594 Müller (Polcr Erasimis) Müller (Wilhelm)
30. April 1805 zur röm.-kathol. Kirche über und kehrte nach Polen zurück. Alsjetzt die Wendung der europ. Angelegenheiten einige Aussicht zu praktischer Wirk-,samkeit zeigte, ging er nach Dresden , wo er größtentheils im Umgänge von Gentz3 I. verlebte und 180k Vorlesungen über die deulsche Literatur, 1801 über die dra«malische Poesie, 1808 über die Idee der Schönheit und 1809 über das Ganze derStaatswissenschaften hielt. Sie find sämmtlich gedruckt; die lehren u. d. Titel:„Elemente der >LtaatSkunst". Sein Antheil an dem Kriege von 1809 trieb ihnnach Berlin . Don den preuß. Ministern, wie späterhin von Hardenb rg, mit Aus-zeichnung behandelt, wurde er dennoch nicht angestellt, und er bat außer s. Vor-lesungen über Friedrich II. während s. Aufenthalts daselbst in keiner öffentlichenBeziehung gestanden. Im Mai 1811 ging Adam M. nach Ostreich und lebte2 I., mit dem Wohlwollen des Erzherz. Maximilian v. Östreich-Este beehrt, indessen Hause den Wissenschaften. 1812 hielt er Vorlesungen über die Beredtsam-keit. Das 1.1813 berief ihn zur öffentlichen Wirksamkeit. Er wohnte als k. k. Lan-descommissair und tiroler Schützenmojor der Befreiung von Tirol bei. 1814 warder als Regierungsrath und erster Referent bei der Organisation dieses Landes ge-braucht, bis er im April 1815, vom Fürsten Metternich nach Wien berufen, demFelthosiager des Kaisers nach Paris folgte. Dort ernannte ihn der Kaiser zu s. Ge-neralkonsul in Sachsen ; zugleich wurde er kaiserl. csir. Geschäftsträger an den her-zogt. anhaltischen und surfst, schwarzburgischen Höfen. 1819 wohnte er den Mini-sserialconferenzen in Karlsbad, hierauf denen in Wien bei. Bis Ente 1827, wo ernach Wien zurückberufen wurde, lebte er zu Leipzig und gab hier (18!6>— 18) s.„Staatsanzeigen" und 1819 s. Schrift: „Von der Nothwendigkeit einer theologi-schen Grundlage der Staatswissenschaft und Staacswirthfchafc", heraus. Auchstehen von ihm Beiträge im wiener „Deutschen Beobachter", in Fr. Schlegel'S„Concordia", in den „Zeitgenossen' (Franz I., Kaiser v. Östreich, 'und Hörner) undin andern Zeitschriften. Er starb zu Wien d. 17. Jan. 1829.
Müller (Peter Erasmus), I). und Pros. der Theologie zu Kopenhagen ,Direcror der Bibelgesellschaft u. s. w., geb. daselbst d. 29. Mai 1776, hat zur Kennt-niß und Kritik der Denkmäler des nordischen Alterthums viel beigetragen. Außerandern verdienstlichen Schriften sichern s. Ruhm s. „Sagabibliothek" (in 3 Bdn.;1. Thl., Berlin 1816, auch von 1). Lachmann insDeulsche Übels.) und s. „Kriti-sche Untersuchung über den Werth der historischen Quellen des Saxo GrammaticuS und Snorre Sturleson", die er den 3 Ehrenmännern (Ilueilk-rxnaen,!) Grater,W. Grimm und v. d. Hagen , als den gelehrten Kennern der nordischen Vorzeit inDeutschland , zugeeignet hat. Das erstere Werk ist eine umfassende Darstellung al-ler isländischen Sagen, nach vorangegangener kritischer Sichiung und Classtfici-rung, in den zweckmäßigsten, dem Geschicbts- sowol als dem Alterthumsforscher inhohem Grade genügenden Auszügen. Das andre aber ist ein wahres Meisterstückder historischen Kritik und um so verdienstlicher, je schwerer es war, den Quellen ei-nes Saxo und Snorre jetzt erst und Mit solcher Entschiedenheit nachzuforschen.Beinahe ebenso wichtig sind s. kritischen Abhandl. über das goldene Horn, über dieWichtigkeit der isländischen Sprache, über den Ursprung und Verfall der isländi-schen Historiographie und über die Echtheit der Asalehre. Ebenderselbe ist auch seit1815 Herausg. der „Kopenhagcner gelehrten Nachrichten" („Kstiibcustwviustis1-icrste lötlei ivtnin-xer"), die seit 1811 den Titel „Ususlr IÜIcratur-1 bleuste",t. i. „Dänische Literaturzeitung", angenommen haben. 87.
Müller (Wilhelm), Hofrath und Bibliothekar zu Dessau , der Sängerder Griechenlieder, war zu Dessau den 7. Oct. 1795 geb. Der Vater, ein bemit-telter Handwerker, bestimmte den talentvollen Sohn zum Studiren. So viel nunauch auf die Erziehung desselben gewendet wurde, so war diese dennoch frei von al-lem Zrstange; selbst die Wahl der Beschäftigung blieb fast ganz den Launen desKnaben überlassen. Kein Wunder, wenn auch später noch der lebhafte Geist des