Musikdirector Musikfcste 630
nachahme: „Ich habe die Nachtigall selbst gehört". Engel hat in seinerSchrift „Über die musikalische Malerei" (Bcrl. 1180) unbedingt das Malendes Objects verboten und foderte das Malen der Empfindung.
Musikdirektor. Die kunstmäßige Ausführung von Orchesterstückenerfodert eine Menge von Individuen (Instrumentalisten, oder Sängern, oder Bei-der). Sollen diese Meinem musikalischen Mauzen vollkommen zusammenwirken, sowird dazu nicht bloß eine gewisse Fertigkeit von ihre« Seite vorausgesetzt, welche sie zuQrchestergliedern macht; sondern es bedarf auch, da jedem Einzelnen nur Das vor-geschrieben ist, was er für seinen Theil zum Ganzen beizutragen hat, und aus s.Partie die Idee des Ganzen nicht vollkommen erkennbar ist, auch von jedem einzel-nen Theilnehmer die Leitung der übrigen nicht abhängen kann, eines vereinendenPrincips, welches den Willen des Tonsetzers repräsentirt und nach der ÜbersichtDessen, was alle Einzelne zu leisten haben, dieselben zum Ganze» vereinigt: dasHaupt des musikalischen GesammtkörperS, welchen das Orchester bildet; und die-ses Haupt der musikalischen Darstellung ist der Musikdirectvr. Derselbe muß so-nach eine genaue Einsicht in die Musik als Kunst besitzen u. dabcr das Wesen dermusikal. Tonsehung überhaupt nach Melodie, Harmonie und Rhythmus, und dieauszuführenden Tonfetzungen insbesondere im Ganzen und Einzelnen nach Cha-rakter, Zeitmaß, Vertrag w. kennen und verstehen; daher auch Kenner der musi-kalischen Darstellungskunst und der Mittel dazu, d. i. der stimmen undmusikalischen Instrumente (ihrer Aufstellung, verschiedenen Behandlung), sein,um die erfoterlichen Vorschriften bei der Ausführung der Tonwerke zu geben; fer-ner muß er die ihm gegebenen Mittel an Stimmen und Instrumenten ken-nen und anzuwenden wissen; genau und mit Ordnung einstudiren, mit ruhigerÜbersicht die Ausführung leiten, die richtigen Zeitmaße bestimmt angeben und über-all s. Untergebenen zu einer edeln Ausübung der Kunst zusammenhalten. Häufignennt man in neuerer Zeit den Musikdirector im engern Sinne einen untergeord-neten musikalischen Director, der unter dem Capellmeister oder einem sogen.Intendanten der Musik steht und nur dessen Stelle zuweilen vertritt, haupt-sächlich aber das Einstudiren bis zur Generalprobe besorgt.
Musiker oder Tonkünstler ist, wer die Tonkunst als freie Kunst treibt,und unterscheidet sich dadurch vom Musikanten, der sie nur als Handwerkund um des Erwerbs willen treibt. Jener ist Theoretiker oder Praktiker; inder Regel aber versteht man unter Musiker den praktischen Tonkünstler, wel-cher entweder als Componist oder als musikalischer Darsteller (sei es Musikdi-reckor, Virtuos oder Ripienist) die Tonkunst ausübt. Jener, der Componist,ordnet an, diese führen die Anordnung im Einzelnen aus.
M u s i k f e st e. Bei der weit verbreiteten Liebe für Tonkunst in der heuti-gen Zeit kam man auf den Gedanken, zur würdigen Ausführung großer Musik-stücke auch große Kräfte von nah und fern zu vereinigen, und diesen Zweck an ir-gend eine feierliche Gelegenheit anzuknüpfen, welche auf diese Weise verherrlicht,tind für die Unterstützung des schwierigen und kostspieligen Unternehmens ein hin-längliches Interesse erweckt werden könnte. An kleinen Orten, wo weniger musikal.Mittel vorhanden sind, wendete man sich zunächst an die näher liegenden Orte undlud brauchbare Künstler zur Mitwirkung ein. In der Schweiz veranstaltete schonseit einigen Jahren die schweizerische Musikgescllschaft solche Feste. Nachher hakman an mehren Orten Musikfeste veranstaltet, wenn auch nicht immer unter die-sem Namen, ;. B. in Hamburg, Lübeck, Luckau, Münster (wo man jährlich dasFest ker heiligen Cäcilie feiert). So veranstaltete Bischoff 1822 in Bückeburg die Aufführung des Weltgerichts; 1824 wurde in Quedlinburg unter K. M. v.Weber's Leitung durch Aufführung mehrer großen Musikstücke Klopstock'S Ge-burtSiagSjubiläum gefeiert; Fricdr. Schneider führte in Köln um dieselbe Zeit sein