128 Margarethe von Parma Maria (Mutter Jesu)
empfand den tiefsten Schmerz bei der Nachricht von dem Tode ihres Gemahls undder Gesangennehmung des Königs. Aus Liebe zu Letztem» begab sie sich nach Ma-drid , um >h» wahrend seiner Krankheit zu pflegen, und trug durch ihre Borstellun-gen dazu bei» daß ihm mit der seinem Range gebührenden Hochachtung begegnetwurde. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich bezeigte ihr Franz seine Dankbar-keit auf das freigebigste, und bewilligte ihr große Vortheile, als sie sich mit Henrid'Albret, König von Navarra , vermählte. Zeanne d'Albret, die Mutter Hein-richs IV., war die Frucht dieser glücklichen Ehe. Ihre Maßregeln auf dem Thronewaren eines großen Fürsten würdig. Sie hob den Ackerbau, ermunterte die Künste,beschützte die Gelehrten, verschönerte und befestigte die Städte. Aus Begierde,sich von Allem zu unterrichten, lieh sie auch protestantischen Theologen Gehör undmachte sich mit ihren Grundsätzen bekannt. Sie legte dieselben 1533 in einer klei-nen Schrift: „Küoi, ,Ie l'ame pfelie,esse" beutelt, nieder, welche von der Sor-bonne verurtheilt wurde. Diese Strenge flößte ihr nur mehr Theilnahme für dieKetzer ein, welche sie als Unglückliche und Verfolgte betrachtete. Sie wandte ihrganzes Ansehen an, um sie der Strenge der Gesetze zu entziehen. Auf ihre Em-pfehlung schrieb Franz I. zu Gunsten niehrer ihrer ReligionsMeinungen wegen ver-folgter Gelehrten an das Parlament. Doch kehrte sie gegen das Ente ihres Lebenszur kathol. Religion zurück. Sie starb 1549 auf dem Schlosse Odos in Bigörre.M. verband einen männlichen Geist mit theilnehmender Güte und umfassendeKenntniß mit aller Anmuth ihres Geschlechts. Sie war sanft ohne Schwäche,prachtliebend ohne Eitelkeit, den Geschäften wie dem geselligen Vergnügen freund,ohne eins über dem andern zu vernachlässigen, gegen Franz/, eine ebenso zärtlicheSchwester, als ihn, unterwürfig und ergeben. Sie liebte die Künste und schriebmit Leichtigkeit in Versen und in Prosa. Ihre Poesien und ihre Schönheit erwar-ben ihr den Namen der zehnten Muse und der vierten Grazie. Sie hat hinterlas-sen: 1) „Ilcpl.imero», o» les »nnvelles ,1c I-, reine <Ie d-.-v^nc", Erzählungenim Geschmack des Boccaz, deren Freiheit mit der damaligen Sitte übereinstimmteund keineswegs zu falschen Schlüssen auf den Charakter der Verfasserin verleitendarf; 2) „I.es äl-NAueriles <Ie la älai'Anerlte ckes prineesses", gesammelt vonihrem Kammerdiener- Jean te la Haye. Man findet in dieser Sammlung 4 re-ligiöse Komödien und 2 Farcen, Nicht ohne Naivetät.
Margarethe vonParm a, HalbschwesterPhilippSll., Oberstatt-halterin in den Niederlanden , von 1559 bis Sept. 1561. (S. Granvella.)
Marggrüf (Andreas Sigismund ), ein berühmter Chemiker, geb, den 3.März 1709 in Berlin . Sein Vater war Hvfapotheker. Er studirte Chemie 5 I.in Strasburg, Halle und in Freiberg. 1735 kam er nach Berlin zurück, ward1738 Mitglied der dortigen Gesellschaft der Wissenschaften, und 1744, bei derStiftung der königl. Akademie der Wissenschaften, in die Classe der Experimental-physik aufgenommen, deren Director er 1760 ward, nachdem ihm schon 6 Jahrevorher das Laboratorium anvertraut worden war. Auch die Akademien zu Paris und Erfurt nahmen ihn zum Mitglied« auf. Er starb den 7. Aug. 1782. Diechemische Untersuchung der Metalle verdankt ihm viele Fortschritte. Er ist derErste, der eine vollständige Analyse der harten Steine geliefert hat; auch hat er zurEinführung einer einfachen, klaren, von allem System-und Hypothesengeiste freienMethode in den chemischen Arbeiten beigetragen. Nachdem er lange die Platinabearbeitet, bereicherte er die Mineralogie mit höchst wichtigen Entdeckungen, u.a.des Braunsteins. Seine chemischen Schriften befinden sich in den Memoiren derberliner Akademie.
Maria- die Mutter Jesu, ist der kathol. Kirche die erste der Heiligen.Rücksichtlich ihrer Verehrung vgl. Heilige (nach kathol. Ansicht). Da sie jeneJungfrau ist» welch« die Gottheit würdigte- vom heil. Geiste den Sohn Gottes zü