Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
623
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Livadien

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Geistlichen zu befolgende Ritual enthalten. Die Liturgie in der römifch-kathol. Kir-che ist größtcntheils das Werk Gregors I. , welcher sie in seinem Meßkanon festsetzteund deren Gesang sehr begünstigte. Die lutherische Reformation brachte eine neueLiturgie hervor, bei welcher nian sich größtcntheils der deutschen Sprache bediente.Zn den neuesten Zeiten hat man an der alten Protestant. Liturgie Vieles geändertund neue Agenden eingeführt. (S. Kirchenagende.) Die 1822 in der preuß.Armee eingeführte neue Liturgie und der Versuch, sie zur allgemeinen Landcslitur-gie für alle evangel. Gemeinden im Königreich Preußen zu erheben, veranlaßte eineMenge Flugschriften. Folgende zog die Sache in den Kreis der Wissenschaft:„Über das liturgische Recht evangel. Landessürsten. Ein theol. Bedenken von Pa-cificuS SinceruS" (Gott . 1824). Die Wissenschaft der zweckmäßigen Einrichtungder gottesdienstlichen Handlungen heißt Liturgik, eine Wissenschaft, welcheebenso viel Geschmack als Kenntniß des menschlichen Herzens voraussetzt. (S.Gottesdienst und gottcsdienstliche Gebräuche.)

Livadien, das alte Hellas (s. d.) oder Mittelgriechenland, liegt südl.von Ianjah oder Thessalien (vgl. Larissa) und nördl. von Morea, östl. vom ägäi-schen und westl. vom ionischen Meere umsiossen, enthält aus275H)M. über 250,000Einw., meistens Griechen. Es hat s. Namen erhalten von der Stadt Livadia (oderLebadia , 2000 H. und 6000 Einw.). Die Grenze von Livadien und Thessalienmacht das Gebirge Öta (auf dessen Gipfel sich Hercules verbrannte), jetzt Kumaihtagenannt. Der einzige Eingang, wenigstens für Artillerie, ist ein enger Paß zwischenden steilen Felsen des Öta und dem sumpfigen Ufer des mallischen Meerbusens,oder die Straße von Thermopylä (s. d.). Seit 1821 sind hier mehre entschei-dende Gefechte vorgefallen, die blutigsten bei der etwas nördlicher gelegenen StadtZeituny, dem alten Lamia. Aus diesem ungefähr drei Stunden langen Passe be-tritt man 1) das Land der Lokrier, den nördl. Theil von Livadien; weiter südlichliegen 2) PhociS , mit der alren Hauptst. Elatäa, jetzt der Flecken Turko-Chorio,vom CephisuS bewässert und vom Pa rna ssus (s. d.), jetzt Iapora, durchschnit-ten; ferner 3)Döolien, 4) Attika, 5) Megaris; westlich liegen 6) Atollen und1)Akarnanien . Diese Ländernamen des alten Hellas sind jetzt wieder üblich, unddie Hellenen theilen ganz Mittelgriechenland in Ost- und Westhellas. (S. Grie-chenaufstand.)— Der Charakter der jetzigen Bewohner ist so verschieden alsihre Abkunft und Lebensart. Die ersten Anwohner der Küstenstriche waren größ-tentheils von fremder, oder, wie es die Griechen ausdrückten, barbarischer Abkunft;sie nährten sich haupisichlich von Seeräuberei. Zn den Gebirgen war ein ähnli-ches Räuberleben die Folge des fortdauernden Kampfes mit ihren Unterdrückern;daher die große Schwierigkeit, diese Landstriche sowol gesetzlich zu verwalten als auchgegen die von Albanien oder Epirus und aus Thessalien vordringenden Feinde re-gelmäßig zu vertheidigen. Zn Livadien oder Mittelgriechenland sind wichtig: Mis-solunghi(s. d.), der einzige feste Küstenpunkt in Westhellas; der nördlichste istdas alte Actium (s. d.) oder Azio. Prevesa , welches 1800, nebst Parga undder ganzen epirischen Küste bis Butrinto (Land der alten Thesprioten) an die Türkenabgetreten ward, und Arta, nicht weit vom ambracischenMeerbusen, oder dem Golfvon Arta, eine Stadt mit einem festen Schlosse und 6000 Einw., gehören zudem anAkarnanien grenzenden Albanien . Von diesem Golf an bis zu dem östl. von Volo sollGriechenland unabhängig werden. Aus der südlichsten Spitze von Lokris , am krissi-schen Meerbusen, liegt der Hafen Naupakios, jetztLepanlo (s. d.). Zwischen jenemMeerbusen und Euböa (s. Negropont ) liegt Böotien (s. d.), mit der StadtLivadia am Fuße des Helikon, ehemals Lebadäa, von welcher einst ein mit Tem-peln und Statuen umgebener Weg zu der geheimnißvollen Höhle des Tropho-nius (s. d.)und zu den Quellen der Mncmoshne und der Lethe — des Gedächtnis-ses und der Vergessenheit — führte. Nicht weit davon liegen die Schlachtfelder