Band 
Sechster Band. K bis L.
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Linne

ihm erlaube, ein Priester der Natur zu werden. Die Altern folgten dem Rathe desverständigen Arztes, und freudig verließ L. seine Werkstatt. Tournefort'S „Insti-tutionen", welche ihm Rothmann verschaffte, waren das erste brauchbare Werküber Pflanzenkunde, welches dem jungen L. bei der Beschränktheit seiner Lage indie Hände kam. Noch 2 Z. benutzte er in Wexiö die Bibliothek und den Rath seinesGönners Rothmann, und bereitete sich zu seiner großen Laufbahn vor. Da ihm dieBotanik keine Aussicht zu einer Versorgung darbot, wählte er als Brotstudium dieArzneikunst, für welche er sich um so tüchtiger fühlte, als s. Kenntnisse in der Pflan-zenkunde ihm das Studium derselben erleichtern mußten. Auf der Universität zuLund fand er den Botaniker Stobäus , der, so weit s. Kräfte reichten, sein Wohlthä-ter wurde, ihm auch einst das Leben rettete, als er auf einer botanischen Wanderungvon der sogen. Höllenfuric, einem in Schweden einheimischen giftigen Gewürme,gestochen worden war. L, hatte jedoch noch einige Zeit mit Dürftigkeit zu kämpfen.Bei einem Besuch im botan. Garten zu Upsala fand ihn der berühmte Celsius undmußte seine außerordentlichen Kenntnisse bewundern. Der ehrwürdige Prälat zogihn sogleich aus s. hülflosen Lage. Celsius arbeitete damals an seinem schätzbarenWerke über die biblischen Pflanzen; er bedurfte eines Gehülfen, und s. Wahl fielauf L. Hier wurde L. in seinem 2 t. I. auf die Idee geführt, ob nicht, bei der. Wichtigkeit der Geschlechtstheile, das so deutlich sich offenbarende Verhältniß der-selben zu einander die Grundlage zu einem neuen Lehrgebäude in der Botanik wer-den könnte, welches durch s. Einheit, durch die Folgerich'igkcit s. Verbindungenund durch die Annäherung an das Ideal eines natürlichen Systems den Vorzugvor allen übrigen Systemen verdiene. Vor der Hand schrieb er s. Gedanken in ei-nem Aufsätze nieder, den er dem L)l. Rudbeck mittheilte. Dieser bewunderte dieNeuheit und den Scharfsinn der darin enthaltenen Gedanken. Eine Folge davonwar, daß Rudbeck ihm auftrug, an s. Stelle im botan. Garten die Pflanzen zudemonstriren. Rudbeck hatte schon 40 I. vorher eine botanische Reise nach Lapp-land gemacht, deren Ergebnisse die öffentliche Wißbegierde nur noch mehr reizten;es ward eine neue Reise dahin in Anregung gebracht, und Celsius schlug den jun-gen L. dazu vor. Dieser hielt eine Summe von etwa 50 Thlrn., welche von derliterarischen Gesellschaft zusammengeschossen worden, für hinreichend, eine Reisevon mehr als 800 deutschen Meilen zu machen. Im April 1732 trat er diese ge-fahrvolle und höchst beschwerliche Reise, ganz allein und nur mit dem Unentbehr-lichsten versehen, zu Pferde an und kehrte nach 6 Monaten mit wichtigen Früchtenfür die Wissenschaften, namentlich die Botanik, zurück. 1735 ließ er die vollständige„Flora von Lappland" drucken, welche ein Muster für alle ähnliche Arbeiten wurde.Man weiß nicht, ob man mehr die Genauigkeit und Richtigkeit der Beschreibungen,oder die gelehrte Kritik in den Synonymen, oder den Reichthum neuer Entdeckun-gen bewundern soll. In dieser Flora ordnete L. zuerst die Pflanzen nach der Zahlder Staubfäden und ihren Verhältnissen unter sich und zu dem Pistill. Noch hatteL. keine akademische Würde erlangt, die ihn zu Vorlesungen berechtigte; auchfehlte es ihm an Mitteln, sich eine solche ertheilen zu lassen. Daher nahm er denVorschlag an, mit 7 Jünglingen eine mineralogische und oryktognostische Reisenach Lappland zu unternehmen. Nach s. Zurückkunft hielt er in Fahlun den Zög-lingen des Bergwesens Vorl sungen über Mineralogie und Hüttenwesen. ImApril 1735 verließ er Fahlun, »ahm in Harderwyck die höchste Würde in der Arz-neikunst an und begab sich dann nach Leyden, wo Boerhaave und Gronov , überden Umfang und die Tiefe s. Kenntnisse erstaunt, ein enges Freundschaftsbündnißmit ihm schlössen. Hier war es, wo er zuerst (1735) mit seinem genialen Natur-system in Tabellen auftrat. Dies Werk enthielt schon die Grundlage seines ganzenSystems. Bei vielen Gattungen, die er nicht selbst hatte untersuchen können,folgte er Tournefort, mußte ober bei späterer genauer Prüfung sein Urtheil wider-