Band 
Siebenter Band. M bis N.
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535
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Morih (Graf v. Sachsen ) 535

tolerantgesinnten Könige Ferdinand von Ungarn und Böhmen , dessen Bruder,dem Kaiser Karl V. , nicht mißfällig machen wollte, oder weil er vorauosah, daßdie schlechte Organisation jenes Bundes den Fall desselben nach sich ziehen würde.1516 schloß er sich durch ein geheimes Bündniß »aber an den Kaiser an; dahermußte er auf dessen Befehl die Acht gegen den Kurfürsten Johann Friedrich vonSachsen (ernestinischer Linie), der zugleich mit M.> Schwiegervater des Bun-desheereS Anführer war, vollziehen und sich der Lander desselben bemächtigen.Hierauf ertheilte ihm der Kaiser, in Folge der wittenberger Eapitulation (vgl.Muhlberg), 15-18 auf dem Reichstage zu Auasburg die sächsische Kurwürdeluid belehnte ihn mit dem größten Theile der Erbländer des abgesetzten und gefan-genen Kurf. Ioh. Friedrich. Nun glaubte Karl V. seinen Plan, die Rechte lindFreiheiten der deutschen Fürsten zu vernichten und sich zum unumschränkten Be-herrscher Deutschlands zu machen, sicher verfolgen zu können; aber wie künstlich erauch unter dem Scheine, die Katholiken zu beschützen, nur für sich handelte: soer-kannte der in den krummen (Zangen der Politik wohlerfahrene M. doch bald genugdas eigentliche Ziel des herrschsüchligen Kaisers. Da er einsah, daß ihin nur Mitoffener Gewalt zu widerstehen sei, so betrieb er seine Rüstungen 1550 unter demScheine, die ihm vom Kaiser übertragene Vollziehung der Reichsacht gegen dieStadt Magdeburg auszuführen, schloß mir König Heinrich II. von Frankreich undeinigen deutschen Fürsten 1551 geheime Bündnisse, und wußte seine Maßregelnso geschickt zu nehmen, daß er Karln, der zu Innsbruck am Podagra daniederlag,fast gefangen genommen hätte (1552). Als RechtferiigungSgrund dieser unerwar-kecen Fehde führte M. an, daß der Kaiser gegen sein feierliches Versprechen denLandgrafen Philipp v. Hessen (M.'s Schwiegervater) immer noch gefangen halte.Den Kaiser gab sogleich die gefangenen Fürsten frei und ließ durch seinen BruderFerdinand Vorschläae zur Aussöhnung thun. In Folge dieser Verhandlungenkam der berühmte Vertrag zu Passau am 31. Juli 1552 zu Stande. M., dersich dadurch mit den Protestanten ausgesöhnt hatte, glaubte nun auch dein Kaisereinen Beweis seiner Anhänglichkeit geben zu müssen, und wohnte noch in tems. I.einem Zuge gegen die Türken bei. Da aber nichts ausgerichtet wurde, ging er nachSachsen zurück. Bald darauf schlug er bei Sievershausen, am 9. Juli 1553,den Markgrafen Albrecht «. Brandenburg-Kulmbach , welcher den Vertrag vonPassau nicht anerkannte und den Krieg aus Raubsucht fortsetzte: allein er starb am11. Juli an der in dieser Schlacht erhaltenen Wunde. Kurfürst M. besaß, außerjener Klugheit, vermöge welcher er schlau die Umstände zu benutzen wußte, großeRegenten- und Feldherr,italente, die ihn zu einem der ersten deutschen Fürsteilmachen. Ungeachtet seiner kurzen Regierung verdankt ihm Sachsen viele nützlicheEinrichtungen. Um die Wissenschaften erwarb er sich hohe Verdienste durch dieStiftung der Fürstenschulen und mancher nützlichen Institute der leipzigerUniversität. Ihm folgte sein Bruder August.

Moritz, Graf v. Sachsen , bekannt u. d. N. des Marsch alls von Sach-se n. Dieser groke Feldherr war der natürliche Sohn des K. August I l. von Po-len und der Gräfin Aurora Maria v. KönigSmark, die ihn 1696 d. 15. Oct. aufeinem Dorfe unweit Magdeburg gebar. Er zeigte früh einen feurigen Geist undeine ungewöhnliche, von seinem Vater geerbte Stärke. 1111 ertheilte ihm Au-gust II. als Reichsvicar den Titel eines Grafen V. Sachsen und machte ihn balddarauf zum Obersten über ein »euerrichtetes Kürassierregiment. Die ersten Waf-fen trug er in Flandern unter Eugen und Marlborough . Er war 1109 Zeuge derEinnahme von Liste und zeichnete sich sowol bei den Belagerungen von Tournavund Mons als in der Schlacht bei Malplaquet aus. Öffentliches Lob von Eugenund Marlborough erwarb er sich in dem Feldzuge von 1110. Das Jahr daraufbelagerte der König von Polen Strslsund; der junge Graf setzte hier im Angesichts