Band 
Siebenter Band. M bis N.
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552 Moser (Johann Jakob — Friedrich Karl von)

dustrie, zugestanden ist, und selbst der erlaubte Durchgang einer Menge Formali-täten und Belästigungen unterworfen bleibt, kann Geteau's Projert nicht zurAusführung kommen. Es würde für Frankreich ganz allein Vortheilhaft sein.Die Regierungen andrer Staaten, vorzüglich der deutschen , müssen daher vielmehrdie Franzosen in die Nothwendigkeit fetzen, ihre Waaren zu uns zu bringen, damitsie wenigstens Etwas von ihrem Gelde auf unserm Boden ausgeben. 73.

Moser (Johann Jakob), einer der fruchtbarsten Publicisten Deutschlands ,geb. zu Lriuktgarr 1701, besuchte das Gymnasium daselbst und bezog 1717 dieUniversität Tübingen , wo er 1720 Licentiat und noch in tems. Jahre außerordentl.Pros. derRechte wurde. Da er hier nicht Beifall fand, so ging er 1721 nachWien , nachdem ihm vorher, auf sein Ansuchen, der Charakter eines herzogl. wür-temberg. Regierungsraths ertheilt worden war. Zu Wien ward der ReichSvice-kanzler, Graf v. Schönborn , sein vorzüglicher Gönner. Da derselbe jedoch nichtsfür ihn wirken konnte, und M. nicht katholisch werden wollte, so kehrte er zwarin sein Vaterland zurück, verließ dasselbe aber bald wieder, weil man ihn für einenSpion des kais. Hofes ansah, und ging aufs Neue nach Wien . Eine nochmaligeReise nach Würtemberg überzeugte ihn, d«ß daselbst für ihn nichts zu hoffen sei;er wendete sich daher 1725 ganz nach Wien . Weil aber Las würlemb. Ministe-rium von s. Aufenthalte zu Wien nachtheilige Folgen für das Land besorgte , soward er schon 1720 als wirklicher RegierunzSrach nach Stuttgart berufen und1727 zum ordentlichen Pros. der Rechte bei dem sürstl. Collegium in Tübingen bestellt. Der Fleiß, welchen er hier auf s. Vorlesungen und Schriften wendete,zog ihm mancherlei Anfechtungen von Seiten s. Collegen zu, weßhalb er s. Stelleniederlegte. Er ward aber schon 1733 von dem neuen Herzoge, Karl Alexander ,wieder in s. vorige RcgierungSrathsstelle eingesetzt, welche er 1730 mit der einespreuß. Geheimeraths, Directors der Universität und Ordinarius derIuristensacul-tät zu Frankfurt a. d. O. vertauschte. Verschiedene Verdrießlichkeiten, besondersüber eine vom König angeordnete burleske Disputation, bewogen ihn, diese Ämter1739 niederzulegen. Er lebte nun 8 Jahre zu Ebersdorf im reußischen Voigt-lande sehr glücklich, bis ihn die Ausbreitung der Herrnhutischen Sekte an diesemOrte, welche ihn und s. Familie vom Abendmahl ausschlössen, auch von hier ver-trieb und ihn bewog, 1747 die von dem Landgrafen zu Hessen-Homburg ihni an-gebotene Stelle als Geheimerach und Chef der Kanzlei anzunehmen; allein wegendes Widerstandes, den er hier in der Ausführung seiner Kameral- und andernGrundsätze erfuhr, gab er auch diesen Platz wieder auf und lebte seit 1749 zuHanau , wo er für junge Leute eine Staats- und Kanzleiakademie anlegte, welcheihm seine Tage sehr angenehm machte, und von welcher ihn nur der Ruf, den er1751 als LandschastSconsulent in s. Vaterland erhielt, abzuziehen vermochte. Alsaber hier zwischen dem Herzog und den Landständen allerhand Irrungen und Strei-tigkeiten entstanden, und Moser, der die Sache der Landstände vertheidigte, für denVers. der wider den Herzog gerichteten Schriften gehalten wurde, so ließ ihn dieser1759 durch einen geheimen CabinetSsecrctair nach Lutwigsburg berufen und kün-digte ihm selbst den Festungsarrest an. Noch am selbigen Tage ward er unterscharfer Bewachung nach Hohentwiel gebracht und dort in sehr enger Haft gehal-ten, in welcher ihm außer der Bibel, einem Predigt- und Gesangbuchs wederBücher noch Schreibmaterialien zugestanden wurde». Seine Erzählung, wie ersich in dieser über 5 Jahre dauernden Lage die Zeit zu vertreiben suchte, ist sehranziehend. Ohne ein einziges Mal während seiner Gefangenschaft verhört wor-den zu sein, mußte er 1764 auf Befehl des Reichshofrakhs losgelassen werden.Er begab sich nun wieder nach Stuttgart , wo ihn der Herzog nicht nur für schuld-los erkannte, sondern auch als Landschaftsconsulenten wieder einsetzte, wiewol er alssolcher nachher wenig und seit 1770 gar keinen Antheil mehr an den Geschäften