Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
649
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MnsticiSinuS 64 !1

menschlichen Meist ewig undurchdringbare Geheimnisse festzubalten, indem er dasTreiben der Wissenschaft in dieser Beziehung für Frevel erklärt und die erwähntenGeaenstände ausschließend als Sache des Glaubens behandelt wissen will. Erüberspringt die vermittelnden Ursachen und beziebt alles Unmittelbare auf dasböebste unsichtbare Wesen, womit er oft die freie Thätigkeit des Menschen selbstaufhebt. Die Sphäre des Mysticismus, sein Anfang und Ende (Princip undEndzweck) ist der Glaube (Überzeugung im Gefühl) und dessen Ausbreitung; seininneres Reich ist die Religion, sein äußeres Gebiet ist die (höhere) Kunst, derengeheimnisvolles Wirken handelnder, gleichsam praktischer Mvsticismus ist. DieSphäre der Wissenschaft, ihr Umfang und Ende ist darWissen (Klarheit und Ent-Wickelung der Ideen und Begriffe) und dessen Fortgang in sich selbst und nach Au-ßen; ihr inneres Reich ist die organische Gesammtheit der Wissenschaften, ihr äu-ßeres Gebiet die Schule (in weitester Bedeutung, als Organisation des Gclehrten-standes), durch welche sie sich selbst erhält, fortpflanzt und verbindet. DieseSphären stehen einander nicht nur im Ganten, sondern auch im Einzelnen oderBesondern gegenüber, so z. B. der Nakurreligion (Mythologie) die Naiurwissen-schaft (Naturphilosophie); der positiven (geschichtlich begründeten) Religion die'Geisteswissenscbafr (Idealphilosophie); der Kunst die Kunstwissenschaft, überhauptjeder Kunst und jeder praktischen Kunde ihre Theorie. Daran? erkennt nie» dasnothwendige Streben der menschlichen Natur nach wissenschaftlicher Aufklärung,nach Auflösung der Mysterien in allen Sphären des Lebens; man erkennt au? demFortschreiten der Wissenschaft, d. h. in der zunehmenden Auslösung des Glaubensin Ibissen , der unbewußten Gefuhlsanschauunq in wissenschaftliche Wahrheit dasletzte und höchste Ziel der Entwickelung und Bildung der Menschheit, welche? keinandres ist als möglichst vollendete Geistesbildung, zu welcher nur die Wissenschaftführt, und mit deren Vollendung sie selbst eins (identisch) ist. Wo aber d«e Wis-senschaft fortschreitet, oder wo ihr Streben gelingt, da erscheint sie als Siegerinüber den Mvstic'SMliS, obgleich dieser Sieg nur rheilw.ise, nie vollständig errungenwerden kann. Denn der Gegenstand im Ganzen, sowol des Glauben? als desWisse»?, ist das ewige Mysterium, in dessen Anerkennung die wahre Mvstik be-steht, das Unendliche in seiner Einheit und Entwickelung (das Univer a), wel-ches durch kein fortschreitendes Wissen in der Zeit je vollständig enthüllt wertenkann. Daher ist auch zwischen jenen Gegnern an keinen endlichen Frieden zu den-ken, der Lldtreit dauert so lange fort, als die Wissenschaft lebt, und diese lebt fort,so lange ihr ein Mysticismus gegenübersteht; denn ihr Leben besteht ja nur in die-sem Lrreit, und alles wissenschaftliche Sweben müßte aufhören, sobald kein Dun-kel mehr zu erhellen, kein Mvsticismus mehr zu bekämpfen wäre. Aber dieserStreit ist gegenwärtig noch ein doppelter, weil der Gegensatz zwischen Mysticismusund Wissenschaft ein doppelter, hier ein innerer, dort ein äußerer ist; er ist ein in-nerer, insofern jeder wissenschaftlich Gebildete nach weiterer (fortschreitender) Bisdung strebt, also gegen den Mvsticlsw.us in seinem Innern, gegen das in ihm nochvorhandene Dunkel zu kämpfen hat, um mit sich selbst immer mehr ins Klare zukommen; er ist ein äußerer, iwoftrn jeder wahre Gelehrte zugleich nach Außen ge-gen die Mystiker, welche die Wissenschaft anfeinden und Vorurtheile verbreite»,zu; kämpfen hat. Dieser äußere Kampf wird einst aufhören, wenn die Wissen-schaf: sich allgemein verbreitet haben, wenn ihr Werth oder das Göttliche in ihr all-gemeiner anerkannt sein wird, sodaß es wenigstens keine solchen Mystiker mehrgibt, welche das Göttliche (die Offenbarung Gottes) allein in der Religion oderim Glauben einheimisch wähnen, indem sie die Wissenschaft für bloßes Menschen-werk halten, ja in ihr wol gar das böse Princip zu erkennen meinen. Auch ist dieß'Feindschaft schon jetzt im Grunde nur einseitig, wenn man erwägt, daß zwar diegrößten Mystiker unserer Zeit Diejenigen hassen, welche der Wissenschaft huldigen,