßen Haufen immer unverständlich und das Eigenthum der kleinen Zahl denken-