Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
643
JPEG-Download
 

Lotus

Lolli 613

d. N. gab. Nach der Tage soll L. ein Sprößling des StammesAd gewesen und einstinir einer Karavane aus Äthiopien (?) nach Mekka gesendet worden sei», um t"otkbei anhaltender Dürre um Regen anzuflehen. Gottes Zorn vernichtete aber denganzen Stamm Ad, und nur L., der einzige Fromme, blieb übrig, worauf der Herrder Welt ihni freistellte, zu wählen, entweder so lange zu leben, als der in einer un-ersieiglichen Gebirgshöble liegende Dung von sieben Gazelle» dauern würde, oderso lange, als sieben aufeinanderfolgende Geier lebten. L. nahm das Letztere an undwandelte undenkliche Jahre auf Erden. Im Koran ist gleichfalls dic R.de von einemLokmann. der den Beinamen „der Weise" erhielt, zuweilen aber auch AbwAnam(d. i. Vater des Anam) genannt wird. Dieser (ob mit dem vorigen identisch? stehtdahin) soll zur Zeit David's gelebt haben, und die Sage schildert ihn in vielen Zü-gen dem Phrygier Äsop ähnlich, wie denn auch die Araber eine Menge Fabeln vonihm haben, die offenbar Nachahmungen der dem Äsop beigeschriebenen sind undihrem Styl und ihrer Einkleidung nach hinreichend beweisen, daß man ibre Ent-stehung nicht einmal bis in das 1. Jahrh. derHegira zurückführen kann. Auch die-ser L. soll sich einer ungemeincn Lebensdauer (nach Einigen von 300, nach A. von1000 I.) zu erfreuen gehabt haben, welche Übereinstimmung in der Erzählung ver-muthen läßt, daß der im Koran erwähnte und der der Sage nach vcm >Ltamn«Adentsprossene eigentlich nur Eine Person waren, deren Geschichte durch Tradition imLause der Zeiten so fabelhaft ausgeschmückt wurde. Durch Erpenius wurden diedem L. zugeschriebenen Fabeln zum ersten Male in Europa durch den Druck bekannt(1615). Sie erschienen arabisch mit einer latein. Übersetz., wurden später der inLeyden herausgek. arab. Grammatik des Erpenius beigefügt und sind seitdem inMehrfachen Aufl. verbreitet worden, von denen jedoch keine ohneTeplunrichtigkeitenist. Bei den Orientalen stehen diese Fabeln, ihrer schmucklosen Einkleidung und fastlakonischen Kürze wegen, in geringem Ansehen, wie sie denn überhaupt im Ganzendas Aufsehen nur wenig verdienen, welches sie eine Zeit lang bei uns machten. 1799besorgte Marcel während der franz. Occupalion von Ägypten eine Ausg. der „! -r1>-Ie-> <I>! I.»b,naun" in Kairo, welche 1803 in Paris neu aufgelegt wurde; die besteist aber die 1818 von Caussin zuni Gebrauche der Eleven des ver-

anstaltete. Die Angaben des Herausgebers der Galland sehen Übersetz, des „Ho-mayoun-Nanieh" oder der „Fabeln des Bidpai" ist aber insoweit falsch, als e,-diese indischen Fabeln auf den» Titel neben Bidpai auch Lokmann zuschreibt. Dievollständigste Handschrift der Lokmann'schen Fabeln (in persischer Sprache) befindetsich in der Bibliothek des Vaticans. Eine frühere prosaische teutsche Übersetz, fin-det sich am Ende des durch Adam OleariuS als Anhang zu seiner Reisebcschreibungherausgeg. „Persianischen RosenthalS". Schaller hat eine neue geliefert (1826).

Lokris , eine Landschaft MiitelgriechenlandS. deren Einw., dieLokrier,zu den ältesten griechischen Völkerschaften gehören. Man unterschied 4 Stämme?die epiknemidischen, opuntischen, ozolckchen und epizephyrischen Lokrier. Die letz-ter» waren eine Colonie von den ozolischen Lokriern und wohnten in Unket Italien .Von ihrer Hauptstadt Lokri, einer der mächtigsten, glänzendsten und reichstenStädte des alten Großgriechenlands, sind jetzt nur wenige Reste vorhanden.

Lollharden, s. Beg u i n e n und B rü dersch afte n.

Lolli (Antonio), ein berühmter Geiger, geb. 1728, nach A. 1740, zuBergamo oder Venedig , war von 1762 — 73 Concertmeister des H- rz. von Wür-tcmberg und ging hierauf nach Rußland, wo sein Spiel der Kaiserin Katharina I I. dergestalt gefiel, daß sie ihm einen Bogen schenkte, auf welchen sie mir eigner Handgeschrieben hatte: „Dieser Bogen, von KatharinenS Hand verfertigt, ist für denunvergleichlichen Lolli bestimmt". 1775 machte er eine Reise nach England, Frank-reich und «panien, auf welcher er in Madrid für jedes Concert, außer andern be-schenken, 2000 Realen (etwa 1 5Thlr.) vom Theaterunternehmer erhalten haben

41 '