Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
614
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silt Literargcschichte

Thätigkeit des Orients haben wir bis jetzt nur Ahnungen. Die Wiege desMen-schengeschlechtS ist öfter auch seine Schule gewesen, und mehr als ein Mal kamenvon Osten her Impulse, die wir jetzt, vielleicht nicht ohne einen gewissen Egoismus,in die Annalen unserer Literargeschichte eintragen. Sie zeugen von einem höher»geistigen Leben in legenden, die wir noch nicht hinreichend kennen. Rückt dieseKenntniß allmälig vorwärts, und wisten wir uns durch einen unbefangenen VerfolgDessen, was in unserer occidcntalischen Thätigkeit auf morgenländische Einflüssehinweist, den Weg zu bahnen, so fallen vielleicht alle unsere literarhistorische Lehr-,gcbäude nieder, aber die Wissenschaft selbst hat dann gewiß unendlich gewonnen.

Das Alterthum hat die Literargeschichte noch nicht als einen besondern Zweigder historischen Wissenschaft in systematischer Ordnung behandelt. Die Literaturder (-^riechen und, ivenn auch in geringerem Grade, die der Römer, waren so genaumit dein politischen und religiösen Leben dieser Völker verwachsen, daß eine Abson-derung der Literargeschichle von dem großen -Ltamme der Historie nicht leicht statt-finden konnte; auch war die Masse des literarhistorischen Materials damals nochnicht so groß, daß sie auf eine eigne Behandlung und Zusammenordnung hätte An-spruch machensollen. Daher liefern uns die Classiker nur einzelne Notizen, Bruch-stücke und Vorarbeiten zur Likerargeschichte, theils in Lebensbeschreibungen vonDichtern, Philosophen, Rednern, Grammatikern ic., theils in Beurtheilungen oderAuszügen ihrer Werke. Hierhergehören: M. TerentiuS Varro, Cicero , PliniuS,Quinctilian, Gellius, Dionys v. Halikarnaß, Pausanias , AthcnäuS, und die Bio-graphen: Plukarch, ^uelon, Diogenes v. Laerte u. A. m. Auch Suidas undPhotius tragen Titel und Namen bei. lind so gibt ebenfalls das Miitelalter nurspecielle und zerstreute Data zur Geschichte seiner Literatur, zum Theil in Chroniken ,zum Theil auch in eignen vertraulichen Mittheilungen der Dichter über ihr Lebenund ihre Arbeiten. — Den ei sten rohe» Versuch zur Zusammenstellung allgemeinerLiterarnotizen, jedoch ohne sonderliche systematische Ordnung, machte PolydorusVergiliuS aus klrbino in seinem Werke: „l)e invenic» ibu« rerum", zuerst 1499gedruckt. Der eigentliche Vater der Gelehrtengeschichte ist der berühmte KonradGeßner , dessen „Bibliothek" noch immer als eine reiche und bei weitem nicht er-schöpfte Quelle für diese Wissenschaft hochgehalten werden muß. Im 25. I. be-gann er seine Idee eines allgemeinen Literaturwerks nach dem umfassendsten Planezu realisiren, und 3 I. später waren seine Vorarbeiten schon so weit gediehen, daß ersie für den Druck anordnen konnte. Das Werk sollte nach seinem Plane in dreiHaupttheile zerfallen, in ein alphabetisches Schriftstellerlepikon, in eine allgemeinesystematische Literatur, welche selbst einzelne Abhandlungen und Stellen nachweist,und in ein alphabetisches Realrepertorium. (S. Eberi'S „Bibl. Lep.", Art. Geß-ner.) Die erste AuSg. der ersten Abtheilung erschien 1545. Nach Geßner'S„Bibliothek" und dem Buche des VergiliuS lehrte Pet. Lambcck die Literargeschichteauf dem Gymnasium zu Hamburg seit 1656 und gab 1659 einen eignen Entwurfals Leitfaden seiner Vorlesungen heraus, auf dessen Titel der Name „Literarge-schichte" (uisloiü, liii iui iu) zuerst gebraucht worden ist. Sehr verdient um dieVerbreitung des Studiums der Literargeschichte machte sich Daniel Georg Morhof durch seinen „I'nlviii-Mu lii, iuiius, pj>iluscg>liieii5 < l znuctieus" (erste AuSg.1683). — Seit dem Anfange des 18. Jahrh, wurde die Literaturgeschichte ein Lieb-lingsstudium der Gelehrten, und man sing an, sie fast auf allen Akademien und ho-ben schulen zu lehren. Diesen Vortrügen verdanken mehre Einleitungen, Über-sichten und Svsteme der Literai gefchichte ihr Dasein. Wir nennen der Aeitfolgenacb: Durkhard Gotthelf Struve, Pros. in Jena ; Match. Lobetanz, Pros. inGrcifswald; N. H. Gundling, Geheimerrath u. Pros. in Halle ; Gottlieb Vtoll,Pros. in Jena; G. G. Seltner, Pros. in Altdorf; E. C. Neufeld. Pros. in Königs-berg, F. G. Bierling, Pros. in Rinteln u. A. n>. Auch Jak. Friedr. Reimmann