Band 
Sechster Band. K bis L.
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615
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Literatur

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wirkte um dieselbe Zeit nicht unbedeutend auf die Beförderung des Studiums undeiner bessern Methode der Literargeschichte durch seine „Einleitung in die Historie»liloiarn," (1708) und seine„ideu svstciinilis ui>l><i»itut>s lilvr.iriuv". Noch ver-breiterer und einflußreicher wurde Chr. Aug. Heumann's „6ons>>oott,s reijmbliausIilrr->, ein Werk, welches sich vor allen bisher erschienenen durch einen zweck»mäßigen Plan, eine leicht übersehbare Ordnung, Reichthum der Materien, Scharf-sinn der Auswahl und Reife des Urtheils auszeichnete. Das „Handbuch der allge-meinen Literargeschichte" von Karl Zos. Bougine ist nach Heumann's Grundrißausgeführt worden, aber leider nicht im Sinne und Geiste dieses Vorgängers.Reichhaltiger, zuverläßiger und umfassender ist Zoh. Andr. Fabricius's „Abriß ei-ner allgem. Historie der Gelehrsamkeit" (seit 1752), in welchem die synthetischeund analytische Methode vereinigt erscheinen. Zu einer geistreichern, philosophi -schern Behandlung der Geschichte der lüerarischen Cultur gab der Franzose A.P.Goguet den Ton an, und mit ihm wetteifert der Italiener C.Denina in glänzenderDarstellung, ohne ihn jedoch in Gründlichkeit und Eigenthümlichkeit der Ansichtund des Urtheils zu erreichen. Man fing nun an, es immer deutlicher zu fühlen,daß, obgleich die Literargeschichte als ein selbständiger Zweig der Historie zu behan-deln sei, sie dennoch, ohne Rücksicht aufden Gang der politischen, religiösen, morali-schen und artistischen Cultur zu nehmen, ein unzusammenhängendes und räthselhaf-tes Stückwerk von Namen, Zahlen und Titeln bleiben müsse. Daher versuchteman, sie in die allgemeine Geschichte der menschlichen Cultur einzufügen, wie Zse-lin, Ferguson, Home und vorzüglich Herder. Zn den neuesten Zeiten haben dieDeutschen sowol durch Sammlerstess, als durch zweckmäßige Anordnung des Ma-terials, und noch mehr durch den geistreichen und weitumfassenden Blick, mit wel-chem sie das große Gebiet der geistigen Thätigkeit aller Völker und Jahrhunderteumfassen, den eisten Rang unter den Bearbeitern der Literarhistorie wieder ein-genommen. Wir nennen noch ein Mal die Namen Z. G. Eichhorn und L. Wach-ler, deren literarhistorische Werke in jeder Hinsicht als unerreichte Muster, nicht alleinin Deutschland, sondern in Europa , dastehen. Neben ihnen verdienen eine ehrenvolleErwähnung S.G.Wald, J.G. Merisel und Fr. Schlegel. Der auf einzelne Zweigeder Literatur oder auf einzelne Völker und Zeiten beschränkten Darstellungen könnenwir hier nicht gedenke». Als ein Werk von weitem Umfange, wenn auch nicht vonganz allgemeiner Natur, nennen wir zum Schlüsse die große Unternehmung des göt-tinger Gelehrtenvereins, „die Geschichte der Künste und Wissenschaften in Europa ,seit der Wiederherstellung derselben bis an das Ende des 18. Jahrh." 29.

Literatur, der gesammte Umfang menschlicher Geisteserzeugnisse, die durchSchrift oder Sprache mitgetheilt oder fortgepflanzt werden. Zn Frankreich sagtman: k,.-! littärsturu ost 1'exznossioii cle Itl sooiotä. Insofern diese Kenntnisseenthalten, die nach den Gegenständen gesondert und systematisch geordnet sind, hei-ßen sie Wissenschaften in weiterer Bedeutung, und insofern sie aus Lehrvorrrägenoder Schriften, Büchern, sich erwerben lassen, Gelehrsamkeit. Man gebraucht deß-halb den Ausdruck Literatur öfters auch gleichbedeutend mit Wissenschaften (z. B.Geschichte der Literatur), bald mit Gelehrsamkeit, z. B. Literaturzeitung, und inso-fern Gelehrsamkeit hauptsächlich aus Büchern geschöpft wird, mit Bücherwesen.Literakus ist demnach gleichbedeutend mit Gelehrter; literarische Arbeiten,gelehrte, besonders schriftstellerische Beschäftigungen; ein Literator hingegen wirdgenannt, wer mit Kenntniß des Bücherwesens sich beschäftigt oder eine bedeutendeSumme solcher Kenntnisse sich erworben hat, ein Büchcrkundiger. Literargeschichteist größteniheils Büchergcschichte. Die Geschichte der Wissenschaften hat andre Ab-sichten zu erreichen, als die bloße Literargeschichte, die jedoch mitBibliographie, Bü-cherkunde, nicht verwechselt werden darf. Die Geschichte der Wissenschaften soll deinGeiste ein Licht anzünden, da-ihm bei jeder wissenschaftlichen Bemühung vorleuchre;