586
Liebmsteiiier Bad
und die wahre, feste Zuneigung, welche innig an ihrem Gegenstände hängt und un»zertrennlich mit ihm verkünden ist, nicht ohne Haß Dessen, was mit demselbenstreitet und ihm durchaus widerspricht; woher auch dasSprüchwort: „Nur werrechthassen kann, kann auch recht lieben". Dann aber muß das Geliebte auch etwaswahrhaft Liebenswürdiges und Edles fein; denn nur dessen Gegentheil darf unsmit Abneigung und Abscheu erfüllen. Daß wir aber dem Menschen diese innigeund edle Zuneigung gegen die Seinen beilegen, liegt darin, daß allein den Men-schen ein freier inniger Drang an das frei? Wesen knüpfen kann, da das Thierohne alle Mahl dem Eindrucke des Augenblicks und dem Gesetze der Natur folgt.Ldbwol nun die Liebe des sinnlichen und mehr thierischen Menschen dem thierischenInstinkte mehr oder weniger ähnlich ist, insofern sie weniger ausschließend aus dasbestimmte Individuum gerichtet ist und die sinnliche Heftigkeit jenes Triebes theilt,so wird doch in der wahren Liebe jener sinnliche Trieb so sehr veredelt und durch diegeistige Natur so geläutert, daß man dieselbe vor Allem als eine reinmenschlicheNeigung ansehen darf, in welcher sich die ganze Eigenthümlichkeit der menschlichenNatur ausspricht, und durch welch? sich der Mensch der Menschheit innig anschließt.Die menschliche Nechung zu dem.Verwandten offenbaret sich in verschiedenen For-men; zuerst in derKindeskiebe, auf zarte Sympathie gegründet, mir herzlicherDankbarkeit gegen die Wohlthäter und Ehrfurcht vor dem entwickeltern MenschenVerbunden, und wiederum anders als Liebe der Söhne, anders als Liebe der Mäd-chen gegen Vater und Mutter; dann als Geschwisterliche und Freundschaft,ferner als Geschlechtsliebe oder Liebe im engern Sinne. Letztere ist die freieZuneigung verwandter Personen verschiedenen Geschlechts, oder ein inniges Stre-ben nach vollkommener Gemeinschaft mit einer bestimmten Person des entgegenge-setzten Geschlechts, ja (objectiv) diese Vereinigung selbst; denn die Liebe kann nurdurch Gegenliebe vollendet werden. Sie entwickelt sich naturgemäß zuerst ausdunkler Sehnsucht, welcher die vollkommene Entwickelung des Körpers, welchein die Zeit der ersten Lieae fällt, wahrscheinlich mitwirkt, und ist dann mit einemGefühl der Leere verbunden, welche das Bedürfniß einer vollkommenern Mitthei-lung bewirkt. Ferner gründet sie sich auf die körperliche und geistige Verschieden-heit der Geschlechter. Sie ist aber dennoch sowol von dem regen Geschlechtstriebeund der oberflächlichen Reizbarkeit des Gemüths, welche man Verliebtheit nennt(beide können die wahre Liebe unterdrücken), als von jener fälschlich sogenanntenplatonischen Liebe verschieden, welche nur eine geistige Ausschweifung ist. Sie istvielmehr ein vollkommen menschliches Streben nach vollkommener, d. i. geistig-körperlicher Vereinigung, und eben darum der liebste Gegenstand devKunst. Wosie aber vollkommen ist, da ist sie auch nothwendig ausschließend auf ein festes In-teresse der Herzen gegründet, und wird zur Lebensvereinigung Derer, die sich durchhöhere Fügung gefunden. Der Staat erkennt sie an in der Ehe, welche die ver-nunftgemäße Form der Liebe ist. In der alten Welt, wo das Geschlechtsverhält-niß mehr ein physisches war, und die Vielweiberei häufiger herrschte, konnte dieLiebe nicht mit dieser Tiefe des Gefühls, ja mit dieser schwärmerischen Herzlichkeitsich offenbaren, welche sie in der christlichen und romantischen Zeit angenommenhat. (S. auch Minne.) Nur wo das feste Vertrauen mangelt, geht sie in Eifer-sucht über, und große Hindernisse treiben sie zur Leidenschaft. Ruhiger und ver-traulicher aber ist die Gattenliebe und die mit ihr verwandte, aufopfernde und höchstuneigennützige Liebe der Ältern gegen ihre Kinder. k.
Lieben st einer Bad, im Herzoglhume Sachsen-Meiningen , bei demDorfe Liebenstein, in einer reizenden Gegend, die südlich uom Werrathale, nördlichvom Thüringerwalde begrenzt wird, 2 St. von Salzungen , 4 St. von Gocha.Auf einer Bergkuppe steht das verfallene Schloß Liebenstein. Diese Besitzung desHerrn v. Stein fiel 1673 als eröffnetes Mannleh» dem Hause Sachsen-Gocha zu,