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List
Die Patriarchalkirche, auf einer Anhöhe, von welcher man eine herrliche Aussichthat, isi im Innern äußerst prachtvoll und enthält einen reichen-Lcdah und vieleKostbarkeiten. Der Patriarch, das Oberhaupt der portug. Geistlichkeit, hat jährl.86,000 Thlr. Einkünfte. Man schätzt die jährt. Eink. dieser Kirche auf 100,000Thlr. Zu den Merkwürdigkeiten Lissabons gehört auch die l s Meilen lange Was;serleitung, welche an einer Stelle so hoch ist, daß ein Linienschiff mit vollen Segelndurchpassiren könnte; sie führt das Wasser auf 35 kühnen Bogen von Marmorüber das Thal von Alcantara. Dies Werk vom I. 1143 widerstand der Gewaltdes Erdbebens, obgleich die Schlußsteine sich einige Zoll in die Tiefe senkten. Nochsind anzuführen das St.-Josephshospital, wo jährlich an 16,000 Kranke, und dasFindlingshaus, worin jährl. 1600 Kinder aufgenommen werden. L'kerarische An-stalten: die königl. Akademie der Wissensch., eine Erziehungsanstalt für den Adel,eine Seecadettenakademie, mehre Seminarien, ein botanischer Garten, 3 Stern-warten, ein königl. Naturaliencabinet und mehre öffentliche Bibliotheken, woruntersich die 80,000 Bde. starke königl. Bibliothek auszeichnet. Lissabon isi der Sitz derhöchsten Reichscollegien und des Patriarchen von Portugal mit einer zahlreichenGeistlichkeit. Die Einw. unterhalten wenige Fabriken, ja es sind nicht einmal hin-reichende Handwerker für das Bedürfniß der Etadt vorhanden. Dagegen ist Lissa-bon der Mittelpunkt des gesamniten portug. Handels, der sich beinahe nach alleneurop. Ländern und nach den außereurop. Besitzungen der Portugiesen erstreckt.Man zählt hier 240 portug. und 130 ausländische Handelshäuser, vorzüglich eng-lische. Jährl. laufen in den hiesigen Hafen (Jungueira) 11 —1800 «chiffe ein.Doch hat unter D.Miguel'S Tyrannei seit 1828 mit dem Handel auch der Wohl-stand sehr abgenommen. Die reizenden Umgebungen der Stadt werden durch dieMenge von Landhäusern (6 — 1000), O.uintas, verschönert. In der Nähe:Belem, das Lustschloß Ramalhao und O-uelus. S. „Lissabon in den I.1821—23", von Mariane Baillie; a. d. Engl . (Stuttg. 1821, 2 Bde.).
List (Friedrich), vormaliger Pros. der Staaiüwlssenschaften zu Tübingen ,ein durch Talente ausgezeichneter Mann, bekannt durch den gegen ihn erhobenen Cri-minalproceß, ist zu Reutlingen im Königr. Würtcmberg um 1180 geb. Auf seinenlebhaften Charakter scheint der alte reichsstädtische freie Sinn schon in der Jugendeingewirkt zu haben, da Reutlingen damals unter die freien Reichsstädte gehörte.Als Professor zu Tübingen fand er mehre Gegner, wahrscheinlich aus dem Grunde,weil er sich über manche UniversiiäkSform allzu scharf aussprach. Nach der Nieder-legung seines Lehramtes trug er zu der Stiftung des deutschen HandelsvereinS vielbei und ward zu dessen Consulenten erwählt. In dieser Eigenschaft begleitete er dieVereinsdeputirten 1819an die deutschen Höfe, um Unterstützung für die National-angelegcnheit der Handelsfreiheit oder Vereinigung zu einem gleichen Prohibikiv-system zu erbitten. Am wenigsten konnte Pros. L. bei seiner zuweilen unklugen Rasch-heit in Wien bewirken. Indeß verdankte ihm das deutsche Publicum manche Beför-derung der guten Sache durch die von ihm herausgeg. Zeitschrift: „Organ für dendeutschen Handels - und Fabrikenstand". (S. Handelsverein.) 1820 ward L.von seiner Vaterstadt als Deputirter zur Ständeversammlung erwählt. Ein junger,feurigerMann wie L., der vieleMängel beobachtet und sich als Theoretiker, ohnehinreichende Welterfahrung und praktische Kenntnisse, einen idealischenSkaat gebil-det hatte, glaubte jetzt als Volksrepräsentant seine Ansichten vortragen und wo mög-lich die Wirklichkeit danach umschaffen zu können. Aber solchem Ideenflüge fehlteder sichere Boden der Erfahrung und der Zeit; die besonnenen, für gute alte Einrich-tungen sehr eingenommenen Würtemberger ließen sich dadurch nicht fortreißen, unddie Regierung durfte um so gewisser ein lediglich der Staatswohlfahrt entsprechendesResultat der landständischen Versammlung erwarten, da ohnehin die bedächtigen
Deutschen nicht, wie die Franzosen , von dem ersten Eindruck feuriger Worte ergrif-
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