Liberalität
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der und nach dem Unvergänglichen strebender Menschen bleiben muß, in der Aus-führung aber immer sehr weit von dem Bilde entfernt ist, welches die Vernunftsich entwerfen mußte. Daher sind auch die Menschen von je her so geneigt gewe-sen, das wahrhaft Edle in allen diesen Bestrebungen ganz zu läugnen und die Ver-irrungen und Mißbrauche einer an sich guten Sache für das eigentliche Wesen der-selben auszugeben. 'Obwol man immer auf seiner Hut sein muß, nicht die Ge-genwart für bedeutender auszugeben, als irgendeinen Abschnitt der Vorzeit, sokann man dock wol sagen, daß nie die Spannung zwischen den verschiedenen Ele-menten des Volkslebens größer, und nie die Unart des Parteigeistes, sich gegensei-tig zu verketzern, mehr verbreitet und gefährlicher gewesen ist, al« in unsern Tagen.Während der äußere Friede Europas sich immer mehr zu befestigen scheint, wird dieinnere Entzweiung stets allgemeiner, und Alles, was nur einen natürlichen Gegen-satz bildet, in dieselbe gezogen. Alles wird nach und nach entweder in die Farbendes Liberalismus oder in die des unbedingten Gehorsams gekleidet, wenn es auchseinem Ursprünge wie seinem Zwecke nach denselben ganz fremd ist. Dahin ge-hört der bevorstehende KanipfEuropas mit seinen transatlantischen Colonien, unddie griechischen Angelegenheiten, welche selbst alsdann ihren' Wesen nach von demeuropäischen Liberalismus ganz und gar getrennt werden müßten, wenn auch revo-lutionnaire Bestrebungen des westlichen Europas mitgewirkt haben sollten, die Grie-chen zum letzten Todcskanipfe gegen ihre barbarischen Unterdrücker früher, als viel-leicht sonst geschehen wäre, zu reizen. So hat auch das Sehnen nach Dolkoun-abhängigkeit und Einheit, welches in verschiedenen Theilen Europas rege gewordenzu sein scheint, ar sich mit liberalen Zdeen nichts gemein und ist so natürlich alsder Wunsch eines Arme» nach Verniögen, denn nur durch die Ungerechtigkeit derMittel, welche zu einem solchen Zwecke ergriffen werden, können beide sich strafbarmachen. Was aber den Liberalismus selbst betrifft, so findet allerdings dasIdol der falschen revolutionnairen Freiheit noch immer seine Altäre, allein manmuß auch gestehen, daß in vielen Ländern, wo es zum wirklichen Ausbruche gekom-men ist, nicht geringe Aufreizungen von verschiedenen Seiten vorangegangen sind.Der echte Liberalismus in politischer Beziehung stellt die Ansoderungen auf, daßdie Gerechtigkeit sicher, die Wahrheit frei, die menschliche Würde auch im Gering-sten geachtet, und mit Einem Worte, daß die launenhafte Herrschaft der Willkürzu emer kraftvollen Herrschaft weiser Gesetze erhoben sei. Da keine nienschlicheRegierung im Stande ist, diese Ansoderungen vollkommen zu erfüllen (sie sindauch, wie alles Zdeale, nicht eigentlich Punkte, wohin man wirklich gelangenkönnte, sondern beze chnen nur den W-g, welchen man gehen muss), so wird sichnothwendigerweise das Gefühl unbesi iedigter Erwartung und, wenn demselben inparlamentarischen Formen ein Organ verliehen ist, eine Opposition erzeugen müs-sen, welche, weit entfernt, der Regierung feindselig gegenüber zutreten und ihretwas von der nothwendigen Kraft zu entziehen, vielmehr die moralische Kraft der-selben verstärkt. Denn wenn die Regierung selbst nicht etwa ihr erhabenes Zielverkennt, eine Herrschaft der Vernunft im Volke, soweit es unter Menschen mög»lich ist, zu begründen, und sich dadurch mit sich selbst in Widerspruch versetzt, sowird sie in der parlamentarischen Opposition (sowie in der schriftlichen der Drucker-presse) nichts Andres finden als gleichsam ihr eignes Gewissen, eine Controls ihreruntergeordneten Beamten, und die Erinnerung an die ewigen Wahrheiten desRechts. Je offener die Regierung selbst den Grundsätzen echter Liberalität inWort und That huldigt, welches sie thun muß, weil alle ihre Befugnisse keineandre Quelle haben als ihre Pflicht, für Wahrheit, Sittlichkeit und Recht imVolke zu wirken, und welches sie thun kann, weil sie niemals stärker ist, als wennsie ihre Gewalt hierauf beschränkt: desto weniger hat sie von d>» Verirrnngen desliberalen Geistes zu fürchten. S ie kann, wie Ancillon sehr treffe,10 sagt, den Dü-CvnoersationS-Lencvn. Bd. > l, ^