Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
607
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Lippert SO?

tender Getrechehantel getrieben. 2) Die Linie Schaurnburg-Lippe grün»dete Graf Philipp durch Erwerbung eines Theil« der alten Grafschaft Schaum»bürg kraft Übertragung (1640) seiner Schwester Elisabeth, und nahm zugleichdiesen Antheil von Schaumburg vom Hause Hessen Kassel als Mannlehn. Dieältere Linie Lippe-Schauenburg Bückeburg erlosch 1111 mit dem berühmten Feld»marschall von Portugal, Friedrich Wilhelm Ernst'), und seitdem regiertdie Linie Alverdissen, die vom Grasen Philipp Ernst , Sohn des Grafen Philipp,ersten Erwerbers, abstammt, dessen Enkel Philipp Ernst 1111 die Regierung an-trat, und dessen Sohn Georg Wilhelm seit 1184 regiert. (Erbprinz Adolf, geb.d. ö.Mai 1811.) Bei dem teutschen Bundestage hat er eine Stimme und nimmtTheil an der 16. im engern Rache. Die Besitzungen des Fürsten von Lippe-Bücke-burg-Schauenburg enthalten auf 10 sIN. 25,500 Einw. Einkünfte 215,000Gldn., Contingent 240 M. zur 1. Divis, des 10. Heerhaufens. Die Haupt-undResidenzst. Bückeburg liegt am Flusse Au. Wilhelmsstein, künstliche Insel undFestung im steinhuder See. Wegen Ausübung der landeshoheitl. Rechte in demzum bückeburgischen Antheile der eigentlichen Grafschaft Lippe gehörigen AmteBlomberg walten zwischen den beiden regierenden Häusern Streitigkeiten ob, dieschon oft, undnamentlich 1812 und 1818, Veranlassung zu Thätlichkeiten gewor-den sind, und auf deren Ausgleichung gegenwärtig Lippe-BückeburgischerScitS beidem Bundestage zu Frankfurt angetragen worden ist. Der jetzige Fürst hob am 8.Febr . 1810 die letzten Spuren der Leibeigenschaft auf und gab am 15. Jan. 1816seinem Lande eine Verfassung.

Lippert (Philipp Daniel), geb. zu Meißen am 2. Sept. 1102, wurde vonseinem Vater, einem Beutler, zu seinem Handwerke bestimmt. Aber der Knabezog das Glaserhantwerk vor und kam 1119 nach Pirna in die Lehre. In Dres-den sollte er die Wanderschaft antreten. Aber eine von Jugend auf genährte Nei-gung zum Zeichnen änderte den Plan. Die eben aufblühende meißner Porzellan-fabrik beschäftigte eine Menge Hände. L. suchte dort Arbeit und in drei nochmali-gen Lehrjahren machte er bedeutende Fortschritte. Als Nebenbeschäftigung übte ersich in saubern Federzeichnungen, deren Nettigkeit einen sachs. Ingenierirofsrcier aufihn aufmerksam machte. L. folgte dessen Rathe und wandte sich nach Dresden , umdurch Unterrichtgeben eine freiere Lage zu erringen. Bei äußern Schwierigkeitenverließ ihn nie der Muth, und Gott hals, weil er sich selbst zu helfen verstand.Schüler fanden sich in Menge, und seine Methode des Planzeichnens hatte so vie-len Beifall, daß man ihn 1138 beim Hauptzeughause, 1139 als Zeichnenlehrerbei den k. Pagen anstellte. Allgemeiner war damals bei den reichern BewohnernSachsens eine vom Fürsten ausgehende Sammlerliebhaberei von Kunstschätzen.Wie L. darauf gekommen, neben Festungsrissen und Lagerplünen geschnitteneSterne zum Gegenstände seiner Neigung zu machen, ist von keinem Zeitgenossengenauer erzählt worden. Daß er den in Dresden lebenden Kennern und Kunstlich-tern Hagedorn, Dser, Dieterich, Heinecke und selbst Wincke'mann schon damalsnicht fremd blieb, vermuthet man mehr, als es erwiesen ist. Vielleicht veranlaßteihn seine frühere Glaserei und die Bekanntschaft mit den Mischungen der meißnerPorzellanmasse, sich im Nachahmen alter Pasten zu versuchen. Nur aus Frank-reich und Italien bezog man damals für schweres Geld schlechte Abdrücke auseiner Schwefelmasse. Auch so waren sie besser, als die Kupferstiche. L. erfandeine eigne weiße Masse (nach der allgemeinen Behauptung eure sächsische Kalkerdemit Hausenblase gemischt), der er durch ein beigemischtes Fossil zur säst unzerstör-baren Dauer einen vorzüglichen Glanz zu geben wußte. Die Abdrücke in dieserMasse, zu denen er alle ihm nur erreichbare Gemmen aufbot, vereinigte er in seiner

*) Ueber diesen Freund Abbl's s. d. „Biograph. Denkmale", von Varnhagen von Ense (Berlin 18S4), und Rremeper'S Reise, Ll). ril., S. L8ä. Er regierte von 1748 — 77.