543
MoruS (Samuel Friedrich Nathanacl)
zu bewegen war, den Suprematseid, den der König von allen s. Unterthanen fe-derte, zu leisten. Als Güte nichts über ihn vermochte, gebrauchte man Gewalt.Man setzte ihn ins Gefängniß: man beraubte ihn s. Bücher, seines einzigen Tro-stes. Weder s. Freunde noch s. Gattin vermochrcn ihn gegen s. Überzeugung zu derEidesleistung zu bewegen. Sein ToteSunbeil ward ausgesprochen. Am Vorabendder Vollziehung schrieb er an s. Tochter Margaretba einen Brief, worin sich seinechristliche Fassung auf das deutlichste aussprichr. Denselben Gleiebmuih zeigte er,als er am 6. Zuli 1535 das Blutgerüst bestieg. Er hinterließ folgende Werke:1) „lAnpia", worin er sein Ideal einer Republik aufstellt; 2) die „(beschichteRichards lll. und Eduards V."; 3) eine latein. Übers. dreier Dialogen Lucian's;4) eine sehr heftige Schrift gegen Luther u. d. N. Thomas Rosseup; 5) einenDialog: „()»e>ci >NNI5 liste stigioickii IINII 6) Bliese und Epigramme.EraSmuS, ein vertrauter Freund von M., entwirft in einem Briese an Hüttenein ausführliches und treues (Gemälde von ihm. Hans Holbein der Jüngere, denThomas M. in s. Dienste nahm, hat sein Portrait mehrmals gemalt. «. „Tho-mas Morus. ?lus d. Quellen bearb. v. I>.G. Tbom.Rudhart" (Nürnb. 1829).
MoruS (Samuel Friedrich Nachanael), ein ausgezeichneter Theolog, geb.den 39. Nov. 1136 zu Lauban in der Oberlausitz , erbtest aus der dortigen Stadt-schule seine erste wissenschaftliche Bildung und bezog 1151 die Universität zu Leip-zig . Nachdem er seine Studien vollendet hatte, kam er als Hauslehrer zu demPros. Ludwig in Leipzig . 1169 ward er Magister und las ein Jahr später, nachidem er seine Schrift: „Über die Verwandtschaft der Geschichte und Beredtsamkeitmit der Dichtkunst", öffentlich vertheidigt hatte, Collegia über griech. und latein.Schriftsteller. Bald erwarben ihm seine vorzüglichen Kenntnisse und die Schrif-ten, die er herausgab, allgemeine Achtung. 1168 erhielt er eine außerordentlichePhilosoph. Professur, 1111 ward er ordentl. Pros. der griech. und lat. Spracheund 1180 EphoruS der kurfürstl. Stipendiaten zu Leipzig . Zu allen diesen Äm-tern setzte er sein eignes Studium mit unermüdlichem Eifer fort und war mehr alshinreichend vorbereitet, 1182, beim Tode Einest,'s, eine Lehrstelle der Theologiezu übernehmen, worauf er 1185 in die dritte, 1186 in die zweite theologische Pro-fessur einrückte und mehre akademische Würden erhielt, auch 1181 Beisitzer imleipziger Consistorium wurde. Es ist scbwer, die einzelnen Eigenschaften eines sogeistig ausgebildeten und in seinen Verhältnissen als Mensch und Gelehrter so aus-gezeichneten Mannes in der Betrachtung zu sondern. Denn eben darin bestandsein Hauptvorzug, daß Alles in ihm zu einem schönen moralischen Ganzen verbun-den war. Seine gründlichen Kenntnisse in den philosophischen und theologischenWissenschaften waren nicht leicht erworben, noch weniger durch ein ausgezeichnetglückliches Talent aufgefaßt, sondern die Frucht eines langen Fleistes und einesplanmäßigen Studiums. Es lag in seiner geistigen Anlage das Vermögen unddie Neigung, sich durch gründliches Wissen, sorgfältige Untersuchung und vorsich-tige Prüfung ein Verdienst um die Wissenschaften zu erwerben, nicht aber durchAufstellung neuer und kühner Gesichtspunkte oder durch lebhafte Vertheidigunggewagter Meinungen sich auszuzeichnen. Dies Urtheil wird bestätigt theils durchdie Wahl der Schriftsteller, die er zur Auslegung wählte, wie des Kaisers AnwninBetrachtungen, Longin über das Erhabene, Plutarch über den Unterschied zwi-schen einem Freund und Schmeichler, theils durch seine Bearbeitung einiger Clas-siker und durch einige in die Philosophie und Ästhetik einschlagende Aufsätze, beson-ders seinen „l-il>e!!m siiimoilverstviiur» sck l.nnpstnum", 1113, bei welchem sicheine Abhandlung über den verschiedenen Begriff des Erhabenen findet, ferner seineAufsätze in der „Bibliothek der schönen Wissenschaften" und unter diesen die bereitsangeführte „I)>65ei tastn cke cnAuostniic liisitoriac et elogneiiliae curn pioeüi".
Unter seinen übrigen Schriften wird besonders seine übers. des Briefes an die He-