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Miller
der Große so wahr sagt, die Einbildungskraft und gewährt einen Dorrath vonJde.n, nicht zu gedenken, welchen Eindruck sie auf empfängliche, ehrliebendeGemüther machen n»iß. (Unsere Literatur ist an guien kriegsgeschichtlichen Wer-ke» für das Studium noch arin.) So weit Das, was der Soldat lernen kann;wenn aber der Feldherr auch alle diese Kenntnisse nicht füglich entbehren kann, sowird er doch durch sie noch lange nicht, was er sein soll; denn sein Beruf, die eigent-liche Kriegführung, die weder gelehrt noch gelernt werden kann, sondern ihreGrundlage in der Gemüthskraft und dem schnellen Urtheile hat, steht als Kunstso hoch über jenen Wissenschaften, als der Geist in Rasael's Werken über der Lehrevon der Perspcctive; aber sie unterscheidet sich dadurch so wesentlich von allen übri-gen Künsten, daß sie aufs äußerste durch die Zeitbedingt ist, daß bei ihr für dasGelingen nur Ein günstiger Augenblick besteht, in welchem sich Gedanke und Aus-führung vereinigen müssen, während allen übrigen Muße zu Versuchen bleibt,deren Mißlingen den Künstler nicht vernichtet. Uns scheint, als ob diese Kunst nurwenige ganz einfache Grundsätze ane, kennen könne, deren richtige Beurtheilungund Anwendung auf die verwickeltsten Fälle dann von der Geisteskraft des Feld-herrn, sowie das Gelingen seiner Plane immer mit vorn Glücke abhängt. HätteFriedrich der Große in der Nacht vor d-r Schlacht bei Liegnitz nicht aus der Fülleseines eignen großen Geistes schöpfen können, ihn hätten ganze Folianten voll Re-geln nicht von, Untergänge gerettet. Die neuern -Strategen, diese NachtretenBülow's, welche den Krieg auf dem Papiere nach Winkeln und Linien führen unddie Thatkraft des Genies mit 7 in Winkelmesser erschwingen wollen, zeige» dahernur, dak sie das Wesen des Kriegs niemals begriffen haben. Daß eine Lehre vomEntwerfen der Operationsplane, die sogenannte Kriegsdialekuk, nicht cxistirenkönne, geht wol aus dem Gesagten deutlich hervor.
Miller (Johann Martin), geb. zu Ulm d. 3. Dec. 1750, ging, von sei-nem Vater, der Prediger am Münster und Pros. der orientalischen Sprachen amGymnasium war, gut vorbereitet, 1770 nach Göttingen , um sich der Theologiezu widmen. Hier geborte er zu dem Dichrerbunde, den mit ihm Bürger, Voß,Hölty, Leisewitz , die Brüden Stolberg u. A. m. bildeten. Nachdem er kurze ZeitLeipzig besucht hatte, kehrte er 1775 nach Ulm zurück, ward Cauditat und Vicar der obern Classe des GvnuiasiumS, 1780 Pfarrer zu Jungt,igen bei Ulm und imfolg. I. Professor am Gvmnasium zu Ulm . 1797 erhielt er die Professur der ka-techctischen Theologie, nachdem er schon 1783 Prediger am Münster gewordenwar. 1804 ward er Consistorialraih in Ulm und 1809 Stadt- und Distriets-decan und erster Frühprediger an der Dreifaltigleiiskirche mit Beibehaltung jenesTitels, bis er 1810, da Ulm an Würtemberg fiel, wieder als Prediger ins Mün-ster kam. Der König von Würtemberg übertrug ihm 1810 das Decanat Ulmund ertheilte ihm den Charakter eines geistliche» Raths. Als solcher starb er zuUlm d. 21. Juni 1814. M. hat zugleich als Romanenschriftsteller, als Lieder-dichter und als Kanzelredner gewirkt. Seine Romane: „Beitrag zur Geschichteder Zärtlichkeit", „Briefwechsel dreier akademischen Freunde", und vor allen„Siegwart", zuerst gedr. 1776, haben ihn selbst im Auslande bekannkgemacht.Der unterscheidende Charakter seiner Romane ist tugendhafte Liebe, oft mit einemreligiösen Anstrich, die lauterste Moral, einfache Darstellung und ein leichter, na-türlicher Styl. Die Vorwürfe, die man ihnen macht, sind eine ungehörigeWortfülle, einseitige Weltersahrung, flache Charakterschilderung, Einförmigkeitin den Beschreibungen, besonders aber schwärmerische, weichliche, weinerliche,zuweilen andächtelnde Empfindsamkeit bei einer gewissen matten Traurigkeit. In-dessen sind diese Fehler nicht hinderlich gewesen, ihnen zu ihrer Zeit bei der Lese-welt Eingang und Bewunderung zu verschaffen. „Siegwart" insonderheit hat inder Denk - und Empfindungsweise eines großen Theils unsrer Nation, am meisten