Band 
Siebenter Band. M bis N.
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901
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SOI

Nordische Mythologie

um den Abgrund der Zeit lagern und die Herren des Himmels, der Erde und derUnterwelt zeugen. So sind auch in Griechenland Giganten, Titanen und Cyklopenbis Ahnherren der Götter. Hier wie dort geht es von Naturideen aus und aufsie zu-rück; hjxr wie dort aber verdrängt ein neues Götlersystem das alte, und in die Na-turideen mischt sich historischer Stoff. Das Alte und Neue aber scheint Odin zu ver-mitteln, wie bei den Griechen Zeus . Offenbar muß man einen ältern und jünger»^din unterscheiden. Jener war Symbol und Gottheit des Lichts und der Sonne,Und man hat von ihm manche liebliche Dichtung, z. B.von s. Vermählung mit demErdkreise, s. täglichen Liebschaft mit der Göttin der Gewässer, zu welcher er jedenAbend untertaucht, um mit ihr den goldenen Pocal ihres Elements zu trinken, vons-mit den Dünsten der Mutter Erde vermählten Strahlen, wodurch der Gott desDonners erzeugt wird, u. A. m. Alle diese Sagen aber wurden nachher aufden jün-ger» Odin , den Vorsteher des Asenrathes, übergetragen. Äsen (Asiaten) heißt dasNeue Göktergeschlecht, das mir dem jünger» Odin einwanderte oder von ihm ab-stammte. Aus nordischen Chroniken ergibt sich, daß in den ersten Jahrh, unserer Zeit-Rechnung, wenn nicht noch zuvor, Siage, eines asiatischen Volkes, der Äsen, Führer,Von, kaspischen Meere und dem Kaukasus her, wahrscheinlich von den Römern ge-drängt, nach Nordeuropa vordrang. Nach Nordwest vom schwarzen Meere ging sein3ug »ach Rußland, dem er, der Sage nach, einen s. Söhne zum Herrscher gab, so-wie nachher den Sachsen und Franken. Er drang dann durch Cimbrien nach Däne-Mark hin vor, das s. 5. Sohn, Skiöld, als Herrscher anerkannte, und ging nun nachSchweden , wo Gylf regierte, der dem wundersamen Fremdlinge und s Lehre hul-bigte, Bald erhob er sich dort zum unumschränkten Herrscher, bauete sich Sigtuna zum Mittelpunkte s. großen Reichs, begründete eine neue Gesetzgebung und einenNeuen Gottesdienst. Er selbst nahm den Namen Odin's an, setzte die Priesterschaftder 12 Drottars ein, welche den Geheimdienst und die Rechtspflege besorgten, alsSeher in die Zukunft blickten und wahrsagten. Er ist auch Gott des Gesanges undder Kriegskunst (Gibbon und Münter sehen in Odin einen Wchaman und in s. Lehreden Lamaismus). Er war Erfinder der Runen, und machte sich als Zauberer ge-fürchtet. Die Äsen aber, d. i. die Götter des neuern Skaldenhimmels, sind fol-gende: Odin, , der Gott der Götter, der erste und älteste'Aller, d"'Jahrh, durchimmerdar lebt. Er sitzt aus dem erhabenen Throne Lidskjals, wo er Alles in derWelt sieht, allein mit sich, sich selbst betrachtend, neben sich den Spieß Gungner.Zwölf Hauptnamen hat er im alten Asgard und 114 andre. Sleipner heißt seinflüchtiges Roß. Von ihm und s, Gemahlin Frigga stammt das Göttergeschlecht,und er heißt deßhalb Alsadur, Allvater, nach Andern richtiger Wallfader, Vateraller im Kampfe Gefallenen (ein Name, der ihm als Vorsitzer der Walhalla ge-bührt). Frigga, des Götierkönigs erhabene Gemahlin, theilt mit ihm den wun-berbaren Thron, von dem man in alle Lande sehen kann. Aller Menschen Schick-fal ist ihr offenbar, ruht aber verschwiegen in ihrer Brust. Söhne Beider sindDhor, der Gott des Donners, Sinnbild physischer Kraft, aller Götter und Men-schen stärkster, dessen gewaltiger Fußtritt wie Sturm ertönt, dessen Hammer,dPiölner (der Zermalmer), auch das Härteste zermalmt, und Balder , der jugend-lich schöne Gott der Beredtsamkeit und rechtlichen Entscheidung, der Unschuldige,welcher im Glänze, ähnlich der Lilie, 'einhertritt, und dem zu Ehren die weißesteBlume den Namen Baldrian erhalten hat. Nanna, Gewar's Tochter, s. Ge-mahlin, bewundert mit bescheidenem 'Auge den Geist des Gatten.. Mit ihr erzeugteer den Forsete, den friedlichen Sohn, der dem Regenbogen vergleichbar ist, wenner aus der Wolke der Nacht herabstnkt. Er schlichtet allen Streit,' dennAlle, diebei» Gott der Eintracht nahen, kehren mit versöhntem Herzen zurück. Wein Pa-last Glitner ruht aus goldenen Säulen. Niord, der im «Sturmwinde hie brausen-den Schwingen schüttelt, daß Alles erbebt, ist der Gott der Winde, des Seewe»