5S2 Müller (Friedrich)
seines Geistes und Körpers zur Folge hatten. Ein wackerer Freund, der MalerKymli, rettete ihn damals, indemjer ihn theils durch, ländliche Freuden zerstreute,theils ihm durch leichtere Beschäftigungen mit der Ölmalerei Unterhaltung »er-,schaffte. M. malte zu seiner Zeit 3 Bildnisse nach der Natur, darunter sein eignes,und hatte den sür s. Kunst unschätzbaren Vortheil davon, die Eigenthümlichkeitender Ölmalerei praktisch kennen zu lernen. So gestärkt und an Kenntnissen berei-chert, kehrte er nach Paris zurück und stach für das „äluröo l',m»-W" die Venus(Volles und sür Robtllard eine Statue mit der Unterschrift: Ua'jeunt-58«. Beider lehtern erfand er eine höchst glückliche Manier, das Eigenthümliche des Mar-mors im Kupfer nachzuahmen und auszudrücken. 1805 malte und stach er dasBild des Kronprinzen, jetzt Königs von Würtemberg, fing den so berühmt gewor-denen Johannes nach Domenichino an und zeichnete die heil.Cäcilia nach demselbenMeister, die nachher s. Vater in Kupfer ausführte. 1806 ging er nach Stutt-gart zurück und beendigte s. herrlichen Johannes. 1808 ward ihm von dem Kunst-händler Rittner in Dresden der Antrag zu dem großen Werke gemacht, da« ihnbis an das Ende s. Lebens beschäftigte. Durchdrungen von der Größe dieser Un-ternehmung, beschloß er, ihr s. ganze Kraft, s. ganzes Talent zu widmen, zuvor aberdie Kunst aufs Neue an der Quelle selbst, in Italien , zu studiren. deinen Wegdahtn nahm er über Dresden und Wien . Die Zeichnung, welche er von der Ra-sael'schen Madonna aus Dresden erhalten hatte, genügte seinem geübten Augenickt; seine eignen Studien nach dem Urbilde bezeugen, wie er nicht nur die äußernUmrisse treu, sondern auch da« Eigne der ganzen malerischen Schöpfung im Geist«des Malers wiederzugeben strebte. Eingeweiht in alle Tiefen der Kunst kehrte er1800 aus Italien zurück und unternahm sogleich das wahrhaft unermeßliche Werk,das sein rastloser Fleiß bald sichtbar förderte. Manches liebliche Bild fertigte ernebenher und gleichsam zur Erholung, als die Bildnisse von Jacobs Schiller (nachDannecker'S kolossaler Büste) und Hebel (nach dem Leben), und ein noch größeresBlatt, Adam und Eva, nach einen« Rasael'schen Deckengemälde in den vaticani-schcn Logen. 1814 erhielt er einen Ruf an die Kunstakademie in Dresden , den erum so lieber annahm, als er dort im täglichen Anschauen des herrlichen Urbildess. große Kupftrplatte vollenden konnte und die Hoffnung hatte, durch Unterrichtauch Andern zu nützen. Leiter sollte seine Wirksamkeit nur von kurzer Dauer sein.Sein Lieblmgswcrk mit allen Vollkommenheiten auszustatten, erschöpfte er auchden leüien Funken von Geistes- und Körperkraft. Um so empfindlicher berührtenihn die äußern Verhältnisse. Mit Vollendung jenes Werks hörte auch für ihndie Möglichkeit zu arbeiten, ja zu leben aus. Eine gänzliche Verzehrung, in der er,fast ganz ohne Nahrung hinschmachtend, einem Träumenden, von dunkeln Phan-tasien Bewegten glich, löste seinen DrganieMuS auf. Er ward der Pflege einesberühmten Arztes auf dem Sonncnstem bei Pirna übergeben, und wirklich fingman an, einige Hoffnung der Genesung zu fassen, als er am 3. Mai 1816 ent-schlief. Sein Werk, von dem er keinen Abdruck sah, wird stets als ein Edelsteinin den Sammlungen der Liebhaber und Kenner glänzen und vielleicht nie übertrof-fen werden. Er hinterließ eine Frau, eine Nichte von Dannecker, mit der er sich1811 verheiraihet hatte, und 2 Kinder. Ein chronolog. Verzeichnis; sämmtl. vonihm in Kupfer gebrachten Werke, nebst einigen s. hinterlassenen Zeichnungen, s. im„Kunstblatt" zum lübinger „Morgenblatt", 181', Nr. 1, vgl. mit 1816, Nr.und „Morgenblatt", 1816, Nr. 190.
M uller (Friedrich), u. d. N. Maler Müller bekannt, zugleich Maler,Kupferstecher lind ein genialer Dichter, geb. 1146 zu Kreuznach, stand früher inherzozl. zweibrückischen Diensten und gab schon von s. 18. Jahre an mehre Samm-lungen radüler Blatter heraus (Thiere, Eompofitionen in niederländischem Ge-schmack, Hirtenscenen u. s. w.), die wegen ihrer eigenthümlichen Ideen und der