213
Mozarin
dem König und ihrem Minister, welchen das Parlament als einen Störer der öf-feierlichen Ruhe ächtete, nach St.-Mermain zu flüchten. Spanien nahm Theil anden Unruhe», und der Erzherzog, Muuverneur der Niederlande , versammelteTruppen. Dies bewog die Königin, welche den Krieg weder fuhren konnte nochmochte, sich 1619 mir dem Parlamente zu vergleichen. Das Parlament behieltdie Freiheit, sich zu versammeln, die man ihm hatte nehmen, unk dei Hof seinenMinister, deu Volk und Parlament halten stürze» wollen. Allein der PrinzCondt-, dem der Staat diese Aussöhnung verdankte, zeigte allen Parteien wenigMäßigung. M. wurde von ihm lächerlich gemacht, die Königin mit Trotz behan-delt, und die Regierung verhöhnt. M., gezwungen undankbar zu sein, bewog da-her die Konigi», ihn nebst seinem Bruder, dem Prinzen Conti und dein Herzogvon Longueville verhaften zu lassen. Allein das Parlament erließ 1651 einenBeschluß, der M. aus dein Reiche verbannte und den Hof nöthigte, die Prinzenfreizugeben. Sie zogen wie im Triumph in Paris ein, während der Cardinalerst »ach Lütkicb, dann nach Köln flüchtete. Aber selbst von dort aus regierte dieserMunster den Hof und Frankreich . Schon im Febr. 1652 rief der nunmehrvolljährige König M. zurück, der, wie Voltaire sagt, jetzt nach Frankreich kam,».weniger wie ein Münster, der seinen Posten wieder einnahm, als wie ein Herr-scher, der sich wieder in Besitz seiner S taaten setzte". Er wurde von einem kleinenHeere von 1»s>0 M., das er auf eigne Kosten, d. h. mit deni Melde des Staats,das er sich zugeeignet, ausgestellt hatte, begleitet. Auf die erste Nachricht seinerRückkehr kob Maston d'DrleanS, Ludwigs >111. Bruder, der die Entfernungdes Cai dnials verlangt hatte, Truppen in Paris aus, und das Parlament er-neuerte seine Beschlüsse, verbannte M. und setzte einen Preis auf seinen Kopf.Zugleich setzte sich der Prinz Condst, mit den Spaniern im Bunde, in Marschgegen den König, dessen Heer Turenne befehligte, der die Spanier verlassenhatte. Mehre kleine Schlachten wurden ohne Entscheidung geliefert; der Kriegruhte und begann zu verschiedenen Malen. Der Cardinal sah sich genöthigt, aufsNeue den Hof zu verlassen, und begab sich nach Scdan 1652, worauf der Königvon Paris wieder Besitz nahm. Dieser hakte nämlich, um die Ruhe herzustel-len, eine Erklärung erlassen, in welcher er seinen Munster verabschiedete, indemer seine Dienste rühmte und seine Verbannung bedauerte. Als aber die Ruheznrückgekebrr war, rief ihn auch der Konig im Febr. 1653 nach Paris zurück.Ludwig >IV. „ahm ihn wie einen Vater, das Volk wie einen Herrn auf. DiePrinzen, die Mesandten und das Parlament eilten ihm aufzuwarten. Daraufwurden die Unruhen in den Provinzen ganz gedämpft, undCond,', der sich in diespanischen Niederlande geflüchtet hatte, des Verbrechens der beleidigten Majestätschuldig erklärt. Nun setzte M. den Krieg gegen Spanien »in verdoppelter An-strengung fort und verband sich dazu mit Cromwell 1656. Dadurch bewirkteer für Frankreich einen rühmlichen Frieden. Er unterhandelte ihn selbst 1659auf der Fasaneninsel mit dem spanischen Minister Haro. Diesem (pyrenäischen)Friede» folgte die Vermählung des Königs mit der Infamst,. Beide Verhand-lungen machten M.'s Politik die größte Ehre. Jetzt war er mächtiger als je;er trat mit königl. Pomp auf; außer seine» Trabanten folgte ihm eine Compagnieder Musketiergarde. Dagegen verlor die Königin Mutter ihr Ansehen. Übri-gens that M. in dieser Zeit der Ruhe nichts für Rechtspflege, Handel, See-macht und Finanzen. Die 8 Jahre seiner unheschränkten Herrschaft bezeichnetnicht eine einzige rühmliche Anstalt. Das sluliegi-<Ie-i gualro „i.ti,>,i5 war eineVerfügung seines Testaments. Die Finanzen verwaltete er wie der Intendanteines verschuldeten Herrn. Er häufte mehr als 200 Millionen auf, wobei er oftMittel gebrauchte, die eines ehrlichen Mannes unwürdig sind. Nach Flassa» halteer 1,800,000 Livres Einkünfte und ein Vermöge» von 22 Mist. (nach Heu