Band 
Siebenter Band. M bis N.
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903
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Nordische Mythologie SOL

mel hinaus. Sie hat 3 weit von einander entfernte Wurzeln, bei den Göttern,bei den Riesen und unter Hela. An der mittlern Wurzel ist der Brunnen derWeisheit, Mimcr'S Brunnen, an der himmlischen Wunel die heilige Quelle, betwelcher die (Letter Rath halten und ihre Urtheile knndthnn. Immerdar steigenau» dieser Quelle 3 scheue Jungfrauen hervor, die Noruen, mit Namen Urd(da« (Gewesene), Varante (das Währende, Geqenwart) und Skuld (das Künftige).Sie sind cS, die den Rath der Götter, des Menschen Schicksal und Leben bestim-men , und durch ihre Dienerinnen hülfreich oder strafend auf ihn wirken. Obenaber auf der Escbe sitzt ein Adler, der weit umherblickt; ein Eichhörnchen (Rora-toskr) läuft auf und ab am Baum; 4 Hirsche (Dain, Dynair, Dualin undDy-rathor) durchstreifen seine Aste und benagen die Rinde; die Wchlange unten nagtan der Wurzel, Fäulniß an den Seiten des Baums: aber immer schöpfen die Jung-frauen aus deni heiligen Brunnen und beziehen ihn, daß er nicht dorre. Das Laubder Esche thaut süßen Thau, die Speise der Bienen; über den Brunnen singen 2Schwäne. Was kann man hier Andres hören als Heimdall's Lied vom Schicksaldes großen Weltbaums, die Stimmen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftim Rathe der Götter? Ewig erschallen hier dieseStimmen, denn die NornenSie setzen Gesetze, bestimmen das LebenDen Söhnen der Zeit, und der Sterblichen Schicksal.

Die Götter selbst suchen die Weisheit der Nomen zu erforschen, der ernsten und er-habenen Göttinnen, die über Alles walten. Deßhalb wurden sie hoch verehrt, undman erbauete ihnen Capellen, in denen man sie um das Schicksal befragte. DieWalkyrien oder Disen sind furchtbar schöne Wesen, weder Töchier des Himmel«noch der Hölle, nicht von Göttern gezeugt, noch im Schoß unsterblicher Mütter ge-wiegt. Daher tiefes Schweigen über ihren Ursprung. Ihr Name heißt Todleu-wählerinnen (von Wal , Haufen Erschlagener, rvoh<r Wahlplatz, Kyria, küren,wählen). Furchtbar und schrecklich erscheinen sie im Gesänge eines Skalden, daßman sie für die grausamsten Wesen halten möchte. Allein wir finden sie als dieschönen Jungfrauen Odin's , sitzend mit Helm und Panzer auf flüchtigen Rosten.Die Helden schmachten nach ihrer Ankunft, bezaubert von ihren Reizen. Sie, dienach Walhalla ladeten, waren also keine schrecklichen, sondern die angenehmstenBolschafterinnen, wohlwollende Göttinnen, die in die Wohnung der Glückselig-keit führten. Der Aufenthalt der Götter war Asgard, die Götterburg, wahr-scheinlich eine allgemeine Befestigung des Himmels, von wo die Brücke Biftostzur Erde niederging. Asgard umschloß die Paläste der Götter. Da war Walas-tialf, der silberne Palast Odin s und alle die schon genannten. Mitten im Asgard,im Thale Ida, war der Versammlungsplatz der Götter, wo sie niedersaßen zumGericht. Dieser Platz war vor allen g-schmückt; hier war Gladheim, der Saalder Freude, Wingolf, der Palast der Freundschaft und Liebe, und Glaser, derHain von goldenen Bäumen. Ein eigner Palast mit Hainen und schönen Umge-bungen, Walhalla , war die Wohnung der Helden, die den Tod in der Schlachtgefunden. Auch hier ist das slige Leben getheilt in ewig blutigen Kampfundschwelgenden schmaus. Alle Wunden des Kampfes aber sind geheilt,,, sobald dasHorn des Gastmahls ertönt; dann schwelgen die Helden in Enherium-Öl, und dieschönen Walkyrien füllen ihnen die Hörner. Die Zahl der Helden, die sich daselbstbefinden, ist unaussprechlich groß und wird sich ins Unzählbare vermehren; dochaber werden die Götter wünschen, daß sie noch größer sein möchte, wenn einst derWolf Fenris kommt. Dieser Umstand nöthigt uns, einen Blick auf den bösenLote zu thun. Loke , der Sohn des Riesen Farbaute und der Lauftya, ist, wennkein Gott, doch ein höheres, übermenschliches Wesen, zwar schön von Körper, aberarg von Geist. Mit der Riesin Angerbode (Botschaft des Unglücks) erzeugte erHela, die Göttin der Unterwelt, halb blau, halb fleischfarben, von scheußlicher