755
Neapel und Sicilien (Revolution von)
vereinigt zu werden. Da aber der Generalvicar jede Einmischung in die Rechteder Nachbarstaaten streng verbot, so baten sie den Papst um ein Veifrssunasgesetz,und als dieser unbedingte Unterwerfung foderte, so v-rwcndeltcn sie sieb in einenFreistaat. In Neapel ward die Verwaltung vorläufig der künftigen Verfassunggemäß eingerichtet, die Büchercensur aufgehoben, das Nationalparsainenk nun1. Oct. berufen und dem Heere die alte Verfassung, wie sie unter Mural gewesen,wiedergegeben.
In Sicilien nahm die Revolution eine unerwartete Richtung. Hier be-stand seit dem Mittelalter ein Parlament von 3 Ständen, das sich alle 3 Jahreversammelte, um über Auflagen und Gesetze csszust mmcn. D.r Volke wünschnach Unabhängigkeit von Neapel war während des Aufenthalts des Könige m Pa-lermo erreicht worden; nach seiner Wiederherstellung in Neapel aber spr ach Ferdi-nand die Einheit Neapels und Siciliens aus. ohne den Sicilianern ihr altes Par-lament zurückzugeben. Dagegen hatte er das Maplmum der Steuern niedrigerangesetzt, als sie in irgend einem Staate erhoben wurden, und im Fall einer Er-höhung die Berufung der Stände, um deren Zustimmung zu erhalten, verspro-chen, auch hatte er die Feudalgerichtsbarkeit der Barone aufgehoben und andrevolkSgemäße Einrichtungen vorbereitet. Der Kronprinz ward 18l9zum Dicekönigernannt, und im Juli 1820 vertrat dessen Stelle der Generallieut. Don DiegoNaselli. Als die Nachricht von der Involution in N>apel am 14. zu PAerino an-kam, äußerte das Volk sofort den Wunsch nach Einführung der span. Constikution,zugleich aber auch den nach einem besondern Nakiona'parlamente. Da geschah es,daß am Feste der heil. Rosalia, am >6. Juli, der Plaßcommandant, Gen. Ckurch,ein Engländer, die Zeichen dieses Verlangens, eine gelbe Eocarde und den sicilia -Nischen Adler beleidigte; darüber entstand Auflauf; der General rettete sich durchdie Flucht, alle für die öffentliche Ruhe genommene Maßregeln waren fruchtlos,das Volk bemächtigte sich der Waffen in den Forts, es erbrach die Gefängnisse,«S ermordete den Prinzen Cakolica nebst andern Männern von Bedeutung und be-ging die wildesten Ausschweifungen. Ein Franciscan rmönch, Ioach. de Vaglica,stellte sich an die Spitze des rasenden Haufens und schlug die neapolir. Linicnirup-pen in die Flucht. Dies geschah am 17., an welchem Tage gegen 1500 Menschentheils gelddtet, theils verwundet wurden. Darauf schiffte sich General Naselli mitetwa 100 Soldaten nach Neapel ein; die dem Blutbade entgangenen Neapo'üaneraber, 6000 an der Zahl, wurden als Gefangene behandelt. Endlich stell e einevon der Municipalität und den Vorstehern (('.<',,«>!>) der Gemeinheiten ernannteJunta die Ordnung wieder her, indem sie eine Bürgergarde errichtete, in welcherdie Vornehmsten, sowie Priester und Mönche. Dienste nahmen, aber kein Tage-löhner zugelassen wurde. Die Züchtlinge schickte man ohne Waffen aus der Stadtund erließ eine Amnestie. Der Mönch Vaglica wurde Ob.rst . in dem Natio-nalheere. Hierauf berief die Junta am 26. Juli aus Siciliens Städten Abgeord-nete zu einer Nationalversammlung nach Palermo , was jedoch Messing und Ea-tanea zu thun sich weigerten; zugleich schickte sie Abgeordnete an die Regierung nachNeapel , um über Siciliens Unabhängigkeit und einen Bundeövertrag der be benVölker zu unterhandeln. In Neapel aber hatte man auf die Nachricht von den Vor-fällen am 17. alle Sicilianer, um sie vor der Volkswuth zu schützen, zu Kriegsge-fangenen erklärt, und stakt auf die Vorschlüge der palermitanischen Junta, die zu-letzt der Königs Ferdinand Souverainetät anerkannte, aber ein eignes Parlamentfür Sicilien foderte, einzugehen, schickte man den Fürsten de la Scaletta a» Na-selli'« Stelle nach M.sssina, und beschloß, Palermo mit Gewalt zu unterwerfen.Unterdessen war in S cilicn der Bürger- und Guerillaskrieg auSgebrochen, weileinzelne Städte, wie Messing und Tr.pani, sich der Sache der Unabhä-'gigkeitwidersetzten. Nachdem der General Florestan Pepe mit 4000 M am 2. Sepl.
48 *