Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Menschheit

meine Menschennatur sich in eintelncn Wesen dieser (Gattung neigt. Dieses ist esoder, was man eigentlich unter Menschenkenntnis versieht. Aus dem, was hier-über unter d. Art. Charakter gesagt worden ist, geht hervor, das man, umdie Verschiedenheiten unter den Mensckcn genau zu erkennen und richtig tu beur-theilen, stets Rücksicht nehmen muffe auf Naturell, Temperament, Geiü, Her),Gemüth, Besinnung und Charakter, Zn allen diesen zeigen sich die größtenMannigfaltigkeiten, hervoi gebrecht durch Verschiedenheit des Alters, des (Ge-schlechts, des Standes, der Lebensart und des Klimas. Die Schriften über An-thropologie und Psrchologie lehren aber nur theoretische Menschenkenntnis, dieman jedoch nicht für überffussig halten darf; denn sie gibt Bestimmtheit, Sicher-heit. Richtigkeit, Genauigkeit. Bill Ivan ncchher den Blick fürs Praktischeschärfen, so gehe nian zu den Dichtern, vornehmlich den dramatischen, zu den (Ge-schichtschreibern, den Biographen und guten Charakteristlkern in die Schule.Durch sie wird unsere Kenntniß lebendiger, anschaulicher und zur Anwendung vor-bereitet. Zndeß können auch sie die eigne Beobachtung nicht entbehrlich machen,ohne welche selbst Knigge'sUmgang mit Menschen" kaum einigen Nutzen ver-heißt. Wo es aber daraufankou mt, zu wjffen , was man von Diesem oder Je-nem zu erwarten, und wie man ihn tu behandeln habe, da bleibt des BeobachtersHaUptrücksichk stets die Neigung des Menschen. Hier ist die meiste Schwierigkeit;den Mann von Charakter erkennt man jedoch bald, wenn richt etwa Umständeseine Klugheit nöthigen, einen andern als den geraden Weg einzuschlagen. Werdurch anhaltende, vielgeubte, scharfe Beobachtung sich eine Fertigkeit ei n erben bat,Menschen in ihrer Eigenthümlichkeit zu erkennen und zu beurtheilen, fast mochteman sage», sie zu errathen, der ist der echte, praktische Menschenkenner; solcheMenschenkenntnis ist aber nur die Flucht der Erfahrung, die oft schweres Lehrgeldkostet. Vgl. Ii. Salat'sLehi b. der hoher» Seelcnkunde, oder psrchffche Anthro-pologie" (2. Aust., München Id26).

M e n s ch h e i t. Mit diesem Ausdrucke bezeichnet man 1) das menschliche(Geschlecht, oder die menschliche (Faltung in ihrer Gesammtheit, und 2) die n ersch-liche Natur in ihrer Eigenthümlichkeit, und alles Das, was man in dem vieldeuti-gen, wenig bestimmten Worte Humanität zu befassen suchte. Für dieses letztehat man Menschenthum, Menschenihumlichkeit vorgeschlagen (wie Christenthum,Königthum, Volksihum u. a.), um damit die der menschlichen Natur durch diehoher» Anlagen ihres (Feistes, die sittliche Freiheit und verfeinerte EmpfindungS-sähigkeir verliehene Würde, Rechte und Pflichten, kurz, die Eigenschaften, welcheden Vorzug des Menschen ausmachen, Und die aus seiner Natur hervorgehendeBestimmung, oder das Zdeal der Menschheit zu bezeichnen. Da indeß der Aus-druck Menschheit auch für diese Bekeuiung gebräuchlicher ist, so muß man jederzeitaus Inhalt oder Zusammenhang sehen, um zu erfahren, in welchem Sinne dieAusdrucke Menschheit und Humanität gebraucht worden sink. Nirgends ist dieseVieldeutigkeit und Unbestimmtheit auffallender, als wenn von Geschickte derMenschheir geredet wird, von welcher es fast so viele verschiedene Vorstellungengibt, als Verschiedene dieselbe behandelt haben. Meiner? suchte zuerst Begriff,Zuhält und (Kreuzen derselben zu bestimmen, und erklärte sie für eine Wissen-schaft, in welcher, nach einleitenden Betrachtungen über den gegenwärtigen undvormaligen Zustand der Erde und über die ältesten Wohnsitze der Menschen, dieallmälige Verbreitung derselben über alle Theile der Erde, sammt den ursprüng-lichen Verschiedenheiten der Volker in der Bildung des Körpers, der Anlagen desGeisies und Herzens auseinandergesetzt, und dann die verschiedenen (Wade derBildung, die Nahrungsmittel und Gnnmke, Wohnungen und Kleidungen, Putzund merkwürdige Gewohnheiten, Erziehung der Kinder und Behandlung derWeiber, Regierungsformen und Gesetze, Sitten und Begriffe von WohlstandEonvets-uiomFerieoii. Bd. > II, ! 9