Liederspiel Tiefland L91
des insofern verschieden sein, als das Lied, der Ausdruck der gemäßigten Empfin-dung, einen engern Kreis hat, in welchem es sich bewegt, und den es nicht über-schreiten darf. Dieser Kreis schließt eine größere Mannigfaltigkeit in der Darstel-lung aus. Die Ode hingegen schweift in das Erhabene aus und berührt in ihremFluge das Geistige und das Irdische, das Hohe und das Tiefe. Das musikalischeLied, d. i. die Composition des Liedes, richtet sich in seinem Charükter natürlichnach dem poetischen Liede, oder Texte, und hat dieselbe Ruhe, dieselbe Einfachheit,einen geringern Umfang der Töne. keine schwer zu treffenden Intervalle. Es gibtgeistliche Lieder, welche oft allein Lieder genannt werden, Volkslieder, Kriegslieder,Trinklieder u. s. w. Zu den ältesten deutschen Liedern gehören die Minnelicder,dann die Lieder der Meistersinger. Unter den neuern Liederdichtern sind Luther ,Opih, Flemming, P. Gerhard, Geliert, Hagedorn,.Bürger, Hölty. Göthe , Schiller,Schlegel, Tieck, Novalis , Tiedge, Kind, Mahlmann, Uhland, Hebel ausgezeichnet.(Vgl. Lyrik.)
Liederspiel unterscheidet sich, als eine Gattung des Schauspiels mitGesang, von der Operette hauptsächlich dadurch, daß olle darein verwebte Gesang-stücke bloß aus Liedern bestehen, die entweder dem Publicum schon bekannt sind,oder die der Tonsetzer doch wenigstens in der Form des Liedes neu bearbeitet hat,und welche sämmtlich mit einer dem Liede angemessenen einfachen Instrumental-begleitung versehen sind. Reichord, wahrscheinlich durch die VaudevilleS der Fran-zosen dazu veranlaßt, machte in s. Liederspiele: „Liebe und Treue", den ersten Ver-such in dieser Gattung, der zwar Beifall, aber im ernsten oder idyllischen Kreisekeine bedeutende Nachfolge fand. Neuerdings gibt es aber viele komische Vaude-villeö dieser Art, die man den Franzosen nachgeahmt hat, z. B. von Angelv („Sie-ben Mädchen in Uniform").
Lief! and. Die russischen Provinzen an der Ostsee: Liefland , Esthland,Kurland und Semgallen , gehörten schon in den frühesten Zeilen zum russischenStaate, zahlten diesem aber nur Tribut und halten ihre eigne Verfassung. DieRussen widersetzte» sich nicht eininal den Versuchen fremder Eroberer. «Lo geschahes, daß sie sich, besonders während der innern Zerrüttung Rußland», ganz vondemselben abrissen und erst dann wieder zur Unterwürfigkeit gebracht werden konn-ten, als Peter d. Gr. seine Rechte auf diese Provinzen geltend zu machen wußte.Dem übrigen Europa blieb Liefland größlemheüs unbekannt, bis 11b8 bremischeKaufleute, die eine neue Handelsverbindung mit dem Norden suchten, auf ihremWege nach Wisby (aufGothland) an die Küste Lieflands verschlagen wurden. DieBremer besuchten nun das Land immer häufiger, trieben Handel und bauten selbstsich darin an. 28 Jahre nachher ließ sich ein Augustinermönch, Meinhard, nebstandern Deutschen in Liefland nieder. Er bekehrte die Einwohner zum Christen-thume und wurde der erste Bischof. Allein erst dem dritten Bischöfe nach ihm,Albrecht, der mit einem neuen Zuge von Kreuzfahrern nach der Düna kam, gelanges, daselbst eine» sichern Grund für seine geistl. Herrschaft zu legen. Er erbaute1200 die «ladt Riga und verlegte den Sitz des Bisthums dahin. Gegen dasEnde dieses Jahrh, bemächtigte sich der dänische König Knud V I. dieser Provinzen,welche aber von einem seiner Nachfolger, Woldemar III., für eine Summe Gol-des dem deutschen Orden, mit welchem der 1201 vom Bischof Albrecht gestifteteSchwcnbrüdcrorden vereinigt war, abgetreten wurden, sodaß der deutsche Ordensich fortan in dem Besitze von Liefland, Kurland , Semgollen und Esthland befand.Endlich bewirkte die Schwäche des Ordens, der nicht im Stande war, den: ZaakIoan 11. Wasiljewitsch. welcher dtsse dem russ. Reiche entrissene» Provinzen wie-dererobern wollte, Widerstand zu leisten, 15V1 eine völlige Auflösung des ganzenStaats. Esthland begab sich unter schwedischen Schutz, Liefland ward mit Polen verbunden, und Kurland, nebst Semgallen , ward ein eignes Herzoglhum untek