Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
288
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2.8

Mcnschcndarsteklung Menschenkenntniß

Eben daher soll diese Kunst, mit Kindern welches Standes und welcher künftigenBestimmung sie eS auch zu thun habe, durch Zucht, Gewöhnung und Unterricht,wie durch lebendiges Beispiel auf Entwickelung des Reinmenscklichen hinarbeiten,und was Dem widerstrebt, so viel sie vermag, abwehren und unschädlich machen,um, indem sie dem Staate Bürger und den mannigfaltige» Verhältnissen desthätigen Lebens treue Arbeiter ergeht, der Menschheit die hulfreiche» Bruder, de-ren sie bedarf, lind dem Himmel gottähnliche Seelen nicht zu entstehen, Ü.

M e n s ch e ndarstellung, im weiter» Sinne die Kunst des Historikersund des Dichters (s. (beschichte und Charakter); im engern bezeichnetzuerst Iffland damit die Kunst des Schauspielers, weil er damit zugleich einer zuwenig geachteten Kunst neue Würde zu ertheilen hoffte.Die Vorstellung desMenschen", sagt dieser denkende Künstler, und versteht darunter die gewöhnlicheRepräsentation der Schauspieler,betrifft mehr dessen Äußeres, ist beinahe Ma-nier, kann durch conventionnclle Regeln erlernt und fertig geübt werten; mithinist sie dem Handwerk zuzugesellen, und Die es treiben, mochten Schauspieler seinund heißen. Die Darstellung des Menschen, betrifft das Innere desselben, denGang der Leidenschaften,, die hohe, einfache, starke Wahrheit im Ausdruck, dielebendige Erzeugung der Übergänge, welche in der Seele wechseln und allmäligzum Ziele fuhren. Das ist die Kunst, einp -Lache, kein Spiel, und muß also auchnicht so genannt werten." Da nun eine solche Veräußerung des Innern sichzeigt durch Sprache in der Declamation, durch Ausdruck des Gesichts in derMimik und durch entsprechendes Halten und Tragen des Körpers in der Ac-tiv?! und Gesikcnkatlon, so sehe man darüber diese Artikel. Nl.

Menschenk e n n t n i ß. Lobald wir zum deutlichen Bewußtsein unsersDaseins und Wirkens erwachen, gibt cS keine Fragen von höherer Wichtigkeitfür uns als die: Was bin ich? Wozu bin ich da? Was wird aus mir? Wersich nie diese Fragen mit Lorgsamkeit zu beantworten versucht hat, der hat »ochNicht in der Welt als Mensch gelebt, und kann sich nicht rühmen, je der WeisheitStimme vernommen zu haben; denn er ermangelt gänzlich jenes reinen Interesse,das den forschenden Meist in die Arme der Weisheit führt, die man mit Recht alsdas Licht und die Fahrerin des Lebens preist. Wer also ihrer entbehrt, wandelt imDunkeln und muß die Zügel des Lebens der blindwaltenden Neigung anvertrauen.Als ein Fremdling verläßt er endlich eine Welt, in der er selbst sich fremd gebliebenist. Der Mensch aber lebt hier auch unter Mensche» und mir Menschen; er sollwirken auf sie und sie wirken aus ihn; beide machen Ansprüche aus einander, ihreAnsprüche durchkreuzen sich, und eS entsteht Gegenwirkung: wie soll er sich Ver-balten? Don der richtigen Beantwortung dieser Frage hängt nur allzu oft Gluck ,Ruhe und Zufriedenheit unsers Lebens, Gelingen oder Mitsingen unserer Plane,Erreichung oder Verfehlung unserer Zwecke ab. Der Zauberstab, durch den diegroßen Männer jedes Zeitalters die Herzen von Tausenden lenkten, sie aus ihrenWink zur Freute oder zum Kummer, zu rascher That oder Unterlassung summten,heißtMenschenkenntnis;. Wo man diese erlerne, ist demnach eine sehr ange-legentliche Frage. Nicht mir Unrecht weiset man Den, der sich für das Leben bil-den und von den Vorschriften der Philosophie einen zweckmäßigen Gebrauch zumachen lernen will, an die Geschichte. Muß man aber dann nicht nothwendigeinen Maßstab haben, an welchen man die Personen der Geschichte lind ihieHand-lungen und alle die einzelnen Falle, die hier vorkomme», halte? Diesen Maßstab,den die Geschichte nicht selbst geben kau», erhält man durch die Anthropologie(s. d. und Psychologie). Sie gibt u»S 1) die Charakteristik der Menschen-natur im Allgemeinen, und 2) nach ihren besondern Richtungen in einzelnenMenschenclassen. In jener erlangt man also Kenntniß des Menschen; diese fuhrtzur Kenntniß der Menschen, d.i. der Richtung und Beschaffenheit, wie die allge-