Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
595
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Müller (Wilhelm) 5!)5

Jünglings einige Zeit hindurch von einem LieblingSgegenstandezum andern schwankte.Hierdurch ward in ihm jenesGefühl von Unabhängigkeit erweckt und genährt, daseinen Grnntton in s. Dichte, leben ausmacht, und der Grund zu einer Vielseitigkeitdes wissenschaftlichen und künstlerischen Streben« gelegt, die wir in s. schriftstelleri-schen Thätigkeit wahrnebmen. Vor seichter Dielwifferei aber bewahrten ihn die seit1812 zu Berlin unter F. A. Wolfts Einstufte und unter der Leitung von Böckh,Bultmann,Rühs, Solcer und Uhden begonnenen philologischen und geschichtlichenStudien. Auch ihn rief im März 1813 der Befreiungskrieg alsFreiwilligen unterdie preusi. Fahnen, unter denen er den Schlachten bei Lätzen, Bautzen, Hainau undKulni beiwohnte. Später folgte er deni preuß. Heere nach den Niederlanden undkehrte 1811 nach Berlin zurück. Mit Eifer wurden hier die alten Studien wiederaufgenommen und neue, z. B. altdeutsche Sprache u. Literatur, daran geknüpft. —Als 1817 der preuß. Kammerherr, Baron v. Sack, sich zu einer Reise „ach Italien ,Griechenland und Ägypten anschickte, ward ihm M. als Reisegefährte vorgeschla-gen. Von der Akademie der Wissenschaften zu Berlin mit Empfehlungsschreiben andas griech. Volk und mit einer Instruktion zur Sammlung von Inschriften ver-sehen, trat er im Aug. tess. I. die Reise an und ging, noch einem 2 monatlichen, zu-meist der Erlernung der neugricch. Sprache gewidmeten Aufenthalte zu Wien , nachRom . Hier fand neben Kunst und Alterthum auch das römische Volksleben an ihmeinen aufmerksamen Beobachter; vieles auf Sprache und Mundarten Bezüglicheward aufgezeichnet, und ein Schaß von bis jetzt noch ungedruckten Volksliedern ge-sammelt. Leider löste sich schon hier die Verbindung mit Hrn. v. Sack auf, und dieReise nach Griechenland mußte unterbleiben. M. besuchte noch Neapel , verweiltespäter, zunächst um die ältere ital. Kunst zu studire», einige Monate zu Florenz undkehrte 1819 nach Berlin zurück. Von hier ward er zuni Lehrer der latein. undgriech. Sprache an die neuorganisirte Gelehrtenschule in Dessau berufen. Ale hier derregierende Herzog die Vereinigung der im Lande zerstreuten Büchersammlungen zuEiner Bibliothek verfugte, nahm M. als Gehülfe an der ersten Einrichtung Theilund ward, niit Beibehaltung eines Theils des GymnasialunterrichtS, zum Biblio-thekar ernannt. Unter s. schriftstellerischen Arbeiten nennen wir: „Rom, Römerund Römerinnen" (Berl. 1820, 2 Bde.), worin er ebenso die Schärfe s. Beobach-tung bethätigte, wie die kurz nachher (Dessau 1821; 2. Aust. 1826) erschienenen„Gedichte aus den hinterlässt Papieren eines reisenden Waldhornisten" (2 Bdchn.,1821) s. poetisches Talent außer Zweifel setzten. Es sind dies zr.m größten TheilLieder der Liebe und des geselligen Lebens, zum Theil zusammenhängende Lieder-reihen, bald heitern, bald wehmüthigen, oder, wie mehre Trinklieder, sarkastisch zür-nenden Klanges, meist alle im echten Volkstone und der musikalischen Bearbeitungwerth, die ihnen von guten Tonseßern geworden ist. Offenbart sich schon hier, inder Übertragung des subjectiven Gefühls auf den mannigfachen Stoff, der innereReichthum des Dichters, so tritt derselbe vielleicht noch mehr in den seit 1821 zuDessau und zu Leipzig in 5 Heften erschienenen „Liedern der Griechen" hervor, indenen er niit schöner Begeisterung das Erwachen eines unterdrückten Volks, s.Kämpfe und s. Siege feiert. Ihnen schließt sich s. Übersetz, der neugriech. Volks-lieder der Fauriel schen Sammlung an sLeipz. 1825, 2 Bde.). Zuletzt hat er in den„Lyrischen Spaziergänger," (Leipz. 1827) und in den Sinnsprüchen (in der „Zeit.f. d. eleg. Welt") sich als reichbegabten Dichter gezeigt. Innigkeit und Wahrheitder Empfindung, Frische der Lebensansicht, freie Beweglichkeit der Darstellung, einreger Natursinn, ein feuriges Gefühl für Recht und Völkerglück und dabei eine ein-fache, Melodische Sprache in vielumfassender Tonleiter, zugleich aber auch die Nei-gung, sich innerhalb der Grenzen gewisser Lieblingsstoffe möglichst lange zu bewegen,gehören zu den Eigenthümlichkeiten des Dichters. Im Gebiete der Kritik undLiterargeschichte verdanken ihm das „Llterar. Conversationsblatt", die „Hall. Lite-

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