Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
609
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LipsiliS

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Lipsius (Justus, eigentlich Ioost Lipß), Philolog und Kritiker, war1517 in dem Dorfe Obervsche bei Brüssel geb. Nachdem er den ersten Unterrichtin Brüffel und Olh, dann bei den Jesuiten zu Köln erhalten hatte, bezog er, mitclassischen Aorkenntnissen wohl ausgerüstet, die Universität Löwen, wo er die Rechte,daneben aber mit großer Vorliebe die Alten studirte. Die erste Hrucht der letzter»Studien waren, s. „Viur»iii lertiriinnn libi i tiei>", die er seinem Beschützer, demCardinal Granvella, zueignete, der ihn zu Rom , wo er 1567 aijDam, in sein Hausaufnahm. Hier verlebte er 2 Jahr als latein. Secretair des Cardinal-?, verglich Ma-nuscripte in der Vaticana und andern Bibliotheken, betrachtete die AlterthümerRoms und genoß den Umgang der ausgezeichnetsten Gelehrten. Darauf kehrte ernach Löwen zurück, begab sich aber bald nach W en, wo Busbecq und andre Ge-lehrte ihn wohl aufnahmen, ihn jedoch vergebens festzuhalten suchten. Er machte sichauf den Rückweg nach seinem Vaterlande. Da indeß dort der Krieg wüthete, und erNachricht von der Verwüstung seines Erbes erhielt, nahm er 1572 eine Professurder Geschichte auf der (obgleich lutherischen) Universität Jena an. 1574 ging ernach Köln , wo er seine „-Vuli-zuae leclionc-," schrieb und seine Anmerk. zum Tac»-tus begann. 1576 ward er 1). der Rechte zu Löwen und hielt Vorlesungen über dieGesetze der Decemvirn. Die Kriegsunruhen aber bewogen ihn, den Lehr stuhl dcrGe-schichte zu Leyden anzunehmen. Er trat zu gleicher Zeit zur reformirten Kircheüber. In den 13 I., die er hier verlebte, schrieb er seine vorzüglichsten Werke; siebetreffen kritische, historische, philosophische und theologische Gegenstände und sindalle durch Gelehrsamkeit und Geist ausgezeichnet. Am meisten fand sein Commcn-rar zum Tacitus Beifall. Dagegen verwickelten ihn seine Abhandl. „Oe u».-, ,<-li-gioi,c"und seine „politicv, um libi i V." in so heftige Streitigkeiten, daß er endlichnach Flandern ging. Er trat zur römischen Kirche zurück und begab sich wieder nachLöwen, wo er mit großem Beifall Vorlesungen hielt, Mehres schrieb und 1606starb. Seine Werke sind (1637,4 Bde., Fol.) in Amwerpen erschienen. Von röm.Schriftstellern hat er, außer Tacitus , den Plautus, Valerius Mapmius, VellejuSPaterculus und Seneca , den Philosophen und Tragiker, commentirt. In derPhilosophie suchte er die Lehre der Stoiker zu erneuern.

Ligueur, ein aus dem lat. I,,,uc>r gebildetes stanz. Wort, welches ursprüng-lich eine Flüssigkeit bedeutet, Wir bezeichnen damit alle Arten feiner gebrannterWässer, besonders die süßen. Über das Chemisch-Technische s. Schedel'S „Prakt.Anweisung zur Desttllirkunst und Ligueurfabricat." (Ilmenau 1826) und Horip's„Anleitung zur Ligueurfabrication" (Manheim 1826).

Liquor (anodynus), schmerzstillender Liguor oder Spiritus, auch von sei-nem Erfinder, Friedrich Hosfmann (s. d.), Hofmonn'scher Liguor und Hoff-mann'sche Tropfen genannt, ein bekannte«, sehr wohlthätiges Arzneimittel, welchesman in den Apotheken aus einem Theil gereinigten Ditriolöl und 4 Theilen höchstgeläutertem Weingeist, die zusammen destillirt werden, zubereitet.

Liscow (Christian Ludwig), ein Satyriker, dessen frühere Gesihichte nurmangelhaft bekannt ist. Er wurde d. 20. April 1701 zu Wittenburg in Mecklen-burg, wo sein Vater Prediger war, geb. 1730 lebte er einig« Zeit als Hofmeister zuLübeck , wo er durch den Streit mit dem dasigen Vielschreiber, Magister «Livers, zuden ersten Versuchen der persönl. Satyre gereizt wurde. Von Lübeck ging er 1738als Privatsecretair zum Geheimenrathe v. Blome im Holsteinischen. Von dieser Zeitan bis zu seiner Ankunft in Dresden , wo er an dem Kammerrathe v. Heinecken einengroßen Beschützer fand, fehlen alle Nachrichten von ihm. Er wurde 1744 Privatse-cretair des Ministers Brühl und bald darauf zum Kriegsrath ernannt. Seine satyr.Laune, die ihn aus Lübeck vertrieben, schadete ihm auch in Dresden , welches er aufVerlangen d»s engl. Ministers, den er durch einige Spottreden gegen sich aufgereizthatte, gleichfalls verlassen mußte. Weitere Nachrichten überfein Leben fehlen. WirConversations-Ltticon. Bd.Vl. al)