Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Musik 6^,1

Stärke und Schwächt sind, und aus mehr,,. Schlurren größere Mieder, wodurchdas Fortdauernde mannigfaltig wird, entstehen. Daher das Rhythmische in demHämmern der Schmiede und in dem Dreschen, das Mehre zugleich verrichten.Dadurch wird die Arbeit erleichtert, weil das Gemüth mittelst der Lust, die esan Einförmigkeit, mit Abwechselung verbunden, findet, zur Fortsetzung derselbenermuntert wird. Diese taktmäßizc und rhythmische Bewegung nun kann unmit-telbar mit einer Folge von Tönen verbunden werden, weil eine solche Folge stetsden Begriff der Bewegung mit sich führt. Und somit ist demnach der Ursprungdes förmlichen, mit Takt und Rhythmus begleiteten Gesanges und seine natürlicheVerbindung mit dem Tanze begreiflich. Der Gelang, vielleicht so alt wie dasMenschengeschlecht selbst, war ursprünglich der Trieb des Menschen, seine Gefühle,besonders wenn sie vorzüglich heftig waren, gleichsam aus dem Herzen durch denMund auszustoßen und sich überhaupt des unangenehmen Gefühls sowol als desangenehmen zu entledigen. Die geistige Natur des Mensche», durch Freude wiedurch Schmerz in ihrer Ruhe und in ihrem Gleichgewichte sehr gestört, strebt,beider Empfindungen Herr zu werden und sie unterzuordnen, und der Ton, sowolder der Freude als der des Schmerzes, ist das Bestreben, sich der Empfindungen,die dem Herzen zu mächtig werden, durch das kräftigste Mittel, wodurch die Natursich zu äußern pflegt, durch die Stimme, zu entledigen. Der gebildete Menscherhob die Töne durch gesetzmäßige, aber mannigfaltige Verbindung zum freienSpiel, um sich hörend im Reiche der Empfindungen zu ergötzen. Ihre Selbstän-digkeit erreichte diese Kunst in der Instrumentalmusik (s. d.), welche frühernur dienend war. Da die Musik nun vorzüglich auf die Empfindung des Men-schen wirkt, so ist es dem Zwecke derselben unangemessen, durch sie eigentliche Ge-danke» und Vorstellungen darstellen zu wollen, und jedes Tonstück, das nicht Ein-psindung erweckt, ist kein Werk der echten Tonkunst. Doch muffen wir dabeinicht übersehe», daß nicht Jeder, welcher ein gesundes Gehör hat, auch ein musika-lisch gebildetes und jene zur wahren Auffassung der Toinverke nöthige Reizbarkeitder Gehörsorganisation besitzt, durch welche die Töne mit dem Gefühl in Verbin-dung zu stehen scheinen. Nächstdem kommen auch die Mittel in Betrachtung, aufderen Kenntniß und Gebrauch diese Kunst beruht. Sie sind dreifach: die Melo-die (s. d.), der Rhythmus (s. d.) und die Harmonie (s. d,). Die Tonartaber, in welcher eine Melodie vorgetragen wü d, ist darum wichtig, weil eine jedeTonleiter ihren besondern Charakter hat. Auch der Rhythmus hat zum Ausdruckder Empfindung eine große Kraft, weil die Empfindungen überhaupt eine schnellereoder langsamere Bewegung haben. Die Harmonie schließt ebenfalls ungemeinViel Kraft zum Ausdruck der Empfindungen in sich. Es kann durch sie Ruhe undUnruhe, Schrecken oder Fröhlichkeit in dem Gemüthe der Zuhörer erweckt werden.In Betreff dieser Wirkungen selbst ist die Tonkunst unerklärbar. Wenn jede andreKunst mehr oder weniger zum Verstände spricht, dieser sich aber der empfangenenEindrücke stets bewußt ist und die Gründe davon aufzuzählen vermag, so wirkt da-gegen die Musik vorzüglich auf das Gemüth und ist im Stande, dasselbe bis zurhöchsten Leidenschaftlichkeit zu entflammen. Sie erweckt in uns an sich keine Be-griffe und Ansichten, sie wirkt vielmehr zunächst auf das Unbewußte, auf die bloßeAhnung in uns; dies ist das unendliche Gebiet, wo die Musik ihre wunderbare,mit nichts zu vergleichende Herrschaft ausübt, und sie ist darum rein romantischerNatur. Daraus wird auch erklärbar, warum die Griechen, bei welchen vielmehrdie Anschauung das Herrschende war, in dieser Vollendung keine Musik gehabthaben können. Bei den Werken der Tonkunst unterscheiden wir die musikalischeErfindung (Composition im eigentlichen Sinne, zu welcher Kenntniß der ästheti-schen und technischen Bedingungen der Tonkunst und musikalisches Genie gehört)von der Ausführung (Epccution oder äußere Darstellung). Letztere ist durch Er-