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Neugriechische «Sprache und Literatur
Würde und Anmuth gibt. Selbst jetzt, wo diese Reinheit längst verloren gegan-gen, hat der Nachklang einer hochbegünstigten Mundart doch fortwährend < ie Er-innerung an gefeierte Altvordern erhalten und ist der bewahrende Schutzgeist dergriech. Art und S ttte geblieben, die eine so würdige Erhebung feiern. Des altenGriechenlands majestätische und zugleich so zartgebildete Sprache schien jedes äu-ßern Schutzes beraubt, als mit dcni Falle Konstantinopels die Griechen unterjochtwurden. Alle Gebildete, in deren Munde sich das reine Griechisch, die Spracheder byzantinische»Fürsten , erhalten hatte, waren im Kampfe gefallen, oder geflüch-tet, oder buhlten gar um die Gunst der rohen Sieger durch Annahme ihrer Dia-lekte. Nur im niedern Volke lebte noch jenes gemeine Griechisch (die ä^-
/rwäyc. ,ä,co7°ix-/ 0 /eXcxi-yc), das p.irlur volpaic des gebildetsten Vol-
kes, dessen Spuren zwar schon bei früher» Schriftstellern vorkommen, das aber erstseit dem 6. Iobrb. recht bezeichnend erwähnt wird. Dieses griech. Patois entferntesich aber noch niehr von der Reinheit der Schriftsprache, die am Hofe, in den Ge-richtshöfen und in den Lchrsälen eine Zuflucht hatte, als kreuzfahrente Franken esdurch ihnen eigenthümliche Ausdrücke vermehrten, und anwohnende Barbaren dieihrigen aufdrangen. Als schon gebildete Schriftsprache tritt dieser Volksdialektzum ersten Male in der Chronik des Simon Sethos ( 1010 — 80 ) hervor. Nach-dem die Domänen Herren des Landes geworden, hörten mit einem Male alle An-stalten auf, welche Pflegerinnen der bessern Sprechart gewesen waren; das Volk,sich selbst überlassen, von der brutalsten Willkür beengt, würde zuletzt auch seinetäglich mehr verwildernde Mundart ausgegeben haben, hätten die Griechen nichtin ihrer Kirche une Art von Mittelpunkt behalten. Denn da ihnen bei der' Erobe-rung der Hauptstadt der Patriarch geblieben war (Panaaiotacchi, der 1500 zumDolmetscher des Grcfherrn erwählt ward), so wandten ste zu ihm ihre Blicke alszu ihrem Haupte und sahen in ihrer Synode ftincn Senat, und auch der Spracheblieb in den Schriften der Kirchenvater und des A. und N. Test. ein kanonischesMuster, das die täglich sich niehr entfremdenden Mundarten zusammenhielt. Ver-wahrlost und dem Zufalle preisgegeben, ohne eine zur höher» Sittlichkeit hinwei-sende Glaubenslehre, in jedem Gewerbe gehindert, von dem aufreizendsten Beispielzu träger Wollust oder zu rachsüchtiger Tücke angeregt, konnten die ärmlichen,überall beengten Lehranstalten um so weniger nützen, als die berufenen Pfleger derSittlichkeit und Bildung, die Geistlichen und Mönche, selbst der Kenntnisse erman-gelten und der allgemeinen Verderbnis sich Hingaben. Bis zur Mille des vorigen^ahrh. dauerte diese tiefste Erniedrigung der glücklichsten Mundart. Denn dieWenigen, welche in jener Periode es der Mühe werth hielten, etwas aufzuschreiben,verschmähten die Sprache des Volks zu gebrauchen; wie Fremd' borgten sie dazudie altgi leckische, leider damals völlig ausaestorbene Sprache. Daher möchte derhistorische Beweis für die jetzt unter den Neugriechen eingeführte Aussprache wolwenig Überzeugendes haben, wollte man auch die vielen Gründe seiner Verwerfungunbeachtet lassen. Entlieh regte der durch alles VolkSungemack doch nicht errichtetegriechische Geist mächtiger seine Flügel, denn das mildeste Klima, das den natur-srohen Sinn fortwährend pflegte und nährte, das unenireißbare Erbe hochgefeierterNamen und Erinnerungen, die Land und Meer täglich erweckte, selbst die Freudeam Gesang, ließen den Volkssinn nicht völlig untergehen. Drei Perioden tieferErweckung kann man nnt Rhizos unterscheiden. Die erste, von 1100 — 50 ,verschaffte den Fanarioicn Einfluß und Wirksamkeit im Serail, besonders seitMaurokordatos (Aley., Gelehrter und Schriftsteller) Pforiendragoman, und sein<Lohn Nikola erster Hospodar der Moldau und Walachei ward. Während derzweiten Periode ( 1150 — 1800 ) bildeten tie Griechen sich auf abendländischenUniversitäten und verpflanzten ane den Atcntländern sich nach derHeiniach. ZumHandel durch tie Nalur aufgtfodert, zeigten sie bald eine Gewandtheit und eineCcnversativnö-Lerlcon. Bi>->H. 51